Mein Geburtsbericht

Wie ein Traum Wirklichkeit wurde

In diesem Artikel möchte ich dir von der Geburt meines Muckels, meines ersten Kindes berichten. Zu dem Zeitpunkt war ich 30 Jahre alt und seit fast einem Jahr mit dem Muckelpapa verheiratet.

Wenn du noch mehr über mich erfahren möchtest, kannst du gerne den eigens dafür erstellten Artikel lesen.

Dieser Artikel ist lang, sehr lang. Aber er bedeutet mir so viel, dass ich an vielen Stellen einfach nicht kürzen konnte. Und ich glaube auch, dass er genau so richtig ist, denn die Geburt lässt sich einfach nicht in ein paar Worten zusammen fassen. Und du möchtest ja gerne einen Einblick haben, wie es war. Den kannst du so am besten bekommen. Viel Spaß also beim Eintauchen in meine Traumgeburt. 

Schwangerschaft & Geburt

Die Schwangerschaft

Rückwirkend betrachtet war die Schwangerschaft eine sehr gute und ohne ernsthafte Probleme. Währenddessen hat sich das jedoch manchmal ganz anders angefühlt. 

Das erste Trimester

In den ersten drei Monaten war mir schlecht, sehr schlecht und das sehr häufig. Übergeben musste ich mich nie, aber gefühlt war ich häufig kurz davor. So war es nicht immer ganz einfach, auf der Arbeit die Schwangerschaft zu verbergen, da ich mich häufig durch die Übelkeit nicht konzentrieren konnte. Das einzige was geholfen hat, war Essen – den ganzen Tag. In den letzten Wochen des ersten Trimesters kamen dann immer häufiger Migräneanfälle, am Ende sogar alle zwei Tage. Ziemlich genau mit Ende der 12. Woche war aber sowohl die Übelkeit, als auch die häufige Migräne weg. Einfach weg, von heute auf Morgen.

Das zweite Trimester

Zu dem Zeitpunkt war ich schon sehr erleichtert, dass diese ersten 12 Wochen gut überstanden waren. Aber dann habe ich in einer Mittagspause Blutungen bekommen. Wow, dieses Gefühl, da wird einem plötzlich ganz anders, wo man sich doch gerade sicher fühlen wollte. Zum Glück waren sie nicht zu stark, aber doch so, dass die Ursache abgeklärt werden sollte. Nach kurzer Wartezeit, die sich wie eine Ewigkeit anfühlte, gab es zum Glück Entwarnung: Alles ist gut, das Baby ist gesund, vermutlich hat es nur ein bisschen “randaliert”.

Danach hatte ich eine schöne, ruhige Schwangerschaft. Wir waren sogar noch einmal im Urlaub, sind durch Andalusien gereist und haben die Zeit sehr genossen.

Dann, Mitte Oktober, am Ende des zweiten Trimesters, kamen die ersten Vorboten dessen, was das gesamte dritte Trimester bestimmen sollte. Auf einer Hochzeit bekam ich nachts die ersten starken Wehen. Zuerst dachte ich, der Kleine sei sehr aktiv. Dann merkte ich aber, dass dieses Ziehen im Bauch viel zu lang, viel zu stark und viel zu rhythmisch war. Irgendwann wurde mir klar: das müssen Wehen sein.

Das dritte Trimester

Nach der Hochzeit wurde es erst einmal wieder ruhig und unauffällig, bis kurz nach meinem 30. Geburtstag. Am 30.10.2017 hatte ich morgens ein schlechtes Gefühl. Da waren wieder Wehen, stärkere und dazu noch eine große Menge Schleim, als ich zur Toilette ging. Könnte das der Schleimpfropf sein? Jetzt schon?

Wir hatten ein paar Stunden später sowieso einen Termin mit unserer Hebamme, dann wollte ich sie darauf ansprechen. Sie schickte uns nach einer kurzen Untersuchung ohne Umwege ins Krankenhaus, weil eine Frühgeburt drohen könnte. Das war für mich einer der schlimmsten Momente in der Schwangerschaft, weil man sich direkt so viele Sorgen macht: Würde mein Muckel zu früh kommen? Würde er gesund sein? War mein Traum von einer Geburt im Geburtshaus damit gestorben?

Im Krankenhaus begann dann mein Alptraum. Ich musste 3 Tage dort bleiben, bekam 2 Lungenreifespritzen, der Gebärmutterhals war stark verkürzt. Es war ein emotionales Auf und Ab und der Informationsfluss der ständig wechselnden Ärzte ließ stark zu wünschen übrig. Zig Untersuchungen und Verunsicherungen später, konnte ich dann aber endlich nach Hause. Mein Unvertrauen in Ärzte war danach noch viel größer, als es im Vorfeld schon war und mein Wunsch, irgendwie ins Geburtshaus zu kommen auch.

Die nächsten Wochen habe ich mich also bestmöglich geschont. Wehen hatte ich zwar immer wieder und der Gebärmutterhals wurde auch immer kürzer, aber ich habe es geschafft! Am 29.12.2017 war es soweit: Ab dann konnten wir zur Geburt ins Geburtshaus gehen.

Vorbereitung auf die Geburt

Eigentlich hatte ich ganz lange gar nicht das Ziel, mich konkret auf die Geburt vorzubereiten. Ich dachte, dass man darauf sowieso keinen besonders großen Einfluss hat, außer vielleicht zu entscheiden, wo das Baby zur Welt kommen soll.

Vertrauen schaffen

Das Thema kam eher beiläufig, je mehr wir uns in die Hände der Hebammen des Geburtshauses begeben haben. Der erste Denkanstoß kam schon während des Kennenlern-Treffens mit unserer Haupt-Hebamme. Nachdem wir ihr erzählten, dass wir beide totale Kopfmenschen sind, durchgeplant von vorne bis hinten, sagte sie irgendwann “Weißt du, mit dem Kopf hat hier noch keiner ein Kind bekommen. Genau diese Frauen haben hier leider häufig Probleme.” Und ich glaubte ihr sofort, ich konnte quasi schon “sehen”, wie ich mich nicht gehen lassen könnte…

Danach habe ich mich mehr und mehr damit beschäftigt, welche Auswirkungen die eigene Einstellung auf die Geburt hat. Dabei habe ich auch häufiger gelesen, dass es wirklich Frauen gibt, die ihre Geburt toll fanden, die gerne daran zurück denken und die nicht von unerträglichen Schmerzen erzählen. Zu dem Zeitpunkt habe ich das alles aber noch wie ein Märchen eingeordnet, das zu schön klingt, um wahr zu sein.

