Alle guten Dinge sind zwei – Ein weiterer Erfahrungsbericht aus dem Geburtshaus

Heute möchte ich dir in diesem sehr persönlichen Erfahrungsbericht von der Geburt meines zweiten Sohnes im Geburtshaus erzählen. Er kam, wie auch schon mein erster Sohn, im Geburtshaus Hebiana in Koblenz zur Welt. Ein Ort, der mir unglaublich viel bedeutet, ein Ort, an den ich unglaublich gerne zurück denke; hat er mir doch zwei wunderschöne, selbstbestimmte Geburten geschenkt.

Aber fangen wir von vorne an…

Die Schwangerschaft

Die Schwangerschaft verlief gut und ohne ernsthafte Probleme. Sie wurde aber von ein paar Sorgen und Corona etwas überschattet. Der größte Unterschied zur ersten Schwangerschaft war aber wohl die Tatsache, dass ich so viel weniger Zeit hatte, mich auf die Schwangerschaft zu konzentrieren.

Das erste Trimester

Sobald ich wusste, dass ich schwanger bin, habe ich mich im Geburtshaus angemeldet. Die Plätze sind rar und ich wollte unbedingt wieder einen Platz bekommen. Ich wollte wieder eine so schöne Geburt wie beim ersten Mal erleben und meine Abneigung gegen Krankenhäuser ist durch die zum Teil wirklich furchtbaren Corona-Bedingungen für Gebärende nicht gerade kleiner geworden. Nach kurzem Warten bekam ich dann die Rückmeldung, dass ich einen Platz habe und nicht nur das. Ich wurde wieder von den beiden Hebammen betreut, die mich auch schon bei meinem ersten Kind betreuten. Das konnte also nur gut werden.

Die Freude wurde etwas dadurch getrübt, dass mir im gesamten ersten Trimester furchtbar schlecht war. Nicht so schlecht, dass ich mich übergeben musste, aber doch so schlecht, dass ich stark eingeschränkt war. In meiner ersten Schwangerschaft half dagegen ständiges Essen, diesmal half nichts. Dazu war ich phasenweise so unglaublich müde, dass ich morgens kaum wusste, wie ich aus dem Bett kommen soll. Ist mit Kleinkind an der Seite natürlich nicht so richtig gut umsetzbar. Durch strenge Kontaktverbote durch Corona hatte ich in der Zeit auch kaum Unterstützung. Die Tage waren zum Teil einfach unendlich lang und anstrengend. Zum Glück hatten wir einen Garten und schönes Wetter, das hat für eine gewisse Leichtigkeit gesorgt. Meine größte Hoffnung in der Zeit war aber trotzdem, dass das alles nach den ersten 12 Wochen besser werden würde.

Das zweite Trimester

Und das wurde es zum Glück auch. Kurz nach Ende der 12. Woche war mir nicht mehr so schlecht und die unendliche Müdigkeit wurde deutlich besser. Endlich etwas Zeit, die zweite Schwangerschaft zu genießen. Denn das war einer der ersten großen Unterschiede, die ich schnell bemerkt habe: Irgendwie fehlt in der zweiten Schwangerschaft so oft die Zeit zum einfach nur da sitzen und genießen.

Die Kontaktbeschränkungen wurden etwas gelockert, sodass ich auch wieder mehr Unterstützung hatte, das tat wirklich gut. Wir sind noch einmal zu dritt in den Urlaub gefahren und hatten eine schöne, entspannte Zeit in Bayern.

Das dritte Trimester

Und dann war es schon da, das dritte Trimester. Da die Bedingungen es zugelassen haben, habe ich in der Zeit noch einen Yoga-Kurs besucht, in dem ich mir etwas Zeit nur für mich und das Baby nehmen konnte. Dazu ein unglaublich wertvoller Geburtsvorbereitungskurs, der mich auf die Geburt und die Zeit mit meinem zweiten Baby vorbereitet hat. Zu beidem erzähle ich dir gleich noch etwas mehr.

