Diesmal bleib ich zuhause!

Heute darf ich euch einen weiteren Geburtsbericht veröffentlichen, über den ich mich sehr freue. Es ist ein sehr persönlicher Einblick in eine wunderschöne Hausgeburt und eine Wassergeburt, die Mut macht, sein Glück selbst in die Hand zu nehmen.

Über die Mama

Ich bin Carrie, 30 Jahre alt, verheiratet und schon Mama von 2 Kindern (11 und fast 3 Jahre). Wir alle wohnen in einer geräumigen Dachgeschosswohnung auf dem Land.

Die Schwangerschaft

Letztes Jahr wurde ich unverhofft noch einmal schwanger. Wir wollten
zwar eh immer 3 Kinder, nur war es eigentlich erst ein Jahr später geplant, da ich Tage zuvor eine neue Stelle bei einem großen Logistikdienstleister angetreten hatte. Ich bekam natürlich direkt ein Beschäftigungsverbot und konnte mich intensiver mit meiner 3. Schwangerschaft auseinandersetzen. Für mich stand von der ersten Sekunde an fest, dass ich nicht ins Krankenhaus gehe:
1. Bin ich ja nicht krank. Und
2. hatte ich die letzten beiden Male nicht so schöne Erfahrungen dort gemacht.

Auch die Schwangerschaften waren leider nicht so schön. In der ersten hatte ich mit Kreislaufproblemen, Rückenschmerzen und Wassereinlagerungen zu kämpfen. Bei meiner Tochter kam dann noch
Symphysenschmerzen und eine Cervixinsuffiziens dazu.
Deshalb kam sie auch schon in der 35. Woche zur Welt. Mittlerweile weiß ich, dass davon viel „hausgemacht“ war. Eine Hausgeburt war damals also überhaupt nicht denkbar gewesen.

Die Vorbereitung

Weihnachten war ich in der 15.SSW und konnte kaum noch längere Strecken laufen. Ich kam mir wie eine 100- jährige vor. Das wollte ich nicht und suchte nach irgendetwas, was mir helfen könnte.
Ich stieß durch meine Freundin auf das Thema „Hypnobirthing“. Sie hat mir auch das Buch „Alleingeburt“ von Sarah Schmid gegeben. „Pflichtlektüre für jede Schwangere“ hatte sie gesagt. Hätte mir ja mal eher jemand sagen können. Mein ganzer Blickwinkel änderte sich und ich grub mich tiefer in die Thematik.

Ich muss zugeben, dieses Mal hab ich mich wahrscheinlich das erste mal wirklich mit der Geburt beschäftigt. Vorher ging es nur um die Schwangerschaft und was das Kind vor, bei und nach der Geburt macht. Aber ich hatte mir noch nie
Gedanken darüber gemacht, dass ICH da aktiv mitmachen kann.
Das Beste war allerdings der Hypnobirthing-Kurs von Birth-in-Balance by Steffi Reimer. Und den hatte ich auch noch gewonnen! Damit stand in meinem Kopf fest „diese Geburt wird einfach nur toll“. Auch mein Mann war vom Kurs und von der neuen Perspektive auf die Geburt begeistert und stand voll hinter mir.

Wir machten zusammen unsere Entspannungsübungen und redeten immer wieder über den geplanten Ablauf, eventuelle Alternativen und die No-Go´s.
Mit dem neuen, positiven Mindset ging es mir dann auch von Tag zu Tag besser. Wassereinlagerungen hatte ich diesmal zB. überhaupt nicht und auch meine Symphysenschmerzen waren dank ein paar Vorkehrungen nicht mehr der Rede wert.

An manchen Tagen vergaß ich kurzzeitig sogar dass ich schwanger war, so gut ging es mir.

Der Geburtsort

Meine Sorgen wurden immer kleiner und die schmerz- und angstfreie
Hausgeburt manifestierte sich immer mehr in meinem Kopf.
Ich hatte mir natürlich zeitnah eine Beleghebamme gesucht (was gar nicht so einfach war) und meinen Wunsch nach einer Hausgeburt geäußert. Ich wollte bei mir sein und meine Ruhe haben. Wollte selbst entscheiden wer dabei sein soll und nicht bevormundet werden. Kurz: Ich wollte die Geburt genießen.