Nach vielen positiven Berichten habe ich mir ein Buch über Hypnobirthing bestellt und dachte, dass ich mich damit vielleicht vorbereiten könnte, um auch irgendwie zu einer so tollen Geburt zu kommen. Gelesen habe ich davon am Ende aber nur ein paar Seiten, weil es mir irgendwie viel zu esoterisch war. Das hat einfach nicht zu mir gepasst.

Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft traf ich mich für fast alle Vorsorgeuntersuchungen und weitere Gespräche mit meiner Hebamme. Diese Termine haben das Vertrauen in ihre Arbeit und in mich immer weiter gestärkt und somit die Basis geschaffen, dass ich mich im Geburtshaus und bei ihr wohl und überaus gut aufgehoben gefühlt habe. Das war für mich einer der entscheidendsten Teile der Vorbereitung

Der Vorbereitungskurs

Zusätzlich haben wir auch den Geburtsvorbereitungskurs im Geburtshaus besucht. Dieser Kurs war quasi unbezahlbar. Ich hätte dem Vorbereitungskurs im Vorfeld gar keine große Bedeutung zugeschrieben und bin überglücklich, dass wir trotzdem in diesem Kurs “gelandet” sind. Der Kurs bestand aus mehreren Einheiten, verteilt über einige Wochen und bei fast allen Terminen waren die Männer mit anwesend.

Hier lag der Fokus auf einer natürlichen Geburt: einer selbstbestimmten, möglichst interventionsarmen Geburt. Das hat noch einmal so viel in meinen Gedanken verändert.

Zu verstehen, wie eine Geburt abläuft, welche Faktoren Auswirkung auf die einzelnen Prozesse haben. Wie Eingriffe auf die Geburt wirken, wie Stress oder eben Wohlbefinden die Geburt beeinflussen. Dazu viele Informationen, wie Babys “funktionieren”. Es waren so viele Fakten, für Kopfmenschen gut erklärt, aber mit dem Ziel, auf sein Bauchgefühl zu vertrauen, wenn es soweit ist.

Und auf einmal erschien alles so logisch! Wie ein Puzzle, das sich Woche um Woche weiter zusammen fügte. Das war genau der Zugang, den ich zu der gesamten Thematik brauchte.

Der Geburtsort

Ich habe es ja schon erwähnt, der Muckel ist im Geburtshaus zur Welt gekommen und es war mein absoluter Wunschort.

Geburt im Geburtshaus - Geburtsraum

Geburtsraum – Geburtshaus

Warum ins Geburtshaus?

Schon seit vielen Jahren, seit ich ungefähr 16 war, ist meine größte Angst vor der Geburt der Zugang, der eventuell in meinen Arm gelegt werden könnte. Solange ich denken kann, habe ich Angst vor Spritzen, ein Zugang ist die Höchststrafe für mich. Dazu kam in den vergangenen Jahren eine immer größere Angst vor Krankenhäusern und ein Unvertrauen in Ärzte. Aus diesen Gründen habe ich um die 12. Woche herum, als feststand, dass das Baby, das in meinem Bauch wächst, auch irgendwann wieder da raus muss, nach Alternativen zur Geburt im Krankenhaus gesucht.

Eine Hausgeburt erschien mir dabei zu gefährlich, zu alternativ, zu verrückt. Aber das Geburtshaus war ganz schnell genau das, was ein gutes Gefühl in mir hervorgerufen hat.

Da mein Mann beim Aufkommen meiner Idee alles andere als ein gutes Gefühl hatte, haben wir uns erst einmal darauf geeinigt, eine Infoveranstaltung des Geburtshauses zu besuchen und danach zu schauen, ob sich an unserem Gefühl etwas ändert. Die Veranstaltung war sehr gut. Ich war noch mehr überzeugt, als im Vorfeld und mein Mann immerhin bereit, ein persönliches Erstgespräch mit der Hebamme zu vereinbaren, die uns auch hauptsächlich betreuen würde. 

Je mehr ich mich dann mit der Geburt beschäftigte, umso mehr entwickelte sich der Wunsch, eine ganz natürliche, selbstbestimmte Geburt zu haben. 

Meine Wünsche an den Geburtsort

Ich habe mir für meine Geburt ein paar Dinge gewünscht, die sich in Gedanken sehr gut angefühlt haben und die im Geburtshaus alle möglich waren. 

1-zu-1-Betreuung

Eine 1-zu-1-Betreuung während der Geburt war mein erster Wunsch. “Meine” Hebamme wäre die ganze Zeit bei mir, kein Schichtwechsel, keine anderen Schwangeren, die zeitgleich betreut werden müssen. Eine Person, die ich im Vorfeld kennen lernen kann, der ich bei der Geburt vertraue. Jemand, der mich, meine Wünsche und Ängste kennt, wenn es soweit ist.  Dazu noch mein Mann und die Zweithebamme. Also eigentlich sogar eine 3-zu-1-Betreuung, wo gibt es sowas schon?!

Geburt unter Frauen

Den Muckel unter Frauen zur Welt bringen (abgesehen von meinem Mann natürlich), war ein weiterer Wunsch. Ich weiß nicht, ob mich dieses Thema vielleicht mehr beschäftigt als andere, aber ich habe mir schon immer eine Frauenärztin ausgesucht, weil ich mich dort wohler fühle. Dann möchte ich nicht während der Geburt, die ja doch irgendwie ziemlich intim ist, Ärzte um mich herum kommen und gehen sehen, die je nach Bedarf auch noch diverse (unnötige) Untersuchungen vornehmen oder am besten noch ihre Arzt-Schüler an mir unterrichten. Klar, das wäre schon trotzdem irgendwie gegangen, aber mein Wunsch war von Frauen umgeben zu sein, die eigene Geburtserfahrungen gemacht hatten. 

