Aller Anfang ist schwer…oder doch nicht? Über das Tragen im Wochenbett

Schon bald startet unsere Workshop-Reihe zu Themen aus dem natürlichen Familienalltag, genaueres findest du hier Workshop-Reihe – (muckelliebe.de)

Passend zum jeweils kommenden Thema, stellen wir euch hier kostenlose Artikel zur Verfügung. Die Reihe startet mit einem Workshop zum Thema „Tragen“. Im folgenden Text soll es passend zum Workshop-Start um das Tragen gehen, speziell um das Tragen im Wochenbett.

Wenn du beim Workshop dabei bist, bist du schon super informiert. Du weißt, über die Vorteile, die das Tragen mit sich bringen, auf welche Dinge du achten musst und wie das Ganze überhaupt funktioniert. Vielleicht hast du auch schon verschiedene Tücher und Tragehilfen zuhause. Hast du auch schon fleißig geübt? Dann ist das Baby plötzlich da und man weiß dann irgendwie doch nicht, wie man anfangen soll. Und wie man das schaffen kann, ohne sich von dem ganzen Tragkram total stressen zu lassen. Im folgenden Artikel möchte ich euch erläutern, auf welche Besonderheiten du achten solltest, wenn du so schnell wie möglich nach der Geburt mit dem Tragen beginnen möchtest. Dabei legen wir den Fokus besonders auf deine Bedürfnisse und nicht auf verschiedene Bindeweisen oder die beste Tragehilfe.

Frühwochenbett

Mindestens die ersten 10 Tage nach der Geburt nennt man „Frühwochenbett“. Und in diesen Tagen sollte man den Begriff „Wochenbett“ besonders ernst nehmen. In dieser Zeit gehörst du, eng an dein Baby gekuschelt, in dein Bett. In dieser Zeit gehst du nur wenige Schritte. Bitte fang im Frühwochenbett noch nicht mit dem Tragen an. Erhol dich! Zum einen braucht dein Beckenboden die Zeit, damit er irgendwann wieder der Alte wird. Aber, was oft unterschätzt wird, auch deine Psyche braucht Zeit. Es ist so viel passiert, die Schwangerschaft, die Geburt, das Chaos im Hormonhaushalt. Gönn dir diese Auszeit in vollen Zügen, zelebriere es.

 

Für dein Baby gilt das „Trageverbot“ übrigens nicht. Wenn es sich für alle Beteiligten gut und richtig anfühlt, spricht nichts dagegen, wenn der Papa das Baby trägt. Oder vielleicht haben sogar Oma und Opa Lust auf dieses Abenteuer. Wichtig ist hier nur, dass du wirklich auf dein Gefühl hörst, ob das für dich passt. Es kann sein, dass du die Zeit ohne dein Baby total genießt. Es kann aber auch sein, dass dir allein schon bei dem Gedanken, dass ein anderer das Baby so dicht bei sich hat, übel wird. Auch das ist normal und in Ordnung. Sprich einfach nur aus, was du möchtest und was du nicht möchtest. Wir sind im Wochenbett so „empfindlich“, damit wir leichter und deutlicher spüren, was in dieser besonderen Zeit richtig ist.

Wochenbett

Sind die ersten zwei Wochen vergangen, kannst du ganz langsam mit deinem „Alltagstraining“ anfangen. Und als solches solltest du es auch sehen, als ein Training. Denn auch das spätere Wochenbett ist noch nicht dazu gedacht, dass du den Haushalt oder sonstige Aufgaben stemmst. Trotzdem kannst du langsam anfangen an deinen zukünftigen Mama-Alltag zu denken, zumindest manchmal. Wenn du vorhast, dein Baby zu tragen, kann es sinnvoll sein, jetzt damit zu starten. Wichtig ist, dass ihr beide entspannt, satt, ausgeruht und gut gelaunt seid, bevor du das erste Mal versuchst, dir deinen kleinen Schatz auf den Bauch zu binden. In den ersten Tagen nach dem Frühwochenbett sollte dein „Training“ lediglich darin bestehen, dir dein Kind auf den Bauch zu binden und ein paar Schritte im Zimmer hin und her zu gehen. Hat das gut geklappt, kannst du vielleicht schon den ersten kleinen Spaziergang wagen. Achte darauf, dass du bzw. ihr nicht in Zeitdruck geratet. Und halte deine Erwartungen realistisch. Es ist völlig normal, dass die ersten Versuche schiefgehen. Hose voll, Hunger, plötzlich klappt das Binden nicht mehr; alles total normal. Dann verschiebt ihr eben euren ersten Spaziergang. Hauptsache ihr bleibt entspannt und könnt es genießen.

