Vom Notkaiserschnitt zur Hausgeburt

Heute teile ich einen weiteren Bericht über eine Hausgeburt mit euch. Einen, über den ich mich sehr freue, da ich über diesen Bericht die Mama persönlich kennen gelernt habe.

Irina ist ein ganz wunderbarer Mensch. Auf Instagram teilt sie ihre Liebe für das Leben und Ayurveda mit uns, genauso wie ihren Weg der Heilung, da sie vor Kurzem die Diagnose Brustkrebs erhalten hat. Hier berichtet sie von der traumhaften Geburt ihres dritten Kindes.

Über die Mama

Ich bin Irina, 33 Jahre und Mama von Louisa (4,5), Matheo (2,5) und Milan (knapp 8 Monate). Ja, wir haben unsere Kinder in einem sportlichen Tempo bekommen. Nicht immer war es zeitlich so geplant, aber jedes Kind gewünscht und gut überlegt. Alle drei Kinder habe ich auf eine andere Art und an einem anderen Ort zur Welt gebracht. Rückblickend war die letzte Geburt, die Hausgeburt im Mai 2019 die schönste und beste Erfahrung, die ich machen konnte und ich bin dankbar, dass dieses (für uns letzte) Kind so zur Welt kam.

Die erste Geburt

Aber fangen wir mal von vorne an: Louisa hat mich zum ersten Mal zur Mama gemacht. An einem super heißen Sommertag im Juli 2015 musste sie nach einer fehlgeschlagenen Einleitung per Notkaiserschnitt ca. eine Woche vor ET geholt werden. Damals waren ihre Herztöne seit über einer Woche sehr auffällig laut CTG. Ich hatte mir jedoch nie ernsthafte Sorgen gemacht, daher kam für mich der operative Eingriff sehr plötzlich und unerwartet.

Ich hatte mir die erste Geburt in allen möglichen Szenarien zuvor ausgemalt, doch an einen Kaiserschnitt habe ich niemals gedacht. Manchmal kommt es anders als man denkt. Die körperlichen Beeinträchtigungen nach diesem Eingriff waren für mich so schlimm, dass ich mir bereits zu diesem Zeitpunkt fest vorgenommen habe, es beim nächsten Kind anders zu machen. Irgendwie hatte ich mich auf die Geburt so gut wie gar nicht vorbereitet. Ich war der Meinung ein Geburtsvorbereitungskurs sei vollkommen ausreichend, denn auf den Rest habe ich sowieso keinen Einfluss. WEIT GEFEHLT!

Die zweite Geburt

Bereits zu Beginn der zweiten Schwangerschaft habe ich angefangen mich mit der Geburt auseinanderzusetzen. Die Gedanken an den Kaiserschnitt waren da, die Prognosen der Ärzte auf eine normale Entbindung eher niederschmetternd, denn ich hatte zwischenzeitlich eine ambulante Konisation (Gewebeentnahme am Gebärmutterhals) hinter mir und der Kaiserschnitt war noch nicht lange her. Dennoch… ich wusste, dass mein Körper in der Lage war, all dies zu stemmen.

Ich wusste über die Kraft meiner Gedanken und ich habe begonnen, alle Frauen, die ich kannte nach positiven und spontanen Geburtserlebnissen zu befragen. Diesmal habe ich mich sogar gegen einen Geburtsvorbereitungskurs entschieden und war fest der Überzeugung: dieses Kind bringe ich spontan zur Welt!

Die Geburt hat mit einem unerwarteten Blasensprung und gleich starken Wehen begonnen. Ich hatte mich derweil für ein anderes Krankenhaus (aus Entfernungsgründen) entschieden und dort begann ein schmerzhafter 24 Stunden Marathon. Die Konisation hatte leider zur Folge, dass sich der Muttermund trotz starker Wehen nicht geöffnet hat. Nach 12 Stunden hat mein Köper erschöpft die Wehentätigkeit eingestellt.

Es war ein Wettlauf mit der Zeit, denn nach einem Blasensprung sollte die Geburt spätestens 24 Stunden später erfolgt sein. Ich wurde also erneut eingeleitet und konnte ab dem Moment kaum noch eine Wehe veratmen. Die Einleitung hatte dazu geführt, dass ich diesmal selber (entgegen meiner Vorsätze) um einen Kaiserschnitt bat. Ich hatte großes Glück meine Nachsorgehebamme an meiner Seite zu haben, denn diese konnte (anders als ich) noch klar denken und hat Dinge in die Wege geleitet um mir bei einer spontanen Geburt zu helfen.