Ein guter Start

Ich habe mir auch einen guten Start für uns als Familie und vor allem für den kleinen Muckel gewünscht. Einen ruhigen, sanften Start, wo doch die neue Welt, außerhalb von Mamas Bauch so neu und so anders ist. Mein Wunsch war ein Start in einer gemütlichen Atmosphäre, gedämpftes Licht, Ruhe, wenig fremde Einflüsse, keine Hektik. 

Geburt im Geburtshaus - Eingangsbereich

Eingangsbereich – Geburtshaus

Keine unnötigen Eingriffe

Ich habe es weiter oben schon erwähnt, ich habe ein ziemliches Unvertrauen in Ärzte und das Krankenhaus-System. Je mehr ich mich während der Schwangerschaft über Geburten im Krankenhaus informiert habe, umso ausgeprägter wurde dieses Gefühl. Deshalb wollte ich gerne an einen Ort ohne unnötige Eingriffe. Keine routinemäßigen Interventionen (wie z. B. ein Zugang oder ständiges CTG), keine Eingriffe, die mehr finanziellen Nutzen als wirkliche Notwenigkeit haben, keine Eingriffe, um die Geburt zu beschleunigen, weil sie sonst noch unwirtschaftlicher für das Krankenhaus ist. Ich wollte, dass WIR im Fokus stehen, dass wir die Zeit bekommen, die unsere Geburt braucht, unabhängig davon, ob das Bett vielleicht schon von der nächsten Schwangeren belegt werden müsste.

Im Geburtshaus war ich mir zu 100% sicher, dass ich diesen Ort gefunden habe. Hätten die Hebammen zu irgendwelchen Eingriffen geraten, wäre sofort klar gewesen, dass diese auch notwendig wären. 

Ambulante Geburt

Ich wollte nach der Geburt schnell nach Hause. Wo kann man sein Baby besser kennen lernen, als im eigenen Bett? Und wo kann man sich selbst besser erholen, als Zuhause? Dazu fühlen sich im Krankenhaus irgendwie alle eingeladen, direkt nach der Geburt das Zimmer zu stürmen und das Baby zu besuchen, weil “man das eben so macht”. Zuhause ist das dann doch nochmal etwas anderes und man hat erst einmal seine Ruhe, die man auch gut gebrauchen kann. 

Eine gute Erinnerung

Und zuletzt hatte ich den Wunsch, später eine gute Erinnerung an die Geburt zu haben. Ich wollte auch zu den Frauen gehören, die glücklich davon berichten. Die, die dieses Erlebnis als unglaublich faszinierend und stärkend beschreiben und nicht als das schlimmste Erlebnis mit dem schönsten “Ende”. 

Die Entscheidung

Meine Entscheidung, dass das Geburtshaus genau das richtige ist, stand, wie schon gesagt, schnell fest. Und mit jedem Vorsorgetermin, jedem Gespräch, jeder Stunde, die ich dort verbracht habe, hat sich dieses Gefühl gefestigt. Aus der ursprünglichen Angst vor der Geburt wurde immer mehr eine Vorfreude. 

Trotzdem blieb, und auch das möchte ich dir nicht vorenthalten, die Skepsis meines Mannes sehr lange bestehen. Auch er konnte die Vorteile erkennen, hat sich dort gut aufgehoben gefühlt und sah für den Fall, “dass alles klappt”, diesen Ort als den richtigen an. Was aber, wenn nicht alles klappt? Wenn etwas passiert und kein Arzt anwesend ist? Was, wenn wir als Notfall ins Krankenhaus verlegt werden müssen? Wenn dem Muckel etwas passiert? 

Auf all diese Fragen wird man nie eine 100% Antwort erhalten. Man kann sich lediglich informieren und sich dann entscheiden und muss vertrauen. Im Vorfeld werden schon sehr viele Kriterien überprüft, die zu einem Ausschluss der Geburt im Geburtshaus führen. Wenn man keine dieser Kriterien erfüllt, stehen die Chancen gut für eine natürliche Geburt. 

Außerdem entstehen viele der Eingriffe im Krankenhaus, die immer gerne als “gar nicht auszudenken, was aus mir/uns geworden wäre, wenn wir mit diesen Komplikationen nicht im Krankenhaus gewesen wären” genannt werden, nur dadurch, dass vorherige Eingriffe die Geburt beeinflusst haben. 

So haben wir am Ende abgewogen und uns entschieden, dass wir das Risiko eingehen. Dass wir die Chance auf eine schöne, natürliche Geburt deutlich höher ansehen, als das Risiko, dass etwas ganz Furchtbares passiert.

Geburt im Geburtshaus - Wassergeburt

Wassergeburt – Geburtshaus

Die Geburt

Obwohl wir im Vorbereitungskurs sehr oft gehört haben, “wenn es mal los geht, dauert es noch sehr sehr sehr lange, bis euer Kind zur Welt kommt”, ging es dann doch irgendwie sehr schnell. Aber fangen wir vorne an…

Die Wehen setzen ein

Nachdem ich ja schon sehr früh und vor der Geburt auch sehr häufig Wehen hatte, war es abends am 29.12. anders als vorher. Bis dahin habe ich die Wehen immer als rhythmisches Ziehen im Bauch wahrgenommen: relativ symmetrisch, rechts und links im Bauch, nicht schmerzhaft. 

An dem Abend merkte ich aber einen sehr starken Druck im Becken. Immer stärker werdend, dann wieder schwächer. Da dachte ich, ok, jetzt geht es los, das ist anders als sonst. Meine Hoffnung, noch irgendwie ins neue Jahr zu kommen, wo ich es doch jetzt schon so weit geschafft hatte, um Muckels Geburtstag nicht zwischen oder sogar auf die Feiertage fallen zu lassen, schwand dahin.  Aber die Wehen blieben ca. eine Stunde und waren dann wieder weg. Genau so verliefen die nächsten Abende. Immer ca. eine Stunde Druck im Becken (natürlich nicht dauerhaft, sondern in Wellen), danach Ruhe bis zum nächsten Abend. 