Und dann kamen auch wie schon in der ersten Schwangerschaft die vorzeitigen Wehen und ein verkürzter Gebärmutterhals. Mit dem Unterschied, dass ich mich dieses Mal nicht ansatzweise so gut schonen konnte wie in der ersten Schwangerschaft, da ein Alltag mit Kleinkind einfach fordernd ist. Aber auch mit dem Unterschied, dass ich schon wusste, was ich nehmen kann, was ich vermeiden sollte und vor allem, dass mein Körper es trotzdem bis zur Rufbereitschaft vom Geburtshaus (ab 3 Wochen vor ET) schaffen konnte. Und genau das war das Ziel!

Das dritte Trimester habe ich auch genutzt, um mich auf meine zweite Geburt vorzubereiten. Was mir dabei geholfen hat, erzähle ich dir im nächsten Abschnitt, bevor ich dir dann von der Geburt selbst berichte.

Erfahrungsbericht Geburtshaus

Vorbereitung auf die Geburt

Nachdem die erste Geburt so schön war und ich jetzt ungefähr wusste, was auf mich zukommen wird, lag der Fokus bei dieser Schwangerschaft nicht direkt auf der Geburtsvorbereitung im klassischen Sinn. Ich wollte mich noch etwas mehr auf mein Worst-Case-Szenario “Krankenhausgeburt” vorbereiten und vor allem auf das Thema “Geschwister”. Denn mit dem zweiten Baby stellt sich ja automatisch auch die ganze Welt des Erstgeborenen um. 

Was wäre wenn?

Die Angst davor, es vielleicht diesmal nicht zur Geburt ins Geburtshaus zu schaffen, kam während der gesamten Schwangerschaft immer wieder auf. Da ich aus der ersten Schwangerschaft aber schon wusste, dass trotz Schwierigkeiten während der Schwangerschaft der Traum in Erfüllung gehen kann, war die Angst diesmal nicht so präsent. Trotzdem wollte ich mich auf den Fall vorbereiten, schon allein, um ein besseres Gefühl zu haben. 

Dafür habe ich das Buch “Die selbstbestimmte Geburt”* von Ina May Gaskin gelesen, das ich jeder Schwangeren so sehr ans Herz legen kann. Man erfährt dort so viel über natürliche Geburten und sämtliche Faktoren die positiven oder negativen Einfluss darauf haben. Das Buch klärt unglaublich gut auf und stärkt das Selbstbewusstsein für eine natürliche Geburt, denn wir sind dafür gemacht. Wir können das! Dieses Wissen hat mir das Gefühl gegeben, dass ich auch im Krankenhaus auf ein paar Dinge Einfluss nehmen könnte, dass ich verschiedene Dinge auch dort selbst in der Hand hätte, um mein Geburtserlebnis positiv zu beeinflussen. 

Um dieses Thema ging es auch im Geburtsvorbereitungskurs, von dem ich dir gleich noch ausführlich berichten möchte. Dort konnten wir, auch zusammen mit den Partnern noch einmal Fragen klären wie: Was kann man im Krankenhaus machen, um möglichst natürlich zu gebären? Wie kann man sich im Zweifelsfall “wehren”, wenn man etwas nicht möchte? Wie kann die Partnerin bestärkt und geschützt werden? Was muss man vielleicht einfach hinnehmen und was kann man ändern? 

Mit bestmöglichem Hintergrundwissen ausgestattet konnte ich dann nur noch regelmäßig die aktuellen Corona-Bedingungen der möglichen Krankenhäuser erfragen, um mich dann im Fall der Fälle für das entscheiden zu können, das mir am meisten zusagt. Mein Mann erhielt zu der Zeit regelmäßig Updates, in welches Krankenhaus wir fahren würden. 

Der Vorbereitungskurs

Wir haben schon in der ersten Schwangerschaft einen Geburtsvorbereitungskurs im Geburtshaus gemacht, der uns sehr gut gefallen hat. Deshalb wollte ich auch jetzt gerne wieder einen Kurs dort machen. Es wurde ein Kurs angeboten, der speziell für Frauen ist, die nicht das erste Kind bekommen. Da die Corona-Auflagen es zu diesem Zeitpunkt zuließen, fand der Kurs sogar in Präsenz statt, was ein unglaublicher Mehrwert war.