Exakt 24 Stunden nach dem Blasensprung hatte ich vollkommen übermüdet und kraftlos mein zweites Kind im Arm. Spontan, schmerzhaft und schockiert von all dem was da (inkl. Muttermund aufknipsen) alles passiert ist. So hatte ich mir eine „normale“ Geburt irgendwie auch nicht vorgestellt. Es war nur minimal besser als der Kaiserschnitt. Gefühlt habe ich einfach nur mein Ziel erreicht, aber durch die sehr spät gesetzte PDA auch keine Presswehen spüren können. Die Magie einer Spontangeburt blieb aus.

Die Schwangerschaft

Unverhofft kommt oft. So hat es nicht sehr lange gedauert und ich war erneut schwanger. Im ersten Moment überkam mich Panik und tausend Fragen: Wie sollte ich das stemmen? Die anderen beiden waren noch so klein. Die Nächte mit unserem Sohn seit über einem Jahr waren kurz und anstrengend. Und dann die Geburt… Ich hatte neben furchtbarer Übel –und Müdigkeit in den ersten Wochen auch noch große Sorgen, Zweifel und Ängste.

Vorbereitung auf die Hausgeburt

Dank einer lieben Freundin habe ich Anfang Januar dann nicht nur einen Onlinekurs für persönliche Weiterentwicklung machen können. Sie war parallel auch schwanger und hat mir den Zugang zu einer ganz neuen Sichtweise, was eine natürliche Geburt anging, ermöglicht. Sofia hat einen Hypnobirthing-Kurs besucht und mir von der Theorie berichtet.

Daraufhin habe ich mir das ein oder andere Buch dazu besorgt und Podcasts wie „Geburt mit Flow“ oder „ Die friedliche Geburt“ angehört. Ich habe mir meine Traumgeburt aufgeschrieben und sie versucht in Bildern zu finden. Ich habe zum ersten Mal in einer Schwangerschaft meditiert und schwangeren Yoga praktiziert. Es war eine komplett neue Erfahrung für mich.

Ich fühlte mich irgendwie noch mehr verbunden mit dem kleinen heranwachsenden Engel in mir und Sorgen, sowie Zweifel und Ängste schwanden. Dennoch war eine Hausgeburt für mich lange kein Thema. Wie auch, ich hatte alles andere als gute Voraussetzungen und gleichzeitig, gleichzeitig fühlte sich der Gedanke an eine erneute Krankenhausentbindung sehr falsch und fremd an.

Eine Entscheidung treffen

Ich bin definitiv in vielen Dingen ein Bauchmensch. Ich habe gelernt meiner inneren Stimme und dieser sogenannten Intuition zu folgen. Gleichzeitig bin ich aber auch sehr rational. Das muss kein Wiederspruch sein, denn unser Verstand zeigt uns die Ängste auf, die der Bauch nicht kennt. Schlussendlich hatte ich auch Kontakt zu meiner Lehrerin aus der Kursleiterausbildung für ayurvedische Babymassage. Sie ist Ayurveda Therapeutin und Yogalehrerin. Ich habe eine schwangeren Massage bei ihr genossen (das war übrigens auch Premiere beim dritten Kind) und mir ihre Meinung zur Hausgeburt und einer selbstbestimmten Entbindung angehört.

Nach meinem Besuch bei ihr im Februar war für mich klar, ich möchte eine möglichst sanfte und entspannte, sehr natürliche Geburt – ohne ständiges CTG schreiben, ohne Zugang in der Armbeuge, ohne Rückenlage und vor allem ohne PDA. Ich wollte also so ziemlich alles anders machen, nämlich so wie es Mutter Natur für uns vorgesehen hat. Und als ich diese Entscheidung für mich getroffen hatte, haben sich sämtliche Türen geöffnet.

Vorbereitet habe ich mich diesmal auch mit positiven Affirmationen für die „Wellen“, einem Geburtsöl aus der Bahnhofsapotheke, Belladonna Globuli, Himbeerblättertee, Heublütenbad und sogar dem Verzicht auf raffinierten Zucker in den letzten vier Wochen. Stattdessen wurden täglich bis zu 6 Datteln gegessen. Dies sollte angeblich positiven Einfluss auf das Öffnen des Muttermundes haben.