Nachdem ich so tatsächlich bis zum 02.01. durch gekommen bin, habe ich mir vorgenommen, an dem Tag alles zu machen, was ich in den letzten Tagen und Wochen vermieden hatte, um keine Wehen auszulösen. Ich wollte raus, wollte einkaufen, lange und heiß duschen und dazu noch kurz ins Geburtshaus, um meine 3. Hebamme kennen zu lernen. (Zu dieser Zeit hatte meine Haupthebamme nämlich ein paar Tage Urlaub, sodass die Zweithebamme für mich verantwortlich war und die 3. Hebamme zur Unterstützung während der Geburt anwesend wäre.)

Bei dem Termin bestätigte sich dann auch mein Gefühl der letzten Tage: Der Kopf saß schon sehr sehr tief im Becken. Den Tag über hatte ich auch immer wieder das Gefühl, dass die Fruchtblase platzen müsste, so stark wie der Druck im Becken war. Das war wirklich ein sehr merkwürdiges, aber absolut nicht schmerzhaftes Gefühl. Da habe ich mich dann beim Einkaufen doch lieber ein Bisschen beeilt… 

Kein Zurück

Abends haben wir zusammen auf dem Sofa gesessen und Playstation gespielt (Divinity – Ein tolles Fantasy-Rollenspiel, nur so am Rande 😉 ). Und dann kam wieder der Druck im Becken, wie auch in den Tagen zuvor, gegen 20:00 Uhr. Diesmal merkte ich aber schnell, dass ich nicht dabei liegen bleiben kann, das war zu unangenehm. Die Wellen wurden auch langsam aber sicher stärker und nach einer Stunde hörten sie nicht auf. (Ja, irgendwie passt Wellen hier wirklich besser als Wehen.)

Zu Beginn konnte ich in den Pausen einfach auf der Couch sitzen bleiben und bin während der Wehen aufgestanden und mit dem Controller durchs Wohnzimmer gelaufen. Später habe ich mich gar nicht mehr hin gesetzt, weil die Abstände immer kürzer wurden. Es stand also fest, dass es jetzt vermutlich soweit ist. 

Wir haben angefangen, die gepackten Sachen noch einmal zu überprüfen, haben überlegt, wann wir die Hebamme anrufen sollen. Zu früh anrufen oder umsonst wollten wir nämlich auch nicht. Und vom Gefühl her hätte ich gesagt, da muss noch deutlich mehr kommen. Abgesehen davon, hatten wir den Satz aus dem Vorbereitungskurs in den Ohren “es wird noch sehr sehr lange dauern”. 

Gegen 23:45 Uhr waren die Abstände bei ca. 4 Minuten. Es ging mir dabei aber immer noch wirklich gut. Es war nicht schmerzhaft, nur ein Druckgefühl, das eben immer stärker und dann wieder schwächer wurde. Dazu ein unkontrollierbares Bedürfnis, die Wehen zu veratmen.  

So habe ich kurz später die Hebamme angerufen und wir haben uns für 00:50 Uhr im Geburtshaus verabredet. 

Gegen 00:30 verließen wir also das Haus, eine Tasche und ein MaxiCosi in der Hand. Was war das für ein Gefühl… Wir haben uns noch einmal angeschaut und gesagt: Wenn wir nach Hause kommen, sind wir zu dritt. Wir sind jetzt zum aller letzten Mal zu zweit! Ein Kuss, eine Umarmung, dann endlich los. 

Die Fahrt war ok, obwohl die Wehen wirklich immer stärker wurden. Sitzen war bei den Höhepunkten nicht so angenehm, unterhalten war dann nicht mehr möglich. Nur atmen, atmen und auf das freuen, was kommt. 

Und obwohl man merkte, dass es kein Zurück mehr gab, war ich mir immer wieder unsicher, ob es wirklich schon so weit war. Ich hatte ein kleines Bisschen “Angst”, dass die Hebamme uns nach der Ankunft erst noch einmal nach Hause schicken würde, weil wir doch viel zu früh angerufen haben. 

Ankommen

Als wir im Geburtshaus ankamen, war unsere Hebamme schon da. Sie war gerade dabei, Kerzen in den verschiedenen Räumen anzuzünden, als sie uns willkommen hieß. Es fühlte sich an, wie zu guten Freunden nach Hause zu kommen. Es war wirklich schön, ich habe mich sehr gefreut. 

Wir haben unsere Sachen auf dem großen Tisch abgelegt, unsere Schuhe ausgezogen, die Jacke über eine Stuhllehne gehangen. Wir konnten ganz in Ruhe ankommen, während die Hebamme uns einen Tee kochte (der bis heute einer meiner Lieblingstees und eine ganz tolle Erinnerung an diesen besonderen Moment ist).

Ich nutzte den langen Gang zum Laufen, auf und ab, immer wieder. In einer Wehenpause wollte sie sich dann einmal einen Überblick darüber verschaffen, wie weit wir jetzt eigentlich waren. Die Untersuchung ergab, dass der Muttermund schon ca. 7 cm geöffnet war. Wow, das hätte ich nicht gedacht, dann waren wir wohl doch nicht zu früh dort. 

Eine Weile waren die Wehen noch gut erträglich. Laufen, Atmen, die Pausen genießen. Ich habe die Wehen auch da eher als Wellen empfunden. Druck im Becken, der sich langsam aufbaut, dann sehr stark wird und dann auch schon wieder schwächer. In den Pausen habe ich nichts gemerkt. Das hat das ganze für mich sehr angenehm gemacht. Ich wusste, ich muss nur diesen einen kurzen Moment abwarten, danach wird es direkt wieder besser.

Und dann kam irgendwann der Moment, in dem ich merkte, dass ich unbedingt mit pressen wollte. Die Intensität der Wehen veränderte sich dabei noch einmal stark. Das war auch der Moment, in dem die zweite Hebamme dazu gerufen wurde. Dass wir uns nach dem Kennenlernen am Vormittag so schnell wieder sehen, hätten wir wohl beide nicht gedacht. 

Geburt im Geburtshaus - Geburtsraum 2

Geburtsraum – Geburtshaus

Weiter kommen

Wir kamen also in die letzte Phase, wie lange würde es wohl noch dauern, bis ich meinen Muckel in den Armen halten könnte? Bis hier ging es ja sehr schnell, würde das so weiter gehen?