Der Austausch unter den Frauen war so hilfreich und der Fokus im Kurs natürlich ein ganz anderer als in einem normalen Geburtsvorbereitungskurs. Es ging darum, was man bei der zweiten/dritten Geburt anders, vielleicht besser machen könnte, darum, was man sich für diese Geburt wünscht. Der Kurs brachte ein Bisschen Zeit für sich und das Baby, die im Alltag mit (meist) Kleinkind doch etwas kurz kommt. Es wurden Fragen geklärt wie “Wie bereite ich das Kind/die Kinder zuhause auf ein weiteres Geschwisterchen vor?”, “Wie kann das Wochenbett aussehen, wenn man nicht nur 100% für das Baby da sein kann?”. Es gab einfach ganz viel Raum für die Ängste und Sorgen, die man vor einer weiteren Schwangerschaft und einer weiteren Umstellung als Familie teilt. 

Dieser Kurs war so kostbar, dass ich dir sehr empfehlen kann, wenn du ein solches Angebot in deiner Nähe findest, zuzuschlagen. 

Den großen Bruder vorbereiten

Wir haben die Schwangerschaft auch genutzt, um unseren Großen auf sein Geschwisterchen vorzubereiten. Neben Büchern, die wir zusammen angeschaut haben, haben wir nach den ersten paar Monaten der Schwangerschaft abends im Bett dem kleinen Bruder gute Nacht gesagt und ihn so schon zu diesem Zeitpunkt in unsere Abendroutine integriert. 

Wir haben irgendwann auch gemeinsam ein Geschenk für den kleinen Bruder ausgesucht, das er zur Geburt bekommen sollte. Entschieden haben wir uns für eine Spieluhr, die wir abends gemeinsam auf den Bauch gelegt haben, um dem Baby “sein” Lied vorzuspielen. 

Sonstige Vorbereitungen

Da die Situation es zuließ, habe ich mich noch zu einem Yoga-Kurs für Schwangere angemeldet. Das hat mir in der ersten Schwangerschaft schon gut gefallen und war jetzt noch einmal eine schöne Gelegenheit, sich etwas Exklusivzeit für das Baby zu nehmen. Dazu waren die Übungen zur Vorbereitung auf die Geburt, zum Lindern verschiedener Schwangerschaftswehwehchen und zum Entspannen im Alltag sehr hilfreich. 

Darüber hinaus musste ich mich um ein paar Dinge kümmern, die mit der Geburtshaus-Geburt einhergehen. Ich musste mit meinem Kinderarzt abklären, ob er die U2 für das Baby machen wird. Dann musste ich, da wir erst kurz zuvor umgezogen sind, einen Hausarzt finden, der mir bei Bedarf nach der Geburt die Anti-D-Spritze setzen kann (am besten bei einem Hausbesuch und auch am Wochenende). 

Der Geburtsort

Ich habe es schon mehrfach erwähnt, mein zweiter Sohn ist auch im Geburtshaus Hebiana in Koblenz zur Welt gekommen.

Schon nach der Geburt meines ältesten Sohnes wusste ich, sollte ich noch einmal ein Baby bekommen, dann wieder dort.

Warum ins Geburtshaus?

Durch die Erfahrungen unserer ersten Geburt dort, hätte ich mir auch für den Start unseres Babys in sein Leben und unseren Start in ein Familienleben zu viert keinen besseren Ort vorstellen können. Dieser Ort fühlt sich an, wie zu Freunden nach Hause zu kommen. Ich denke so gerne an all die Momente dort zurück und wollte unbedingt noch einmal so schöne Erinnerungen schaffen.

Und diesmal musste ich meinen Mann nicht mal mehr von der Idee überzeugen, da auch er unsere Erfahrung dort sehr schätz. 