Aller guten Dinge sind Drei: Meine Hausgeburt

Bis dahin war ich nämlich der Meinung wir haben keine Hebammen in der Umgebung die Hausgeburten durchführen und plötzlich gab es sie doch. Auf einmal hatte ich dieses tiefe Vertrauen, dass ich das kann und das es genau das Richtige für mich und unseren zweiten Sohn ist. Ich konnte die Bilder einer entspannten Geburt nun mit unseren vier Wänden füllen und alles noch besser und klarer sehen.

Als ich meinem Mann von meinen Gedanken und meinem Vorhaben erzählt habe, bin ich nicht (wie bei den Meisten) auf Ablehnung und „du bist verrückt“ gestoßen, sondern auf Verständnis. Und seine Unterstützung und Befürwortung war mir so viel Wert, dass ich nichts anderes mehr in Betracht gezogen habe. An dieser Stelle ganz kurz: Ich weiß, dass es vor allem für die werdenden Väter erstmal abschreckend ist, wenn die Frau sich für eine Hausgeburt entscheidet. Ich kann hier aber sowohl der Frau, als auch dem Mann raten, wieder mehr ins Vertrauen zu gehen.

Vertrauen und sich das Ganze ZUTRAUEN. Lasst euch auch nicht von anderen beirren oder davon abbringen. Erzählt es möglichst wenigen Menschen und nur denen, die euch nicht versuchen werden das auszureden. Denn die Fremdbeeinflussung inklusive Horrorszenarien ist gerade bei diesem sehr privaten Thema weit verbreitet.

Wenn ich eins bei diesem ganzen Prozess gelernt habe, dann ist es „entspannen“. Das magische Wort für eine Entbindung ist Entspannung. Nur da, wo sich die werdende Mutter wohl und sicher fühlt, nur da wird sich der Muttermund dank einer konstanten und zunehmenden Wehentätigkeit öffnen.

Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, in welchem Raum ich mir die Geburt vorstellen konnte, ich wollte aber zum ersten Mal unter Wehen die Badewanne ausprobieren. Ich wusste aus Erzählungen, dass die Wehen beim Baden stärker werden, wenn tatsächlich die Geburt bevorsteht. Bis dahin erlebt hatte ich es aber (noch) nicht.

Die Geburt – oder etwa doch nicht!?

Milan war ausgerechnet für den 24.05.2019. Ich hatte ständig das Gefühl er kommt früher. Vielleicht war es nur Wunschdenken, denn meine Schwangerschaft mit ihm war abgesehen von Yoga und Meditation – im Alltag mit zwei kleinen Kindern, alles andere als entspannt.

Ich war so oft krank wie nie zuvor. Unsere Tochter hat so ziemlich alles aus dem Kindergarten nach Hause gebracht was umging. Solidarisch habe ich alles mitgenommen und hinzu kam noch eine sehr schmerzhafte Wurzelentzündung am Zahn, die nur bedingt behandelt werden konnte. Ich hatte gefühlt dauerhaft Schmerzen und Erkältung, inklusive Antibiose, kurzen Nächten und wenig Ruhe.

Leider wurde ich auch zum Ende der Schwangerschaft nicht verschont. Die ersten Wehen setzten am 8. Mai ein. Meine Hausgeburtshebamme zu der ich großes Vertrauen hatte, kam bis dahin regelmäßig und hat alles in Absprache mit mir und meinem Mann geplant. Wir haben sogar noch einen Paarkurs für Hausgeburten besucht und waren danach ganz euphorisch und zuversichtig.

Am 7. Mai hatte ich vermehrt und häufig Stuhlgang. Am nächsten Tag sogar Durchfall, einhergehend mit zunächst leichten Wehen. Ich war mir sicher die Geburt steht bevor. Wir haben die Kinder zu der Oma gebracht (auch ein wichtiger Punkt für eine Hausgeburt, wenn bereits Kinder vorhanden sind. Das sollte im Vorfeld natürlich geklärt sein).

Die Hebamme kam, der Muttermund öffnete sich allmählich. Nach weiteren 24 Stunden tat sich nichts. Die Wehen stellten sich ein, der Muttermund war nicht weiter als 3cm. Ich war enttäuscht und verwirrt. Meine Übelkeit war weg, ebenso wie der Durchfall. Es stellte sich raus: Fehlalarm! Es war nur ein unerkannter Magen-Darm-Infekt.