Wir sollten im Geburtsraum bleiben, die Wehenabstände waren auch so kurz, langes Laufen über den Gang wäre sowieso nicht mehr möglich gewesen. Ich versuchte, eine Position zu finden, die sich gut anfühlte. Das lange Tuch, das von der Decke hing, war für diesen Moment perfekt. Dort konnte ich die Wehen gut aushalten, in den Pausen etwas das Becken kreisen, während der Wehen fest am Tuch hängen. 

Es schien aber nicht die beste Position zu sein, um weiter voran zu kommen, denn nach einer Weile fragte die Hebamme, ob wir nicht einmal etwas anderes ausprobieren sollen. Vielleicht etwas in der Hocke. Die Vorstellung, mit dem Kind im Becken diesen Positionswechsel von stehend zu hockend durchzuführen, war irgendwie unbequem. Ich blieb also noch kurz am Tuch, entschied aber beim nächsten Fragen der Hebamme, dass sie mir wohl nur helfen möchte und ich ihrem Rat folgen sollte. 

Wir probierten erst den Vierfüßler-Stand vor dem Bett, gestützt auf meinen Mann. Das war schön (für mich, seine Hände wurden während den Wehen zerquetscht. 😉 ), so konnte ich während der Pausen mit meinem Kopf auf seinen Knien ruhen und entspannen. Das Schlimmste war sowieso, dass es so unerträglich heiß war. Wirklich, mir war so unglaublich warm. Ich weiß gar nicht, warum überall empfohlen wird, dicke Socken mit zur Geburt einzupacken, weil die Füße so kalt werden könnten. Zum Glück gab es einen Fächer im Raum und kühle Tücher, die in den Pausen für Abkühlung sorgten.

Als wir so auch nicht mehr richtig weiter kamen, probierten wir den Geburtshocker, das war aber gar nicht meins. Fühlte sich so falsch an, also noch ein weiterer Versuch. Wieder zurück ans Tuch, im Stehen.  

Die Zweithebamme kontrollierte zwischendurch immer mal wieder die Herztöne. Aber ohne nerviges CTG, für das ich mich hätte hinlegen müssen. Nur eine kurze, völlig unauffällige Überprüfung. Auch weitere Untersuchungen des Muttermundes fanden nicht statt, wir wussten ja, dass das Baby kommt, ohne unnötig eingreifen zu müssen. 

Ich war während dieser Phase in den Wehenpausen, wenn das klare Denken wieder einsetzte, übrigens sehr fasziniert davon, was der Körper leisten kann. Diese Gefühle, wow, kann man einfach nicht beschreiben. Und man merkt genau, dass alles passt. Der Körper weiß genau, was er da macht. Man kann sich dem hingeben und es passiert, ohne dass man eigentlich weiß, was genau gerade alles passiert. Das ist wirklich ein Wunder, ein richtiges Wunder und man hat nur als Frau die Möglichkeit, das zu erleben. 

Dann kam die nächste Wehe und jegliche Kontrolle über den Körper war weg, das Gefühl von Erschöpfung wieder da. Dieses Gefühl wurde irgendwann auch mit jeder Wehe größer. Ich fühlte mich irgendwann so erschöpft, dass ich dachte, ich schaffe das nicht mehr lange. Und das lag nicht daran, dass es unerträglich schmerzhaft gewesen wäre, das war es nämlich nicht, es war weiterhin nur ein sehr sehr starker Druck. Es war einfach eine große Erschöpfung, die sich immer mehr ausbreitete. 

Es ging nicht so gut vorwärts wie am Anfang, deshalb der erneute Rat der Hebamme, noch einmal eine andere Position auszuprobieren: seitlich liegend auf dem Bett. Auch der Gedanke an diesen Wechsel, von stehend zu liegend sorgte für kurzes Unwohlsein. Aber ich wusste ja, dass uns der letzte Wechsel auch schon ein Stück weiter gebracht hat. Also aufs Bett, einen Fuß gegen die Schulter der Hebamme gestützt, ihre Hände griffbereit, um beim Pressen meine ganze Kraft an sie übergeben zu können. 

Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind

Gertrud von Le Fort

Niederkommen

Und dann war es soweit: man konnte das Köpfchen schon sehen, der Muckel hatte relativ lange dunkle Haare, so viel konnte die Hebamme schon verraten.

Und es ging wirklich schneller voran. Ein Bisschen zu schnell auf einmal. Der Moment, kurz bevor das Köpfchen raus kam, war mit so unfassbar starkem Druck verbunden, dem man unbedingt nachgeben möchte. Die Anweisung der Hebamme, jetzt bloß nicht zu pressen, auf die nächste Wehe zu warten und kurz auszuhalten, war fast unerträglich. Als es dann soweit war, war es der für mich merkwürdigste Moment der Geburt. Ein kurzes Gefühl, als wäre alles gerissen, was irgendwie reißen kann, ohne das es aber den dazu passenden Schmerz verursacht hätte; Die Wehe sorgte wirklich dafür, dass man keinen Schmerz empfindet. 

Danach fühlte ich mich erleichtert, dieser große Druck war erst einmal weg, aber Zeit zum Ausruhen gab es ja trotzdem nicht, noch war der Muckel nicht geboren (nicht vollständig zumindest). 

Wir entschieden uns dazu, für die restlichen Wehen wieder auf den Boden zu wechseln. Vors Bett, gestützt auf meinen Mann, es fühlte sich an, als würden wirklich wir beide zusammen (soweit das als Paar eben möglich ist) unser Kind bekommen. Ich fühlte mich gut unterstützt und das Gefühl in Bodennähe zu sein war ein sehr gutes (es heißt wohl nicht umsonst “Niederkunft”). Und dann, nach ein oder zwei weiteren Wehen war er auch da, es ging so schnell. Die Hebamme führte ihn vorsichtig zu Boden. 

Wow, da war es also, mein Baby, unser Baby, um genau 03:52 Uhr. Ich hatte es geboren, es war alles gut gegangen, 1000 Gedanken flogen durch meinen Kopf. Da war ich noch einmal ganz der Kopfmensch, der ich bis dahin immer war. (Vielleicht sogar zum letzten mal). 

