Die Bilderbuchgeburt – alle guten Dinge sind drei

Es ist Zeit für einen weiteren wunderschönen und sehr persönlichen Geburtsbericht. Heute darf ich euch den Bericht von Fannys Bilderbuchgeburt veröffentlichen: Die Hausgeburt ihres dritten Kindes.

Über die Mama

Mein Name ist Fanny, ich bin 31 Jahre alt und mittlerweile Mama von drei ganz wunderbaren Töchtern. Wir leben mit meinem Mann und Vater der Kinder, Paul, zusammen in Berlin.

Die erste Schwangerschaft

Ich wollte eigentlich nie Kinder haben. Die Gründe dafür waren unterschiedlich. Und dann plötzlich, im Januar 2013, machte ich einen Schwangerschaftstest und er war positiv. Paul und ich waren zu dem Zeitpunkt erst 10 Monate zusammen und ich war 24. Alles war nun irgendwie auf den Kopf gestellt, aber wir entschieden uns, dieses Abenteuer gemeinsam weiter zu gehen. Und so wurde im September 2013 unser erstes Kind geboren. Emma kam nach einer ganz traumhaften Geburt, aber 13 Tage über errechnetem ET, in einem Geburtshaus in Berlin zur Welt. Schon damals war mir klar, ich möchte nicht in einem Krankenhaus gebären. Leider ging es der Kleinen damals nach der Geburt nicht so gut, weswegen sie ins Krankenhaus musste und wir unser Wochenbett dort verbrachten. Für mich ein persönlicher Alptraum.

Die zweite Schwangerschaft

3 Jahre später wurde ich dann zum zweiten Mal schwanger. Zu Anfang hatte ich die Vorstellung zu Hause zu entbinden, doch nur wenige Wochen vor dem errechneten Termin lag ich im Schlafzimmer unserer alten Wohnung und spürte irgendwie, dass ich dort kein Kind bekommen kann. Und so kam Maia 10 Tage nach ET im Januar 2017 auf die Welt. Die Geburt war furchtbar anstrengend. Maia war eine Sternenguckerin und wog zudem fast 4400g. Es gab einen Geburtsstillstand und „lustige“ Sportübungen unter den Wehen, um sie durch den Geburtskanal zu bringen. Ich schlitterte nur knapp an einem Kaiserschnitt vorbei. Schlussendlich hat es nach viel Mühe dann auch geklappt. Das kleine Riesenbaby war geboren und im Anschluss hatten wir ein traumhaftes Wochenbett zuhause.

Und nun zweieinhalb Jahre später gebar ich meine dritte Tochter im Juli zuhause. Und von dieser Geburt möchte ich euch nun berichten.

Bilderbuchgeburt - Fanny

Die Schwangerschaft

Ich bin gerne schwanger, das muss ich zu Anfang gleich sagen. Ich liebe diesen Bauch. Frauen sind so sexy wenn sie schwanger sind und ich liebe dieses Gefühl, dass ich in mir trage, wenn ich schwanger bin: eine absolute Verbundenheit mit Mutter Erde, meiner Weiblichkeit und allen Frauen auf dieser Welt. Es hat etwas Magisches, Uriges und weckt in mir Kräfte, die mir sonst eher verborgen sind.

Zwischen meiner ersten und meiner letzten Schwangerschaft habe ich mich sehr stark verändert. Die gesamte Ausrichtung meines Lebens ist eine andere, und das nicht nur durch die Kinder. Und während ich die erste Schwangerschaft mit jugendlichem Leichtsinn durchlebte, spürte ich die dritte Schwangerschaft nun mit voller Leidenschaft und Hingabe.

Sorgen und Probleme gab es so gut wie keine. Höchstens über den Platz in unserer Wohnung und unserem Auto. Denn Kind drei war so eigentlich nicht geplant. Aber wie das Schicksal halt so spielt…

Die Vorbereitung

Während der Schwangerschaft habe ich mich viel mit Hypnobirthing beschäftigt. Ich war nie bei einem Kurs, habe aber eine Menge dazu gelesen. Ich liebe die Herangehensweise dieser Methode an das Thema Geburt, denn ich bin ebenfalls ein großer Freund davon, dass Geburt und Schwangerschaft keine Krankheiten sind, so wie es Ärzte oft vermitteln.