Alles kommt zur richtigen Zeit zu dir

Die nächsten beiden Wochen waren kaum zu ertragen. Täglich dachte ich bei den kleinsten Anzeichen an den Beginn der Geburt. Es war eine Achterbahn der Gefühle. Ich konnte von jetzt auf gleich losheulen, um mich anschließend wieder zu beruhigen und mir zu sagen „…er wird sich schon den richtigen Zeitpunkt aussuchen. Er bestimmt wann er kommen möchte. Alles kommt zur richtigen Zeit.“

Schließlich nahm mich weder mein Mann, noch meine Familie wirklich ernst, wenn ich von sämtlichen Anzeichen sprach und die Geburt herbeisehnte. Ich war frustriert.

Am 23.05. hatte Matheo einen heftigen Sturz mit seinem Laufrad. Er blutete aus Mund und Nase. Ich war so in Panik, dass ich ihn samt Laufrad über mehrere Meter nach Hause schleppte und gleichzeitig (vor Aufregung vermutlich) heftige Unterleibsschmerzen verspürte. Matheo hatte sich die Oberlippe aufgeschlagen und war sonst wohlauf.

Ich hingegen hatte ab dem Moment der Schmerzen braunes Blut in der Slipeinlage. Meine Hebamme konnte mich beruhigen – die sogenannte Zeichnungsblutung. Laut ihrer Aussage würde die Geburt in den nächsten 24 Stunden definitiv beginnen (das war um ca 16:00 Uhr).

Vorbereitung in der Nacht

Als ich abends meinem Mann und meiner Mutter davon erzählte (die Kinder sollten ja betreut sein), nahm mich erneut niemand ernst. Weinend und hilflos ging ich ins Bett mit dem Gedanken „dann bringe ich das Kind eben allein zur Welt“. Ich konnte ja nicht ahnen wie viel Kraft in diesem Gedanken steckte.

24.05.2019 – 01:00 Uhr: Ich wachte auf. Eine schmerzhafte Kontraktion, dann wieder Pause – das alle 15 min. Dadurch war ich nicht beunruhigt, aber die Intensität alle 15 min raubte mir den Schlaf.

Um 03:00 Uhr ging ich in die Wanne. Zum ersten Mal wurden die Kontraktionen regelmäßiger und nahmen auch in der Badewanne an Stärke nicht ab. Ich rief meine Hebamme an und ließ sonst alle weiter schlafen. Die Aussage der Hebamme „…es tut sich wieder was. Der Kleine macht sich auf den Weg. Versuch dich noch zu schonen und tanke Kraft. Ich komme um 10:00 Uhr wieder, wenn es bis dahin in dem Rhythmus bleibt.“

Geschlafen habe ich nicht mehr wirklich, vielmehr war ich in Gedanken wie es wohl ablaufen würde. Der Kleine hatte es nicht wirklich eilig, aber ich konnte es kaum noch erwarten.

Hausgeburt -Schwangerschaft

Zweifel an der Hausgeburt?

24.05.2019 – 10:00 Uhr: Die Kinder waren im Kindergarten. Die Große sollte anschließend zu Oma. Der Kleine sollte wie gewohnt mittags seinen Schlaf zuhause halten. Der Befund der Hebamme – 5cm geöffneter Muttermund.

Es gab kein zurück mehr, aber es war schleppend. Meine Nerven lagen blank, meine Kraft schwand und wenn ich jetzt doch Panik bekomme oder ein Schmerzmittel brauche, so sollte ich den Weg ins Krankenhaus antreten.

Die Hebamme konnte sich nicht erklären warum es so lange dauerte, machte aber keinerlei Druck und auch die Herztöne waren ok. Die Frage ging eher in meine Richtung: Bist du dir wirklich sicher, dass du es zuhause machen möchtest? Vielleicht dauert es so lange, weil du (unterbewusst) nicht loslassen kannst!?

Ich zog mich zurück ins Schlafzimmer, weinte und wusste nicht mehr weiter. ICH WAR MIR SICHER! Aber vielleicht der Kleine nicht!? Was störte ihn!? Ich hatte mittlerweile 12 Stunden Wehen und sämtliche anregende Cocktails und kreisende Bewegungen hinter mir. Mein Mann machte uns Essen warm. Matheo schlief. Die Hebamme erledigte Papierkram. Ich wollte die meiste Zeit alleine sein und ging erneut in die Wanne.

Der Sprung, endlich!