Meine Wünsche an den Geburtsort

Ich habe mir für meine zweite Geburt ein paar Dinge gewünscht, die ich mir auch für die erste schon gewünscht habe und von denen ich mir mittlerweile sehr sicher bin, dass sie beide Geburten sehr positiv beeinflusst haben. 

Die Betreuung

Ich habe mir eine aus meiner Sicht perfekte Betreuung gewünscht. Diese mag für jeden anders aussehen. Die einen wünschen sich die Sicherheit eines Arztes, ich wünschte mir die Abwesenheit eines solchen, um mit den mir vertrauten Hebammen ganz selbstbestimmt mein Baby auf die Welt begleiten zu können.

Im Geburtshaus erhält man eine 1-zu-1-Betreuung. Eigentlich sogar eine 2- oder 3-zu-1-Betreuung, da 2 Hebammen und der Partner während der ganzen Geburt nicht von der Seite weichen (außer man wünscht sich genau das). Es gibt keinen Zeitdruck, keinen Schichtwechsel, keine anderen Schwangeren, um die sich die Hebammen zeitgleich kümmern müssen. Durch die lange Kennenlernzeit währen der Schwangerschaft kennen die Hebammen bei der Geburt die Ängste und Sorgen der Schwangeren ebenso wie ihre Wünsche und auch einen Teil ihres Charakters.

Da ich meine Hebammen schon während der ersten Schwangerschaft und Geburt kennenlernen konnte war das Vertrauen so groß, dass ich mich wirklich sehr auf dieses zweite Geburtserlebnis gefreut habe.

Ein guter Start

Als unser erster Sohn zur Welt kam, hatten wir einen Bilderbuchstart. So entspannt, so natürlich, so gemütlich, dass ich mir sicher bin, dass wir alle davon profitiert haben. Ein so schönes Ankommen auf dieser doch so fremden Welt habe ich mir auch für meinen zweiten Sohn gewünscht. Ein ruhiges Kennenlernen nach der Geburt, erst für uns Eltern und dann auch für den großen Bruder. Eigentlich hätten wir ihn gerne zur Geburt mitgenommen, was aufgrund von Corona aber nicht möglich war (das war tatsächlich die einzige, wirklich verkraftbare Einschränkung der Begleitung während der Geburt). Deshalb sollte er uns wenigstens dort abholen, sehen wo sein kleiner Bruder zur Welt kam und dann gemeinsam mit uns nach Hause fahren, um dort zusammen das Baby richtig zu begrüßen.

Ich wollte auch ambulant entbinden und direkt nach Hause zu fahren, mich dort ins eigene Bett zu legen. Denn ich kann nirgends besser entspannen und mich von der Geburt erholen als dort.

Keine unnötigen Eingriffe

Ich hege schon sehr lange ein gewisses Unvertrauen in Ärzte und das System in dem sie arbeiten. Nach diversen, leider wirklich nicht schönen Geburtsberichten von Freundinnen und Bekannten, die sich an vielen Punkten ähneln und meinem in der Zwischenzeit dazu gewonnenen Wissen über die Interventionskaskade während Geburten, wollte ich auch für meine zweite Geburt wieder weitgehend auf Interventionen verzichten.

Ich wollte mein Baby ohne unnötige Eingriffe zur Welt bringen. Keine Eingriffe aufgrund von Zeitdruck, Personalmangel oder einfach einer guten Abrechnungsmöglichkeit. Genau diese Aussicht bietet das Geburtshaus. Hätte mir eine Hebamme dort zu einer Maßnahme geraten, wäre ich mir zu 100% sicher gewesen, dass sie wirklich notwendig und zu meinem/unserem besten wäre. 

Geburtshaus Erfahrungsbericht

Die Geburt

Obwohl man vielleicht meinen könnte, wenn man schon einmal ein Kind bekommen hat, ist das Einsetzen der Geburt beim zweiten Kind nicht mehr so spannend oder irgendwie vorhersehbar, so irrt man sich da. Ich fand die Zeit um die Geburt herum wirklich genau so spannend wie bei der ersten Schwangerschaft auch. Wann wird es losgehen? Wie wird es losgehen? Wird es noch schneller gehen als beim ersten Kind? Werde ich die Zeichen richtig deuten? 