Ab dem dritten Trimester hatte ich Wehen und zwar jeden Tag. Übungswehen oder Vorwehen, könnt ihr euch aussuchen, wie ihr es nennen wollt. Jedenfalls war das echt nervig. Sie wurden immer stärker und haben mich z.T. echt immer wieder außer Gefecht gesetzt. Mit bereits 2 Kindern im Haus keine leichte Sache 😉 Die ganzen Vorwehen ließen mich hoffen, dass es vielleicht diesmal früher losgeht. Denn langes Warten war ich satt. Kind Eins ließ mich 13 Tage und Kind Zwei 10 Tage bis über den errechneten Termin zappeln. Ich fand, ich hätte es jetzt mal verdient, pünktlich oder bestenfalls überpünktlich zu entbinden…

Die Bilderbuchgeburt

Bei Kind drei war von Anfang an klar: sie kommt zuhause zur Welt. Wir waren inzwischen umgezogen und wohnen nun in einem tollen kleinen Doppelhaus mit Wintergarten. Genau dort wollte ich Leben schenken. Und so sollte es auch sein, aber erst wartete ich wieder… Tagelang. Am 23.07. war errechneter Termin.

Ich war an dem Tag bei meiner Gyn. „Hier sieht noch nichts nach Geburt aus“ sagte sie. 4 kleine Wehen in 20min CTG hatte ich, aber nun ja, die hatte ich ja auch schon seit 8 Wochen^^ Und so begann also das gleiche Spiel, was ich von den anderen beiden schon kannte: alle 2 Tage CTG und Kontrolle. Das fand ich total nervig. Es war einfach mega heiß zu der Zeit, beide Kinder waren wegen der Kitaschließzeit zuhause. Ich war so rund, die Kleine war schon ultra weit ins Becken gerutscht, dass ich kaum noch Laufen konnte. Versucht mal so zwei Kinder zu bespaßen 😀

Mit den Nerven am Ende

Nun ja… so ging es also irgendwie voran die nächsten Tage. Meine Hebamme hatte mittlerweile fast jeden Tag eine Geburt. Die Frauen, die eigentlich erst nach mir ihren ET hatten, überholten mich alle fleißig. Und so kam es, dass ich an Tag 41+0 einen „Nervenzusammenbruch“ bekam. Auslöser waren heftige Wehen in der Nacht. Ich dachte echt, nun geht’s los. Gegen 5 Uhr morgens verschwanden sie aber einfach wieder. Ich schlief ein und wachte gegen 7 Uhr vollkommen deprimiert auf.

(Exkurs: Schon den ersten beiden Geburten ging jeweils ein Nervenzusammenbruch voraus. Sämtliche Wehen-Zauber-Mittelchen halfen bei mir kein Stück. Keine Akupunktur, keine Wehencocktails, kein Einlauf, keine Nelkentampons…nix)

Ich saß also in der Küche und konnte niemanden leiden. Weinte. Sagte wieder, dass ich sicher ewig schwanger sei und dass es so gemein wäre, dass alle anderen gebären dürften außer ich 😀

Ja ja, andere Schwangerschaft, gleiche Leier. Mein Mann grinste. Das kennt er ja schon, meinte er. Nun dürfte es losgehen. Ich nahm ihn nicht ernst, so verbittert wie ich war.

Eine letzte Kontrolle

An dem Tag hatte ich wieder CTG und Kontrolle bei meiner Gynäkologin. Am Empfang wurde ich mitleidig begrüßt. Auf dem CTG waren alle 4min Wehen. Und ja, es waren richtige Wellen. Mein Körper wollte scheinbar doch irgendwann ein Kind bekommen.

Ich ging in den Untersuchungsraum. Die Ärztin untersuchte den Muttermund. Der war bereits 4 cm offen, die Zervix hatte noch 2cm. Die Vorwehen hatten sich zumindest ein wenig gelohnt.

Die Ärztin versuchte mich zu ermutigen und meinte in den nächsten 48h wäre alles geschafft. Klingt okay, finde ich. Sie führte noch eine Eipollösung bei mir durch. Das würde alles ein wenig beschleunigen, meinte sie. Das fand ich auch okay.