24.05.2019 – 14:00 Uhr: Krisensitzung. Nachdem ich verkündet hatte definitiv nicht ins Krankenhaus zu wollen und die Hebamme meinte es sei eine 50/50 Sache – wollte mein Mann für eine kurze Weile ins nahegelegene Büro, oder an die Tankstelle oder wohin auch immer…aber er wollte wohl nicht mehr zuhause mit mir warten. Die Hebamme sagte „…entweder es dauert noch Stunden, oder die Blase springt und das Kind ist ruckzuck da.“ Mein Mann entschied sich zu fahren. Etwas in mir wollte laut rufen „NEIN! Bleib hier!!!“ Doch ich ließ in fahren…

24.05.2019 – 14:15 Uhr: Er ging die Tür raus. Die Hebamme und ich hatten noch nicht aufgegessen. Mein Essen war mittlerweile kalt und ich hatte nicht wirklichen Hunger. Plötzlich…eine heftige Wehe -so, wie ich sie bisher noch nicht hatte. Ich stand auf, veratmete diese und setzte mich wieder. Keinen Bissen konnte ich nehmen – erneut… diesmal beim Aufstehen…merkte ich ein heftiges Ziehen im Schambereich. Der Riss war so laut, dass ich dachte, man hätte ihn vernehmen konnte. Ich schaute meine Hebamme an und hielt mich am Stuhl fest „…die Blase…“ rief ich. Und sie ganz verstört „…wo? Es läuft nicht.“

In dem Moment erfasste mich eine heftige Welle und ich merkte wie es warm an meinen Beinen runterlief. Dies bemerkte auch die Hebamme und sah, dass es mich schaukelte. Sie stütze mich unter dem Arm und ab diesem Moment hab ich alles nur gaaanz schwammig in Erinnerung. Eine heftige Welle jagte die nächste. Ich verspürte den Drang auf Klo, ich wusste ich musste mich nochmal entleeren.

Wo zum Teufel ist mein Mann?

Die Hebamme meinte „…nein, es ist das Kind. Wir müssen ins Schlafzimmer“ – (wo wir bereits Stunden zuvor alles für die Geburt gerichtet hatten). Doch ich musste DRINGEND auf Toilette und so begleitete sie mich zuerst dahin, während sie zeitgleich versuchte vergebens meinen Mann anzurufen – Mailbox.

24.05.2019 – kurz vor 15:00 Uhr. Wir schafften es gerade so ins Schlafzimmer und ich hatte die erste Presswehe. Es überkam mich so heftig, dass ich mich über dem Bett gelehnt an mein Yogakissen klammerte als ob es kein Morgen mehr gäbe.

Und da hörte ich Matheo im gegenüberliegenden Zimmer. Er war wach. Mist. Wo war bloß mein Mann? Passierte das hier alles jetzt wirklich ohne ihn!?? In meiner prekären Verfassung stieg Wut in mir auf. Männer, wenn man sie braucht.

Die Hebamme ermahnte mich mehrfach nicht zu pressen, sondern zu schnaufen (hahah wie denn, wenn man das Gefühl hat, es zerreißt einen). Matheos Rufe wurden immer lauter. Ich wies sie an zu ihm zu gehen und ihm etwas zu trinken zu geben. Kurz durchjagte es mich „ ich kann das Kind jetzt nicht bekommen.“ Doch Heike kam zurück, beruhigte mich und 2 Presswehen später hatte ich um 15:05 Uhr unseren Sohn im Arm. Milan, 50cm, 3300 Gramm.

Wer zu spät kommt…

10 Minuten später stand mein Mann im Schlafzimmer. Fassungslos, sprachlos. Diesen Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen. Er hatte diesen magischen, wertvollen Moment verpasst. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass Milan nur darauf gewartet hatte. Denn meine Worte vom Vorabend „dann schaffe ich das eben allein“ – hingen irgendwo in der Luft.

Der Geburtsverlauf nahm eine rasante Wendung an, kaum war der Papa aus der Tür. Vielleicht bin ich hier zu abergläubisch, aber wir hatten es tatsächlich besser und schneller allein geschafft. Matheo wurde hinzugeholt. Ich durfte samt Baby direkt ins Bett und wurde untersucht. Keine Geburtsverletzung, keine Auffälligkeiten – alles gut. Die Plazenta kam unmittelbar danach. Ich habe aus dieser das erste Mal Globuli machen lassen.