Nach der Geburt

Nach der Geburt

Innehalten 

Es war also genau der Moment, den man sich immer vorstellt, auf den man so lange wartet und von dem man doch kein klares Bild erschaffen kann. 

In Filmen und Serien ist es der Moment, in dem beide Elternteile in Tränen ausbrechen und sie von dieser unendlichen Liebe zu ihrem Kind vollkommen übermannt werden. 

So war es bei uns nicht! Ich war zuerst einmal erschöpft, denn auch wenn es alles sehr schnell ging, war es doch eine große Anstrengung. Und dann war da, für mein Empfinden, auch relativ viel Blut auf dem Boden. Das wäre von Verletzungen, sagte die Hebamme, was direkt dazu führte, dass ich mir viele Gedanken darüber machte, was wohl alles “kaputt” gegangen war.

Aber kurz darauf war ich einfach so sehr fasziniert von allem, was in den Stunden und Minuten zuvor passiert war. Ich konnte einfach nicht glauben, dass das unsere Geburt war. Dass es wirklich so schön war, dass ich nicht einmal an Schmerzmittel denken musste und natürlich auch, dass alles gut gegangen ist. Ich war für einen kurzen Moment wirklich vollkommen überschüttet von Gedanken. 

Dann durfte ich mein Baby hoch nehmen, ich war die erste Person, die es in den Armen hielt. Etwas unsicher legten wir uns zusammen ins Bett. Jetzt war Zeit, in Ruhe anzukommen und sich zu erholen. Die Hebammen überließen uns den Raum, wir waren ganz unter uns, nur wir drei, eine richtige Familie. Wir schauten unser Baby an und waren so fasziniert. So ein kleiner Mensch. Diese klitzekleinen Finger, die Füßchen, die kleine Nase… 

Danach stellten wir fest, dass die Hebammen auf die Geburt unseres Sohnes vermutlich emotionaler reagierten als wir beide. Dadurch fühlten wir uns kurz wie schlechte Eltern, weil wir nicht eine dieser filmreifen Tränen verdrückt hatten und uns alles mögliche durch den Kopf ging, aber nicht diese unendliche Liebe, von der immer alle sprachen. (Spoiler: Die kam, und sie war tatsächlich genau so unbeschreiblich groß und emotional, wie man es sich vorstellt, aber es dauerte, vielleicht sogar bis zum nächsten Tag, zuhause im Bett, als man endlich mal realisiert hat, was in der vergangenen Nacht eigentlich passiert war.) 

Während der Geburt fragte mein Mann schon ein paar Mal, wie es von den Schmerzen her sei. “Besser als Migräne” habe ich dann gesagt. Nun also die Frage zum Abschluss, ob Migräne immer noch schlimmer wäre, “ja, definitiv”. (Ich könnte jetzt hier noch in epischer Breite erklären, warum ich das so empfunden habe und auch immer noch empfinde, aber für jetzt muss die Information reichen, dass es so war.) 

Gegen 4:30 Uhr kam dann die Hebamme zurück. Die Nabelschnur war auspulsiert und der frisch gebackene Papa durfte sie durchtrennen. Anschließend probierten wir zum ersten Mal das Stillen aus. Ein schöner Moment, zu sehen, wie dieses kleine Geschöpf so friedlich anfängt zu saugen, wie es genau weiß, was zu tun ist. 

Nachsorge

Während wir schon unser kleines Wunder in den Armen hielten, erreichte eine zweite Mutter das Geburtshaus. Es kam eine weitere Hebamme dazu und ich war kurze Zeit sehr glücklich, dass wir zuerst dort waren. Für die andere Mutter war es die Geburt des zweiten Kindes. Wir hatten kaum mitbekommen, dass die Eltern überhaupt im Geburtshaus eingetroffen waren, schon war das Kind auf der Welt. Wow, hätte ich das während der Geburt mitbekommen, hätte es mich vermutlich irgendwie unter Druck gesetzt.

Kurz darauf begannen meine Nachwehen, wodurch dann auch die Plazenta geboren wurde. Es ging schnell, ziemlich genau eine Stunde nach dem Muckel, nur ein paar Wehen waren dafür nötig. 

Danach war es dann an der Zeit, einmal die entstandenen Verletzungen zu überprüfen. Davor bangte es mir sehr, obwohl ich keinerlei Schmerzen hatte. Das Ergebnis: Ein ganz leichter Dammriss, der nicht behandelt werden musste und ein Riss der Schamlippe (Labienriss), der genäht werden musste.

Meine Hebamme war sehr vorsichtig und nahm sich auch hier die notwendige Zeit, um alles zu behandeln. Eine Betäubung für die eigentliche Betäubung wurde gesetzt, dann das Betäubungsmittel gespritzt, wovon ich schon nichts gemerkt habe. Während die Betäubung wirkte, konnte mein Mann den Muckel zum ersten Mal anziehen. Wie süß er in diesen kleinen Sachen aussah, die ihm doch noch viel zu groß waren. Nachdem die Betäubung dann richtig wirkte, nähte die Hebamme den Riss mit zwei Stichen.

Da ich in meiner Schwangerschaft diverse furchtbare Berichte darüber gelesen habe, wie unglaublich schmerzhaft das Nähen bei vielen Frauen war, hatte ich vor diesem Moment auf einmal mehr Angst, als vor der gesamten Geburt. Völlig unbegründet, denn ich habe nichts, wirklich rein gar nichts gemerkt. 

Es folgte noch der obligatorische Toilettengang in Begleitung der Hebamme, dann konnte ich mich umziehen, während der Muckelpapa unsere Sachen packte, das MaxiCosi holte und wir uns bereit für den Aufbruch machten. 

So haben wir glücklich aber müde nur wenige Stunden nach der Geburt das Geburtshaus wieder verlassen, um uns Zuhause erholen zu können. 

Als Familie zurück

Viele haben im Vorfeld gesagt: “Du willst direkt nach der Geburt nach Hause fahren? Weißt du, dass du dann nicht sitzen kannst? Dann willst du nicht ins Auto!”