Ruhe, Ruhe, nichts als Ruhe

3 Wochen vor ET – Ich habe es auch diesmal wieder in die Rufbereitschaft geschafft! Welch ein Stein mir an diesem Tag vom Herzen gefallen ist. Auch wenn meine Hoffnung und Zuversicht groß war, auch diesmal wieder trotzt vorzeitiger Wehen bis zur Rufbereitschaft durchzuhalten, war die Erleichterung doch enorm, als es wirklich so weit war. 

Jetzt konnte es also los gehen. Von mir aus zumindest. Wie lange würde er sich jetzt noch Zeit lassen? Welchen Termin würden wir gut finden, wenn wir es auswählen könnten? Nicht zu dicht an meinem Geburtstag. Wenn möglich, nicht der Monatserste, das gibt Urlaubsabzug für die Elternzeit. Die beiden betreuenden Hebammen haben im Wechsel Bereitschaft. Und obwohl ich beide sehr mag und schätze, war der Gedanke, auch mein zweites Kind mit der selben Hebamme wie das erste zu bekommen so schön. Aber es würde eh schön werden, egal wann. Hauptsache im Geburtshaus.

Aber dann passierte mehrere Tage einfach nichts. Kein einziges Ziehen, völlige Ruhe.

Vorsorge oder keine Vorsorge?

Und dann, eine Nacht bevor ich die nächste Vorsorge gehabt hätte, kamen ein paar Senkwehen. Aha, es passierte also etwas. Nicht stark, aber so, dass ich alle paar Stunden kurz wach wurde. Am Morgen hatte ich dann noch sehr leichte, sehr unregelmäßige Wehen und in ca. 2 Stunden, um 9:30 Uhr sollte die Vorsorge sein. Ob ich so noch alleine dort hin fahren würde, wollte ich nach dem Duschen entscheiden. Auch danach ganz leichte, ganz unregelmäßige Wehen.

Nach einem kurzen Telefonat mit der Hebamme haben wir entschieden, dass die Vorsorge an diesem Morgen nicht so wichtig war. Entweder würde sich unser Baby bald auf den Weg machen oder wir würden einen neuen Termin vereinbaren. Am Abend wollten wir noch einmal telefonieren.

Gegen 8:30 Uhr kamen die Großeltern, weil sie unseren Ältesten vor dem Vorsorgetermin abholen und für den Tag zu sich holen wollten. Kurz nachdem wir darüber gesprochen haben, dass ich den Termin wegen leichten Wehen abgesagt habe, wollte ich den Wehenabstand einmal mit einem Wehentracker überprüfen, da ich das schon bei meinem ersten Sohn vollkommen unterschätzt habe. Ergebnis der App: “Abstand unter 3 Minuten, sie sollten sich zügig ins Krankenhaus begeben.”

Kurz vor 9:00 Uhr. Vielleicht sollten wir zur Sicherheit doch ins Geburtshaus fahren, falls es nachher doch sehr schnell geht. Also erneuter Anruf bei der Hebamme, dass wir um 9:30 Uhr da sind, aber nicht zur Vorsorge, sondern zur Geburt. Von jetzt auf gleich nahm die Intensität der Wehen zu, jetzt war auch ich mir sicher, dass wir los sollten. Oma, Opa und der Große wurden quasi raus geschmissen, mein Mann bekam die Ansage, sofort los zu fahren.

Ist es plötzlich schon so spät?

Unsere Fahrt dauerte ca. 20 Minuten, vereinbart war, dass wir die Hebamme im 1. OG des Geburtshauses im Büro abholen, sobald wir da sind und wir dann mal schauen, wie die Lage ist. 5 Minuten vor Ankunft im Geburtshaus veränderte sich die Wehenintensität noch einmal, sodass ich kaum noch sitzen konnte. Noch ein Anruf bei der Hebamme. Ich würde sie nicht mehr oben abholen kommen, sie sollte bitte unten auf uns warten.