Kennenlernen nach Wassergeburt

Die Wassergeburt

Ich musste eigentlich grade los, meine kleine Tochter von der Tagesmutti abholen.
Also stand ich vom Sofa auf und merkte wie es mir warm die Beine runterlief. Es war so weit! In meinem Kopf musste ich erstmal meine Gedanken einfangen und ordnen. Es dauerte gefühlt 5 Minuten bis ich wusste was ich der Reihe nach zu tun hatte. Auf der Toilette machte ich die wichtigsten Anrufe und bat meinen großen Sohn bei mir zu bleiben, bis mein Mann kommt.

Ich lief rum, räumte noch etwas auf und bereitete alles vor. Ich schloss von den ersten 2 Geburten darauf, dass es wieder nicht lange dauert. Da belief sich das Zeitfenster auf genau 135 Minuten. Als mein Mann eine halbe Stunde später kam, war ich etwas verblüfft, weil ich noch keinerlei „Schmerzen“ verspürte. „Hm, wird schon noch“, dachte
ich. Kurz darauf stand meine Hebamme in der Tür und fragte wie der Stand ist. Mittlerweile wurde die Murmel ab und zu fest, aber weh tat es nicht. Ich war die ganze Zeit in Bewegung. Auch, weil wir ein paar Pannen mit dem Pool im Esszimmer hatten. Den hatten wir schon da, sonst hätte die Zeit zum füllen nicht gereicht.

Aber sonst lief alles wie geplant. Meine Mama kam mit den Kindern
zurück. Sie war mit meinem Sohn zur Tagesmutter gefahren um meine Tochter abzuholen. Und dann ging es langsam los. Ein leichtes Ziehen im unteren Rücken und ein Druckgefühl ließen mich auf die Uhr sehen. Schon knapp 2 Stunden waren verstrichen. Es war Zeit mich für die Wassergeburt in den Pool zu begeben.

Vorbereitung - Wassergeburt

Empfang im Pool

Sofort wurde das Ziehen leichter. Das warme Wasser war sehr angenehm. Ich begann mit meinen Übungen und zog mich während den Wellen in mich zurück.
In den Pausen scherzte ich noch mit meiner Mutter und meiner Hebamme.
Sie dachte ja das dauert noch. Nach der letzten normalen Welle sagte ich noch „gleich ist es soweit“, aber es reagierte keiner. Es folgten 2 schnelle und intensive (aber nicht schmerzhafte) Schübe bei denen ich tönte. Meine Hebamme war blitzartig da und schob meinen Sohn unter Wasser durch meine Beine nach vorne, so dass ich ihn entgegen nehmen und aus dem Wasser heben konnte.

Ich war so perplex. Es war schon vorbei. Er war da. Alles ging so schnell. Alles lief so glatt. Ich konnte es gar nicht begreifen.


Wir blieben noch ein Stück im Wasser und kuschelten und stillten, dann durfte Lio seinen Papa und seine große Schwester kennen lernen, während ich duschen ging und von meiner Hebamme untersucht wurde.
Danach kuschelten wir uns aufs Sofa und ließen uns von allen Anwesenden bedienen. Es war eine ganz ruhige, heimelige und entspannte Atmosphäre. Alle fühlten sich wohl und wussten, dass alles richtig ist.

Das Besondere

Es war die schönste, leichteste und schmerzfreiste Geburt die ich je hatte und ich bin dankbar für alle die mich unterstützt und begleitet haben.
Es war fast wie ein Familienfest. Meine Eltern, mein Mann und meine Kinder waren da. Außerdem hatte ich im Vorfeld mit einer lieben, jungen Frau gesprochen, die die Geburt fotografieren wollte. Dieses schöne Ereignis wollte ja festgehalten werden.
All das wäre im Krankenhaus für mich undenkbar gewesen.

Die Folgen

Im Nachhinein weiß ich, die Wassergeburt zuhause war wohl die beste Entscheidung meines Lebens gewesen und schöner kann so ein Start ins Leben wohl auch kaum sein. Außerdem denke ich auch dass es uns als Paar und als Familie enger zusammen gebracht hat.

Fazit

Das Wissen, dass es auch anders geht, möchte ich jetzt so vielen Frauen wie möglich geben, damit sie auch die Möglichkeit haben eine tolle Geburt
zu haben. Dieses Thema ist für mich also noch nicht vorbei.

Also Mädels, traut euch andere, unkonventionelle Wege zu gehen, alles zu hinterfragen und selbst zu bestimmen wie ihr eure Schwangerschaft und
die Geburt gestalten wollt.

Schließlich ist es der Beginn des Lebens eures Kindes.

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