Und ja, die Autofahrt nach Hause war natürlich nicht die bequemste aller Zeiten, aber sie war vollkommen in Ordnung. Man ist sowieso in einem solchen Hormon-Hoch, dass man dann auch eine Autofahrt gut weg steckt. 

Und dann standen wir vor unserer Haustür. 07:30 Uhr, genau 7 Stunden, nachdem wir das Haus verlassen haben. Nur waren wir jetzt zu dritt, wir haben quasi über Nacht, ohne dass es jemand gemerkt hat, ein Kind mit nach Hause “geschmuggelt”. 😉

Wir sind ohne Umweg ins Bett gefallen, haben es uns dort gemütlich gemacht. Und wir konnten gar nicht nachvollziehen, warum uns so viele Eltern vor dem Moment, nach Hause zu kommen gewarnt haben. So oft haben wir gehört “Was, ihr wollt direkt nach Hause? Wisst ihr, wie komisch es schon nach 3 Tagen im Krankenhaus ist, wenn man auf einmal ganz alleine da steht?”.

Ich glaube mittlerweile, dass das Gefühl dann vielleicht wirklich beängstigender ist, weil man 3 Tage von Menschen umgeben war, die einem bei allem rein reden, die einem das Gefühl gegeben haben, dass man auf Hilfe angewiesen ist, die dann plötzlich wegfällt. Wir sind auf jeden Fall mit einem sehr guten Gefühl nach Hause gefahren und hatten auch keine Sorge, etwas “falsch” zu machen. Man ist sowieso so unglaublich von den Hormonen übermannt, von allem, was zuvor passiert ist, dass man gar keinen Platz für schlechte Gefühle hat. 

Die Männer haben dann erst einmal ein langes Schläfchen gemacht. Ich konnte kein Auge zu machen, ich war so “high”. Spätestens jetzt kam auch diese unendliche Liebe, dieses überwältigende Gefühl, das man als Eltern hat und das man sich vorher einfach nicht vorstellen kann. Ich war so fasziniert von diesem kleinen Geschöpf, von diesem Wunder, so dankbar, dass alles gut gelaufen ist, dass der Muckel gesund ist und einfach überglücklich. 

Am Abend kam die Hebamme zu Besuch. Es war schön, sie nach ein paar Stunden wieder zu sehen, jetzt wo man alles wenigstens ein bisschen realisiert hatte und ihr noch einmal richtig für diesen wunderschönen Start ins Leben danken konnte. 

Generell war der Tag sonst sehr unspektakulär. Ich habe das Bett nur einmal zum Duschen verlassen. Der Muckel ist nur einmal, nach ca. 12 Stunden aufgewacht, um etwas zu trinken und hat danach seelenruhig weiter geschlafen. Ein wirklich schöner, gemütlicher, ruhiger Kennenlerntag, den ich so niemals missen wollte. 

Minihände nach der Geburt

Das Besondere an der Geburt

Für mich, für uns, ich denke, das kann ich mit gutem Gewissen so sagen, war die Geburt des Muckels ein ganz besonderer, magischer Moment. Viel besser, als wir beide uns das jemals vorgestellt hätten. Was die Geburt so besonders gemacht hat, waren für mich vor allem folgende Dinge: 

Vertrauen 

Ich wusste, dass ich von Personen betreut werden würde, denen ich zu 100% vertraut habe. Deshalb konnte ich mich schon auf dem Weg zum Geburtshaus fallen lassen. Ich bin wirklich mit Freude, nicht mit Angst dort hin gefahren. Das, obwohl ich mir am Anfang meiner Schwangerschaft noch gar nicht vorstellen konnte, dass ich mich jemals so sehr auf die Gefühle einlassen könnte. 

Ich wusste, dass keine der Hebammen irgendwelche Eingriffe ohne Notwendigkeit durchführen würde. Keine Aktivitäten, nur um Geld daran zu verdienen, um Zeit zu sparen, um es einfacher, bequemer für sie zu machen. Und hätten sie gesagt, dass irgendetwas getan werden müsste, wäre es notwendig gewesen. Wir hätten zu keinem Zeitpunkt überlegen müssen, gegen welche Vorschläge wir ankämpfen müssten, um unsere Vorstellungen durchzusetzen und abzuwägen, ob man dadurch nicht ein Risiko einginge. 

Wohlbefinden 

Die Atmosphäre war toll, gemütlich und ein bisschen wie Zuhause bei guten Freunden zu sein. Ich habe während der Schwangerschaft in irgendeinem Geburtsbericht eines Vaters gelesen, dass es während der Geburt auf alles ankäme, aber nicht darauf, ob neben dem Bett Kerzen stehen.

Und ja, Kinder kommen zu Hauf auch ohne Kerzen neben dem Bett zur Welt, das stimmt wohl, aber es ist trotzdem viel schöner. Die Atmosphäre hat Auswirkungen auf das Wohlbefinden, das ist glaube ich jedem klar. Und je wohler man sich fühlt, umso besser ist es für die Geburt. 

Wir dachten im Vorfeld auch, dass die Geburt als Ausnahmesituation dazu führen würde, dass vermutlich heftige Wortgefechte stattfinden werden. Wir konnten beide in Gedanken sehen, wie mein Mann keine Chance haben würde, mich “richtig” zu unterstützen. Es hätte zu viel sein können oder zu wenig, auf jeden Fall unpassend und mit den entsprechenden Worten abgestraft, das war uns eigentlich klar. Aber dem war nicht so. Kein einziges böses Wort, kein Schimpfen, dafür aber Unterstützung, die wirklich genau richtig war. 

Diesen großen Einfluss des Wohlbefindens hätte ich vor der Geburt total unterschätzt. 

Zurückhaltende Unterstützung 

Ich fand die Unterstützung der Hebammen so gut! Sie haben mir häufig geholfen und mir Ratschläge gegeben, die den Geburtsprozess beschleunigt haben. Auch wenn wir im Vorbereitungskurs z. B. verschiedene Geburtspositionen besprochen und “geübt” haben, sieht das alles während der Geburt dann doch noch einmal ganz anders aus. 