Ich verließ die Praxis um 14:00Uhr, setzte mich ins Auto und hatte ein Wehe. Wir fuhren los, standen 2 Min später an der Ampel und ich hatte wieder eine ziemlich starke Wehe. Der Weg von der Praxis zu uns nach Hause beträgt ungefähr 10 Min. Ich hatte 4 Wehen in der Zeit, die tendenziell immer stärker wurden.

Wir haben noch Zeit, oder nicht?

Mein erster Gedanken war: ich muss jetzt unbedingt noch was Essen. Bei uns im Vorderhaus ist ein Café mit Mittagstisch. Mein Mann holte mir was. Ich aß gemütlich. Die Wehen wurden stärker. Mein Gemüt wurde mit jeder Wehe immer entspannter. In aller Ruhe rief ich also meine Hebamme an, erzählte ihr von meinem Wehenrythmus und meinte, wenn sie so gegen 18 Uhr hier sein könne, wäre das toll, denn wir würden heute noch ein Kind zur Welt bringen. Sie sagte, sie komme sofort. Ich verstand nicht wirklich warum. Aber scheinbar ahnte sie, dass das alles auch etwas schneller gehen könnte.

Inzwischen rief mein Mann seine Mutter an. Sie war für die Kids unter der Geburt zuständig, hatte allerdings 1,5h Fahrweg. Fand ich zu dem Moment nicht weiter schlimm, es würde sicher eh noch ein Weilchen dauern.

Die Hebamme kommt

Um 16:00Uhr traf die Hebamme ein. Mittlerweile hatte ich ziemlich schmerzende Wehen, die auch mal weggeatmet werden mussten. Mein Muttermund hatte 5cm, Halbzeit. Die Zervix hatte aber immer noch 1cm. „Die Kleine liegt doof“, sagte meine Hebamme. „Wenn sie sich nicht noch dreht, dann wird’s wieder eine Sternenguckerin“. Na toll, dachte ich.

Meine Hebamme holte einen Zettel aus der Tasche, auf dem ein indianisches Mantra stand, welches die Frauen bei den Hopi-Indianern unter der Geburt singen. Ich musste mich in den Vierfüßlerstand begeben, mein Mann massierte mir das Kreuzbein und meine Hebamme schaukelte von unten meinen Bauch. Wir taten das ungefähr 20min. Ich war wie in Trance. Dann kamen die Kids aus ihren Kinderzimmern runter zu uns und turnten um uns rum. Wo blieb nur meine Schwiegermutter?

Aber zunächst mal große Freude und großes Gewunder: Greta lag nach der Schaukelei in optimaler Geburtsposition. Wahnsinn, wie war das möglich?

17:00 Uhr Es konnte also weiter gehen. Ich war mittlerweile mega genervt von den Kids. Sie tobten um mich rum. Meine Wehen gingen daraufhin leicht zurück. „Wenn der Kopf nicht frei ist, kann die Frau auch nicht gebären“, sagt meine Hebamme. Sie schickte mich in die Wanne. Im Bad war ich dann endlich allein. Sie gab mir ein paar Tropfen Eisenkraut. Pfui Teufel. Aber holla die Waldfee, die hauten rein. Die Wehen überrollten mich.

17:15 Uhr „Ich hasse Zervixwehen“, das war mein einziger Gedanke in der Wanne. Die tun so verdammt weh. Ich hatte immer noch diesen 1cm Zervix, mein MM war 8cm auf. Meine Schwiegermutter traf grad ein. Sie, meine Hebamme und mein Mann tranken alle noch entspannt einen Kaffee, und dann düste sie mit den Kindern ab.

17:50 Uhr Die Kinder sind weg. Ruhe.

Nicht mehr lang

17:52 Uhr Ich musste das erste Mal unter einer Wehe tönen. Ich ließ los. Bald ist mein Baby da.

18:55 Uhr Erschöpfung machte sich breit. Effektiv waren wir erst bei knapp 2 Stunden Geburtsvorgang, aber die fast schlaflose Nacht ging scheinbar nicht spurlos an mir vorbei. In den Wehenpausen schlief ich fast ein. Es war soooo heiß. Die Wehenabstände wurden erneut länger. Meine Hebamme fragte mich, ob wir die Fruchtblase anpieken wollen. Da Greta schon so weit im Becken lag, hatte sie einen Teil Fruchtwasser vor ihrem Kopf, der verhinderte, dass sie „durchrutschen“ konnte. Ich willigte ohne Zögern ein und schwups, da war es schon erledigt.