Als sie uns an der Tür in Empfang nahm begrüßte sie mich in etwa mit: „Oh, soweit ist es schon… Ich habe noch nichts vorbereitet und bin noch nicht umgezogen. Kommt mal an, ich bin gleich wieder da und informiere schon einmal die zweite Hebamme“.

Die Wehen wurden dann sehr schnell immer stärker. Ich konnte nicht mehr stehen, musste mich in den Vierfüßerstand begeben. Der Muttermund war vollständig geöffnet. Gegen 10:15 Uhr musste ich pressen, der Druck ins Becken war so unglaublich stark. So stark empfand ich ihn bei der ersten Geburt nicht. Das Problem war die Fruchtblase, die einfach nicht platzen wollte. Um 10:35 Uhr tat sie mir den Gefallen, sodass mein Baby sofort tiefer rutschen konnte. Wie auch schon bei der ersten Geburt war ich so unglaublich fasziniert davon, was unser Körper während einer Geburt leisten kann. Es ist Wahnsinn, wenn man spürt, wie ein Kind sich den Weg auf diese Welt bahnt.

Und dann 10:40 Uhr kam mit einer starken Wehe mein Kleiner auf die Welt. Und dann war er da mit einem Schrei den ich hören konnte, bevor ich ihn das erste mal gesehen habe.  

Mein Baby

Endlich konnte ich ihn im Arm halten. Mein wunderschönes, kleines Baby. Wir legten uns zusammen ins Bett und mussten erst einmal sacken lassen, dass unser Baby jetzt wirklich schon da war. Ca. 3 Stunden zuvor habe ich doch noch überlegt, ob ich alleine mit dem Auto zur Vorsorge fahren soll. Es war so surreal und so schön. Wir bekamen Zeit zum Ankommen. Ruhe, nur für uns. Die Hebammen verließen den Raum. Genau der Start, den ich mir so sehr gewünscht habe.

Dann habe ich mein Baby zum ersten mal gestillt. Auch dieser Moment fühlte sich wieder an wie ein Wunder. Wie diese kleinen Wesen direkt wissen, was zu tun ist.

Nachsorge

Kurz nach 11:00 Uhr setzten die Nachwehen ein, die Plazenta kam um 11:20 Uhr. Danach haben wir Oma und Opa informiert, dass sie ganz bald losfahren können, um uns den großen Bruder zum Kennenlernen zu bringen, damit wir anschließend nach Hause fahren können. So früh haben sie wirklich nicht mit uns gerechnet, sodass sie zumindest noch das Mittagessen beenden wollten.

Kurz vor 12:00 Uhr überprüfte die Hebamme noch die Geburtsverletzungen. Zum Glück war kein Nähen notwendig (was im Übrigen im Geburtshaus auch ganz normal mit Betäubung gemacht wird – weil diese Frage sehr häufig kam), nur ein paar leichte Verletzungen, die in den nächsten Tagen selbständig verheilen konnten.

Während wir noch auf unseren großen Sohn gewartet haben, bereiteten die Hebammen schon alles für den Folgetermin vor. Ich konnte es kaum erwarten, dass meine Kinder aufeinander treffen. Wie würde der große Bruder reagieren?

Während ich noch mit dieser Frage beschäftigt war, kam schon die Familie für den nächsten Termin im Geburtshaus. Und wir konnten alle unseren Augen nicht trauen: Es war Annika mit ihrem Mann und dem Baby. Wir haben uns so sehr über dieses zufällige Treffen gefreut. Und dann kam endlich mein Großer. Er war so fasziniert von dem Baby und direkt so stolz. Er wollte es direkt draußen Oma und Opa zeigen.

Zuhause im Glück

Gesagt, getan. So haben wir also zu viert das Geburtshaus verlassen, um draußen noch kurz mit Oma und Opa unser Baby zu begrüßen. Dann sind wir nach Hause gefahren, um uns dort gemütlich ins Bett zu kuscheln. 