Man hat den beiden angemerkt, dass das mehr als nur ein Job ist. Obwohl in der Nacht zuvor schon zwei Geburten betreut wurden und beide nicht viel Schlaf bekommen haben, waren sie immer zu 100% für uns da. Keine Position war zu unbequem oder so anstrengend. Herztöne wurden mit Bewegungen abgehört, die ein Bisschen an Twister erinnerten, damit ich die für mich bequemste Haltung einnehmen konnte. Wir saßen lange zusammen auf dem Boden und der Rücken der Hebamme hat vermutlich stark geschmerzt, nachdem sie mir ihre Schulter auf dem Bett als Gegenpunkt für meinen Fuß während der Wehen anbot. 

Dazu waren sie immer sehr zurückhaltend. Alle “Eingriffe” haben sich auf das absolut notwendige Minimum beschränkt. Das war ein schönes Gefühl. So konnten wir als Eltern von Anfang an für unser Baby “sorgen”. Das erste Hochheben direkt nach der Geburt habe ich gemacht. Es waren meine Hände, die das Baby zuerst umschlossen. Das erste Stillen wurde nur erklärt, das erste Anziehen hat mein Mann übernommen. 

 Die Folgen der Geburt

Wenn man sich etwas intensiver mit der Geburt und deren Auswirkungen auf Mutter und Kind beschäftigt, merkt man schnell, dass diese Auswirkungen viel größer sind, als man im Allgemeinen denkt. 

Mittlerweile bin ich mir sicher, dass es wirklich so ist und dass viel zu viele Frauen diese Auswirkungen unterschätzen.

Positiver Start

Die Geburt hat mir so viel positive Energie und Kraft mitgeben, die ich  immer wieder, auch jetzt noch abrufen kann. Durch dieses unglaubliche Hochgefühl, mit dem wir nach Hause gegangen sind und dem Vertrauen in uns selbst, hatten wir neben einer sehr positiven Einstellung für die erste Zeit auch eine Menge Kraft für die neue Situation. Dadurch hatten wir einen so entspannten Start als Familie. Wir konnten uns komplett auf unser Gefühl verlassen und wurden nicht von irgendwem verunsichert. Wir konnten alles so annehmen, wie es war und die Zeit uneingeschränkt genießen.

Sollten doch Fragen oder Unsicherheiten auftauchen, konnten wir diese mit den Hebammen klären, die in den ersten Tagen täglich zu Besuch und telefonisch immer erreichbar waren. 

Neues Selbst- und Weltbild

Das Gefühl, das Baby so natürlich und selbstbestimmt zur Welt gebracht zu haben, hat auch mein Selbstbild verändert. Ich war nach der Geburt wirklich stolz auf meine Leistung. Ich hätte einige Monate zuvor nie gedacht, dass ich mich wirklich so fallen lassen könnte. Und ich war – und bin es heute noch – begeistert davon, was unser Körper alles leisten kann. In dem Fall, was MEIN Körper, den ich eigentlich nie besonders toll fand, kann. Das ist ein Wunder und es hat mir geholfen, deutlich mehr Frieden mit mir selbst zu schließen. Ein Gefühl, für dass ich sonst schon versucht habe Sport oder Diäten zu machen, neue Klamotten zu kaufen oder doch mal Schminke aufzutragen, obwohl ich eigentlich gar nicht der Typ dafür bin. Und trotzdem war das Gefühl, wenn überhaupt, immer nur kurz da. Jetzt ist es fast immer da, einfach so, ohne Diät, ohne Sport, ohne Schminke. 

Neben dem neuen, besseren Selbstbild habe ich auch ein anderes Weltbild bekommen. Ok, das klingt vielleicht ein Bisschen “groß”. Was ich meine ist, dass ich viel mehr Dinge hinterfrage. Dass ich versuche, mehr Dinge mit Bauchgefühl anzugehen und so, wie es vielleicht natürlich wäre. Viel häufiger frage ich mich jetzt, ob ich etwas machen sollte, nur weil “man” es eben macht, weil es “schon immer” so gemacht wurde.

Diese Veränderung führt automatisch auch dazu, dass ich anderen gegenüber deutlich toleranter bin als früher. An vielen Tagen zumindest (Es ist ja ein Prozess, der etwas Zeit braucht 😉 ).

Bei diesen Themen merke ich, dass die Geburt nur der Anstoß war, der ganz viel ins Rollen gebracht hat. Ich merke, dass das ein Prozess ist, der noch viel Potenzial hat und jeder weitere Schritt, der sich richtig anfühlt, bestätigt mich darin, diesen Weg weiter zu gehen. 

Zum Schluss… 

Auch jetzt, über ein Jahr nach der Geburt des Muckels glaube ich, dass die Entscheidung, zur Geburt ins Geburtshaus zu gehen, die beste meines Lebens war.

Ich sehe jetzt, was durch diese Entscheidung alles verändert wurde. Wie häufig ich noch Kraft aus diesem Moment schöpfe. Wie sehr sich meine Ansichten über viele Dinge geändert haben. Und ich weiß jetzt, dass die Geburt viel weitreichendere Auswirkungen auf das Baby, die Mutter, die Familie hat, als man denkt. Es ist nicht “nur” die Geburt, und wenn man ein paar Tage später mit dem Baby zuhause ist, ist es egal, wo und wie diese stattgefunden hat.

So komisch es klingen mag, für mich war die Geburt ein Moment, an dem ich durch eine Tür in eine mir bis dahin verborgene Welt treten konnte. Die Vorbereitung führte schon dort hin – mit der Unterstützung der Hebammen – durch gehen musste ich dann aber selbst!

Durch all die positiven Veränderungen habe ich jetzt das Gefühl, dass ich mich zu einer besseren Version von mir selbst entwickelt habe. Und ich bin sehr gespannt, wo uns dieser Weg noch hin führen wird. 

Deshalb kann ich wirklich jeder Frau nur empfehlen, sich gründlich auf die eigene Geburt vorzubereiten, wie auch immer diese aussehen soll. Denn man hat doch viel mehr Einfluss darauf, als man immer denkt!

Nimm dein Glück selbst in die Hand!

Ein Kommentar

  1. Pingback:Keine Wehe ist umsonst! - Agatas Geburtsbericht bei Muckelliebe

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