Entspannt essen als Familie

Wir befinden uns mitten in unserer Workshop-Reihe (Workshop-Reihe – (muckelliebe.de). Heute gibt es, wieder passend zu dem Thema des baldigen Workshops „Essen als Herausforderung“, einen kostenlosen Artikel für euch.

 

 

Das gemeinsame Essen am Familientisch ist für Viele das absolute Tageshighlight. Vor allem, wenn man die meiste Zeit des Tages nicht gemeinsam verbringen kann. Endlich hat man Zeit, um gemütlich und entspannt zusammen zu sitzen. So ist zumindest die Idealvorstellung. In der Realität kommt es besonders am Familientisch zu Reibereien. Die Eltern möchten in Ruhe den Tag besprechen und die gemeinsame Zeit genießen. Und die Kinder wollen einfach Kinder sein. Da gehen die Bedürfnisse wohl weit auseinander. Und manchmal kommt dann noch hinzu, dass man sich von den Kindern wünscht, dass sie nicht nur ruhig sind, sondern, dass sie auch auf eine ganz bestimmte Art und Weise essen. „Auch mal Gemüse essen.“, „Nimm die Gabel, nicht die Finger“, „Das Glas mit zwei Händen“, „Iss ordentlich“, „Pass auf“, „Das passt doch nicht zusammen“, „Iss deinen Teller leer“, „Was? Du hast noch immer Hunger?“ Klingt für alle Beteiligten eher unentspannt…Und jetzt versuchen wir das ganze mal aus Kindersicht zu sehen:

Im Laufe das Tages hat das Kind ganz oft kooperiert. Gegen Nachmittag/Abend hat es also schon einiges geleistet und ist vielleicht schon sehr erschöpft. Gleichzeitig hat es vielleicht genau diese Familienmomente vermisst und sehnt sich einfach nach seinem „Rudel“. Vielleicht ist es noch nicht in der Lage, von seinem Tag zu erzählen, aber sicherlich möchte es auch in irgendeiner Weise, seinen Tag bei einem geliebten Menschen „abladen“. Vielleicht ist es deshalb besonders zappelig oder wild. Und dann kann noch hinzukommen, dass es für die Zwerge manchmal echt tierisch langweilig am Tisch sein kann. Man darf nicht laut sein, man darf nicht spielen, man muss irgendwelche sinnlosen Regeln befolgen, und muss genau darauf achten, von was man wie viel isst, sonst gibt es auch wieder Ärger. Klingt nicht besonders schön, oder?

Überlegen wir uns erstmal, wie wir die Situation für die Zwerge entspannen können. Versucht euch mal von allen Normen frei zu machen und euch darauf zu konzentrieren, was euer Zwerg braucht. Wie war sein Tag? Braucht er vielleicht Unterhaltung? Ist das Essen zu langweilig? Vielleicht könnt ihr am Tisch ein Buch lesen? Oder es gibt ein besonderes „am Tisch-Spielzeug“? Oder ihr erzählt eine schöne Geschichte? Oder hast du das Gefühl, dass dein Schatz etwas „abladen“ muss? Vielleicht wäre dann eine Kuschelrunde vor dem Essen gut? Oder du fragst nicht nur deinen großen Schatz, wie sein Tag war, sondern auch deinen kleinen. Manche Kinder fallen auch vor dem Essen in den Unterzucker, da kann es tatsächlich helfen, eine Kleinigkeit vor dem Essen zu essen. Das kann natürlich auch etwas Gesundes sein, wie ein Stück Apfel. Oder ein kleiner Basteltisch neben dem Esstisch? So könntet ihr noch länger als Familie zusammensitzen, und niemandem wird langweilig.

Und jetzt schau dir mal deine Bedürfnisse an, was ist dir beim Familienessen wirklich wichtig? Wonach sehnst du dich? Und ist es gut und sinnvoll, wenn das alles beim Essen Platz findet? Vielleicht ist das Gespräch über den Tag, besser aufgehoben, wenn man es mit vollem Bauch führt? Und was ist dir nur wichtig, weil du denkst, dass man es eben so macht? Gute Manieren kann man auch noch lernen, wenn man alt genug ist, um den Sinn dahinter zu verstehen. Für ein Kleinkind oder gar Baby ist es ziemlich sinnlos mit Besteck zu essen. Es ist total kompliziert und man hat keine Ahnung wie heiß oder kalt das Essen ist oder wie es sich anfühlt, bevor es im Mund ist. Ein absolut unnatürlicher Umgang mit dem Essen. Das heißt natürlich nicht, dass am Tisch gematscht werden muss, lass einfach dein Kind entscheiden, wie es essen möchte. Was spricht dagegen? Sauerei gibt es mit Kindern sowieso, egal ob man Regeln aufstellt, schimpft oder einfach entspannt bleibt. Außerdem neigen wir leider alle dazu, unsere Kinder zu unterschätzen, auch oder besonders beim Essen.

Eine liebe Freundin hat mir geraten „Wenn du eine Regel oder ein Verbot nicht ordentlich erklären und begründen kannst, lass es weg“. Und „man macht das so“ ist übrigens keine gute Begründung 😉

Vielleicht schaust du dir nochmal eure Familien-Tischregeln an, passen sie zu dem, was dir wichtig ist? Ist es wirklich wichtig, dass alle am Tisch bleiben, bis alle fertig sind? Oder reicht es, vielleicht wenn einfach niemand alleine essen muss? Kannst du Regeln weglassen? Fehlt etwas? Vielleicht kannst du das auch mit der ganzen Familie besprechen. Vielleicht haben die Zwerge ja auch bestimmte Wünsche oder Regeln, die ihnen wichtig sind? Handy- und Schimpfverbot am Tisch? Oder habt ihr vielleicht noch Platz für ein kleines Dankbarkeitsritual? Oder das klassische „Piep Piep Piep“? Oder ihr gestaltet zusammen eine Familienkerze, die dann bei gemeinsamen Mahlzeiten angezündet wird? Oder ihr bestimmt reihum den „König am Tisch“, der bekommt dann eine tolle selbstgebastelte Krone und muss nicht beim Tisch decken helfen, sondern bekommt alles gebracht? Du siehst schon, mit ein wenig Kreativität findet sich da sicherlich etwas Passendes.

Und dann baut ihr euch wie ein Puzzle euer perfektes Familienessen zusammen.

Zum Schluss noch meine ultimativen Tipps für ein entspanntes Essen als Familie:

1. Habt Spaß! Spaß ist so viel wichtiger als Manieren! Ich glaub meine Kinder werden nie vergessen, wie ich beim Oster-Frühstück das Osterei zum Öffnen an die Decke geworfen habe und es erst im Kronleuchter und dann in der Butter gelandet ist.

2. Wenn ihr einfach gesund kocht, müsst ihr nicht so aufpassen, von was wie viel gegessen wird 😉

3. Respekt vor den Lebensmitteln lernt man nicht durch Manieren, sondern dadurch, dass man sieht, welche Arbeit hinter einem Lebensmittel steckt. Also pflanzt so viel wie möglich selber an, oder erklärt euren Kindern, wie es angebaut wird. Vielleicht habt ihr ja auch Lust öfter Mal mit den Kindern zusammen zu Kochen und zu Backen?

4. Lasst euch auf das Abenteuer ein, verrückte Dinge zu testen. Ohne meine Tochter wüsste ich nicht, wie lecker ein Käsebrot mit Apfelscheiben schmeckt. Oder Schafskäse zum Frühstück. Oder Wasser aus der Kaffeetasse….

Autorin: Annika

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