Nachdem wir richtig angekommen sind, haben wir die Geschenkübergabe gemacht: Unser Großer hat dem Baby die Spieluhr geschenkt, die er für seinen Bruder ausgesucht hat. Und das Baby hatte auch eine Kleinigkeit für den großen Bruder dabei, worüber er sich sehr gefreut hat. 

Wir hatten ein sehr gemütliches zweites Wochenbett, ganz im Gegensatz zu meinem ersten Wochenbett, dass ich teilweise wirklich nicht genießen konnte. Aber über die Wochenbettzeit berichte ich dir in einem weiteren Artikel, das würde hier den Rahmen sprengen. 

Das Besondere an der Geburt

Wir hatten schon eine wunderschöne Geburt, sodass die Erwartungen an die zweite Geburt nicht gerade klein waren. Und sie wurden erfüllt! Auch diese Geburt war etwas ganz besonderes, ein Moment, der mir immer in guter Erinnerung bleiben wird. 

Die Geburt war kraftvoll und selbstbestimmt. Die Vorfreude, noch ein Baby mit meiner Hebamme von der ersten Geburt zu bekommen war riesig. Das Vertrauen in sie unglaublich groß. Das Geburtshaus ist für mich einfach ein Ort zum Wohlfühlen. Ein Ort, an dem ich mich gut aufgehoben und sicher fühle, was für eine gute Geburtserfahrung unglaublich wichtig ist. 

Dort konnte ich mein Baby so zur Welt bringen, wie ich es mir für mich und für uns gewünscht habe!

 Die Folgen der Geburt

Ich bin mir sicher, dass diese positive Geburt auch den Start als Familie zu viert beeinflusst hat, so wie auch die erste Geburt unseren Start zu dritt auf ganz wunderbare Weise beeinflusst hat. Das Baby startet ganz sanft in diese doch so fremde Welt. Es darf bei Mama und Papa ankommen in absolut gemütlicher Atmosphäre. Kein grelles Licht, kein Stress, keine fremden Menschen, nur in Ruhe ankommen. 

Ich war nach der Geburt ziemlich fit und überglücklich, konnte mich so also auch komplett auf mein Baby konzentrieren und mit diesem Gefühls-Hoch nach Hause fahren und mich dort erholen. Und dieses gute Gefühl bleibt. Ich denke immer noch gerne an diesen Moment zurück (auch an meine erste Geburt) und schöpfe Kraft aus diesen Momenten. Sie waren so selbstbestimmt, so würdevoll, so faszinierend. 

Auch für die Geschwister war diese Art der Geburt sehr schön, weil sie sich schnell kennen lernen konnten und anschließend diese besondere erste Zeit gemeinsam kuschelnd im Bett verbringen konnten. 

Was ich dir wünsche

Wenn ich auf diese beiden schönen Geburten zurück blicke, wünsche ich jeder Schwangeren, dass auch sie ihre perfekte Geburt erleben kann. Deshalb wünsche ich dir, dass du dich auf deine Geburt vorbereitest und dass du den Ort findest, an dem du dich fallen lassen kannst. Ich wünsche dir, dass auch du die Stärke erkennst, die in dir steckt und dass du dein Baby am Ende überglücklich in den Armen halten kannst. 

Es ist eben nicht “nur” die Geburt, und wenn man ein paar Tage später mit dem Baby zuhause ist, ist es egal, wo und wie diese stattgefunden hat. Ich sehe jetzt, auch durch die Arbeit mit anderen Müttern, was durch diese Entscheidung alles verändert werden kann. Ich weiß jetzt, dass die Geburt viel weitreichendere Auswirkungen auf das Baby, die Mutter, die Familie hat, als man denkt. 

So komisch es klingen mag, für mich war die Geburt ein Moment, an dem ich durch eine Tür in eine mir bis dahin verborgene Welt treten konnte. Das habe ich schon nach der ersten Geburt gesagt und dieses Gefühl hat sich jetzt noch einmal verstärkt. Deshalb kann ich dich nur ermutigen, auch nach dieser Tür zu suchen und mit Mut den ersten Schritt hindurch zu gehen. 

Denk dran, man hat doch viel mehr Einfluss auf die Geburt, als man immer denkt!

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