Für den Anfang empfehle ich dir auf jeden Fall ein Tragetuch. Da es in den ersten Wochen sowieso keinen (Zeit-)Stress geben sollte, kannst du dir mit gutem Gewissen die Zeit gönnen, das Tuch „ordentlich“ zu binden. Denn keine Tragehilfe sitzt so gut oder kann so individuell angepasst werden wie ein Tuch. Natürlich haben auch Tragehilfen viele Vorteile, wenn es schnell gehen soll oder unterwegs. Diese Aspekte sollten aber im Wochenbett keine Rolle spielen. Ob du dich für ein gewebtes oder für ein elastisches Tuch entscheidest, ist dir überlassen. Ein gewebtes Tragetuch hat den Vorteil, dass es sich straffer anfühlt und sich viele Träger*innen damit sicherer fühlen. Besonders bei größeren Babys. Ein elastisches Tuch hat den Vorteil, dass es einfacher vorgebunden werden kann. Am besten probierst du beides aus und schaust womit du dich wohler fühlst. Generell ist es vielleicht sinnvoll, wenn du Tücher und Tragehilfen in der Schwangerschaft besorgst, dann kannst du sie gemütlich im Wochenbett austesten. Und was dir nicht gefällt, verkaufst du wieder. Tragetücher und Tragehilfen verlieren kaum an Wert und lassen sich schnell wiederverkaufen. Das richtige Tuch oder die richtige Trage zu finden ist unbezahlbar.

Die passende Bindeweise zu finden, ist meist kein Hexenwerk. Besonders am Anfang eurer Tragezeit gilt, mach es dir so einfach wie möglich. Für kompliziertes und extravagantes Geknote hast du auch später noch Zeit. Im Moment liegt der Fokus einfach auf dem Wohlfühlen, später kannst du immer noch eine Trageweise wählen, die hübscher aussieht, sich zum Tandemtragen (das Tragen von zwei Kindern) eignet oder sonstige Vorteile bietet.

Eine Bindeweise, die ich, besonders für Anfänger geeignet finde, ist die Wickelkreuztrage. Aber das ist einfach Geschmacksache. Vielleicht gönnt ihr euch ja eine Trageberatung und findet dadurch die passende Trageweise. Oder deine Hebamme unterstützt dich und zeigt dir eine passende Bindeweise. Hauptsache ihr fühlt euch wohl und sicher.

Und nochmals, es geht im Moment nicht darum, dass du mit Kind auf dem Bauch alle Aufgaben erledigst. Sondern, dass ihr euch langsam an das Tragen gewöhnt und gemeinsame Spaziergänge genießen könnt. Für alles andere ist später noch mehr als genug Zeit.

Hier ein paar Schritte, die das Tragen besonders für dich angenehmer gestaltet:

1. Nimm dir Zeit und lass dich nicht stressen. Das ist nicht nur für dein Baby wichtig (besonders im Tragetuch spürt dein Baby deine Stimmung), sondern auch für dich. Denn wie schon gesagt; im Wochenbett reagieren wir besonders stark auf Stress und spüren ihn auch intensiver. Atme tief durch. Vielleicht kannst du das ganze ja auch als kleine Achtsamkeitsübung sehen, bewusst atmen und jeden Schritt langsam und achtsam durchführen.

2. Natürlich hat auch die Umgebung Einfluss auf unsere Stimmung. Es kann also sinnvoll sein, für eine besonders entspannende Atmosphäre zu sorgen, mit schöner Musik und gemütlichem Licht zum Beispiel.

3. Bevor du mit dem Binden anfängst, ist es wichtig, dass du die richtige Körperhaltung einnimmst, denn durch das Tragetuch stabilisierst du dich, und würdest dann auch die falsche Haltung stabilisieren.

– Stelle dich aufrecht hin

– Spanne deinen Beckenboden soweit es angenehm ist an (Hier kann dir deine Hebamme bestimmt helfen)

– Achte darauf, dass du deine Schultern entspannt nach hinten unten hängen lässt. Wenn dir das schwer fällt, klappt es vielleicht besser, wenn du sie erst hochziehst und dann nach hinten unten abrollst.

– Versuche deine Wirbelsäule lang zu machen, ziehe dein Kinn etwas ran und stelle dir einen Faden vor, der dich am Scheitel hochzieht und dadurch aufrichtet.

Achtung: Durch die Bewegungen beim Binden „verrutschst“ du natürlich etwas, versuche einfach immer wieder in diese Haltung zu kommen.

Mein Fazit

Trau dich! Solange du dich nicht stressen lässt und nicht anfängst mit Kind auf dem Bauch das Haus zu renovieren, gibt es nicht viel was du falsch machen kannst. Und wenn du dich trotzdem unsicher fühlst, gönnst du dir einfach eine Trageberatung. Das ist in Corona-Zeiten oftmals auch per Skype möglich.

Ich wünsche euch einen schönen Start in eure Tragezeit!

Autorin: Annika

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