Ankommen, in Ruhe

Später am Nachmittag kam auch Louisa von der Oma und es war…ja, es war zum ersten Mal so, also ob es nie anders gewesen wäre. Da waren wir. Zu fünft, komplett. Zuhause. Meine Ankunft zuhause nach den beiden anderen Entbindungen hatte für mich immer einen negativen Beigeschmack.

Du kamst nach Hause mit dieser Tasche und diesem „Zusatzgepäck“ und musstest dich erstmal einfinden, auspacken, waschen. Irgendwie so, wie nach einem (schlechten) Urlaub. Nach den ersten beiden Kindern hatte ich jeweils Schmerzen, wenn ich nach Hause kam. Ich musste mich erstmal einfinden. Hier…da ich das Haus nicht verlassen hatte und nichts auspacken musste UND keine Schmerzen hatte, war irgendwie alles so wie immer…so vertraut. Da ich in einer natürlichen Stellung entbunden hatte, waren irgendwie nicht mal Schmerzen präsent. Ich hatte nur diesen unfassbaren Druck im Unterleib während der Presswehen.

Stolz. Demut. Dankbarkeit

Da lag ich nun mit unserem dritten Kind im Arm, zuhause. Während Papa im Wohnzimmer mit den beiden anderen die Familie anrief und die Hebamme das Formelle abarbeitete, war ich auf Wolke 7. Ein unglaubliches Gefühl von Stolz, Demut und Dankbarkeit durchflutete mich. Ich war so dankbar, meiner Intuition gefolgt zu sein. Und so dankbar, dieses einzigartige Wunder wie von Mutter Natur vorgesehen erlebt zu haben (ohne PDA, ohne Rückenlage, ohne Nadel im Arm). Ich war so stolz auf mich. Stolz, weil ich vertrauen in mich gehabt hatte. In mich und dieses Baby.

Hausgeburt - Familie

Das Besondere der Hausgeburt

Rückblickend hätte ich mich bei den anderen beiden auf die Geburt schon viel eher vorbereiten müssen. Ich hatte es fast dem Zufall überlassen. Bei Milan hatte ich das Gefühl alles richtig gemacht zu haben. Ich bin meinem Bauchgefühl gefolgt. Gleichzeitig haben mich genau diese Fehler der Vergangenheit erst an den Punkt gebracht etwas verändern zu wollen. Daher meine Herzensempfehlung: Beschäftigt euch frühzeitig mit dem Thema Geburt. Schiebt es nicht vor euch her. Überlasst es nicht dem Zufall. Redet über eure Ängste und Wünsche mit eurem Partner und/oder der Familie. Sucht gemeinsam nach Lösungen. Es kann nachhaltig einen großen Unterschied machen.

Die Folgen

Milan ist mein absolutes Sonnenscheinbaby. Er ist entspannt, er ist geduldig. Er zeigt mir jeden Tag wie einfach es ist Mama zu sein. Und das liegt nicht daran, dass das bereits das dritte Kind ist und man entspannter wird. Ganz ehrlich…ich bin nicht von Kind zu Kind entspannter geoworden – ganz im Gegenteil ANGESPANNTER! Und das, weil jedes Kind seinen Charakter und seine besonderen Bedürfnisse mit sich bringt. Aber Milan…Milan ist genügsam und ausgesprochen freundlich. Er treibt mich nur selten in den Wahnsinn (aktuell zumindest) und seine fröhliche Art färbt oft auf mich und die anderen ab. Ich glaube fest daran, dass das u.a. daran liegt, wie ich mich ihm gegenüber in der Schwangerschaft verhalten habe und nicht zuletzt, dass ich ihm unter der Geburt die notwendige Zeit gelassen habe. Denn im Krankenhaus, da wäre ich eingeleitet worden. (Das hat man mir im Nachhinein bestätigt).

Fazit

Mein Appell also an dich: Hör auf dein Herz. Hör auf dein Gefühl. Hör auf die Stimme deines Kindes. Ihr seid vom ersten Moment an verbunden. Es weiß bereits im Bauch was es wann will. Und mit Sicherheit nicht unbedingt das Bedrängnis durch eine Einleitung. Und ganz wichtig: Hab Vertrauen! Vertrauen in dich und dein Baby. Vertrauen in die Fähigkeiten deines Körpers. Dieses Wunder kannst du vollbringen. Du musst es nur zulassen und loslassen. Hab Vertrauen.

Ich wünsch dir liebe (werdende) Mama von Herzen alles Gute und dass du deine Traumgeburt erlebst!

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