Und plötzlich war da dieses sehr bekannte Gefühl. Eine Art Erleichterung. Der letzte Zentimeter Zervix war sofort weg. Der Muttermund war sofort vollständig geöffnet. Und ich merkte wie Gretas Kopf sich den Weg durch mein Becken bahnte. (Bei meiner ersten Geburt hatte ich zu dem Zeitpunkt das Gefühl eine Bowlingkugel wolle dadurch, was ich lautstark mitteilte und damit alle zum Lachen brachte.)

Sie ist da

19:05 Uhr Meine Hebamme schickte mich nochmal aufs Klo. Blase entleeren. Ich beeilte mich, denn Gretas Kopf kam. Ganz deutlich. Auf alle Vieren und mit sehr starken sehr schnell aufeinanderfolgenden Wehen krabbelte ich zurück zur Couch. Vor der Couch hatte ich die erste Presswehe. Welch erlösendes Gefühl.

19:08 Uhr Die zweite Presswehe kam. Ich stand im Vierfüßlerstand auf der Couch, griff mir unter der Wehe zwischen die Beine – da war sie. Ich spürte Gretas kleinen haarigen Kopf. Euphorie. Mut. Stärke. Gleich würde es geschafft sein.

19:19 Uhr Zwei Presswehen später ist der Kopf von Greta geboren. Ich musste noch kurz schmunzeln, als ich mir vorstellte, wie lustig es wohl aussieht, wenn dieser Kopf dort aus mir rausschaut. Ich griff mit einer Hand an den Kopf von Greta und…

19:21 Uhr …mit der nächsten Wehe gebar ich sie in meine Hände.

Die Stunden danach

10 Minuten später kam die Plazenta, aber davon habe ich kaum etwas mitbekommen. Wie nach allen Geburten, habe ich auch diesmal wieder ein Stück der Plazenta gegessen. Ich glaube ganz fest an die Kraft dieses besonderen Organs und die Auswirkungen des Plazentaessens auf Milchbildung, Rückbildung und Wirkung gegen postnatale Depression.

Ohne Verletzungen, ohne besondere Schwierigkeiten durfte ich unserem dritten und letzten Kind das Leben schenken. Nach der Geburt lag ich einfach stundenlang auf unserer Couch und sah dieses kleine Wunder an. So ganz anders als ihre Schwestern sah sie aus, aber bildschön.

Bilderbuchgeburt - mit Baby

Die Folgen

Greta brachte mit ihrer Bilderbuchgeburt Entspannung in unser Familienleben und besonders in mein Leben. Die letzten Wochen vor der Geburt waren wirklich anstrengend für mich und nun, war alles was am Tag vor der Geburt noch wichtig war, ganz plötzlich uninteressant.

Ich bin so froh darüber, dass meine letzte Geburt genauso war, wie ich es mir gewünscht habe. Eine ganz normale Geburt ohne Probleme und im Anschluss ein wunderbar entspanntes Wochenbett.

Ich glaube, dass es ganz viel ausmacht, wie ein Kind auf die Welt gebracht wird und wie die ersten Stunden danach verbracht werden. Wird die Geburt eingeleitet? Darf das Baby sich Zeit lassen? Wurde unter der Geburt nachgeholfen? Musste gar ein Kaiserschnitt gemacht werden? All das wirkt sich meiner Überzeugung nach auf das Gemüt des Kindes aus. Zumindest kann ich das bei meinen dreien sehr gut beobachten…

Fazit

Geburt Nummer Drei war einfach ein Traum. Und ich bin fest davon überzeugt, dass jede Frau eine für sie individuell schöne Geburt haben kann, wenn sie nur an ihre eigene Kraft glaubt. Natürlich tut Geburt weh. Natürlich denken wir, wir schaffen das nicht – aber doch, wir schaffen alles unter der Geburt. Ich möchte mit diesem Bericht Frauen ermutigen Zuhause zu entbinden. Ein Krankenhaus ist ein Ort für Kranke. Euer Zuhause ist der Ort eurer Liebe und dort sollten Babys auf die Welt kommen. Traut euch.. Lasst euch nicht vom Medizinalsystem verunsichern. Nur ihr wisst genau, was gut für euch und euren Körper ist. Lauscht in euch rein, dann wisst ihr, wie es richtig geht…

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