Eine wundervolle Hausgeburt nach 5 Jahren Kinderwunsch

Nach einer Längeren Pause auf Instagram und hier auf dem Blog bekommt ihr nun endlich wieder einen neuen Beitrag. Ich freue mich riesig, mit einem weiteren Geburtsbericht starten zu können. Magdalena von Elternreise.com ist eine Mama die ihr Herzenprojekt auch in der Begleitung von (werdenden) Eltern gefunden hat. Hier berichtet sie euch von ihrer Hausgeburt und dem in der Schwangerschaft entstandenen Online-Geburtsvorbereitungskurs.

Über die Mama

Mein Name ist Magdalena Hacklinger und ich bin Ende 30. Gelernt habe ich vor vielen Jahren Veranstaltungskauffrau. Doch über die Jahre hinweg habe ich Weiterbildungen zur Yogalehrerin und verschiedene Coachingausbildungen gemacht.

Mit meinem Mann bin ich seit gut 10 Jahren ein Paar, seit 2013 sehr glücklich verheiratet und unser Kinderwunsch hat uns über 5 Jahre lang begleitet. Wir waren mehr als 3 Jahre in verschiedenen Kinderwunsch-Behandlungen. Sind dann aber nach einer künstlichen Befruchtung mit folgender Fehlgeburt natürlich schwanger geworden. Seit dem begleite ich nun Frauen mit längerem Kinderwunsch mental auf ihrem Weg Mama zu werden.

Ich bin mit Leib und Seele Mama und jeden Tag sehr dankbar dafür. Es ist mein Herzensprojekt geworden, andere Frauen dabei zu unterstützen auch Mama zu werden. Mein Mann unterstützt parallel  Männer dabei auf ihrer Reise Vater zu werden.

Gemeinsam mit meinem Ehemann setze ich seit mehr als 4 Jahren Online Projekte wie Online Kongresse und Onlinekurse um. Unser längerfristiges Ziel ist es, ortsunabhängig zu leben und viel Zeit als Familie verbringen zu können. Unsere Wohnung haben wir Ende 2019 aufgelöst und uns ein Wohnmobil zugelegt, mit dem wir noch in diesem Jahr auf Europareise gehen wollen.

Hausgeburt nach 5 Jahren Kinderwunsch

Die Schwangerschaft

Nach der Fehlgeburt Mitte 2018 rieten mir die Ärzte gut 3 Monate Kinderwunsch-Pause zu machen. Mein Mann und ich entschieden, dass wir den Schmerz und die Trauer erst verarbeiten wollten, bevor wir den Weg zum Wunschkind weitergehen würden.

Die Zeit nach der Fehlgeburt

Es fiel uns schwer loszulassen, doch wir schafften es und konzentrierten uns auf uns: Wir unternahmen nicht nur seit längerer Zeit eine Reise, sondern widmeten uns neuen beruflichen Projekten. Es klappte sehr gut und wir hatten einen schönen, erholsamen Sommer. Einen positiven Punkt gab es nach der Fehlgeburt: Ich hatte seit Jahren zum ersten Mal wieder einen normalen Zyklus. Ich konnte somit anfangen meinen Körper genauer zu beobachten.

Nach 3 Monaten, Anfang November 2018 konnte ich es kaum glauben, als meine Frauenärztin mich nach einer Blutuntersuchung anrief und mir die frohe Botschaft mitteilte. Mein Mann und ich waren voller Freude. Doch wir hatten nach der vorigen Erfahrung auch Ängste und Sorge, dass wir unser Baby in den ersten kritischen Wochen der Schwangerschaft verlieren könnten. Was mir besonders half, waren Menschen, die mir zeigten, wie ich die Ängste loswerden konnte. So bekam ich Vertrauen in mich, meinen Körper und das Leben.

Glücklich schwanger

Ich meditierte häufiger und fing mit Schwangerenyoga an. Gesundheitlich ging es mir blendend. Ich hatte kaum Übelkeit oder andere Beschwerden. Zugute kam mir, dass ich keinen Stress hatte, regelmäßig in der Natur war und mir viel Ruhe und Pausen nehmen konnte. Wir verkündeten, dass wir Eltern wurden auch erst kurz vor der 12. Woche, nachdem die Frauenärztin uns bestätigte, dass es dem Baby gut ging und es sich prächtig entwickelte. Nicht nur ein großer Stein fiel uns vom Herzen: Es war ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk für die ganze Familie, die seit Jahren mit uns auf ein Baby hofften.

Die weitere Schwangerschaft verlief sehr gut. Alle Werte waren in Ordnung. Mein Mann und ich hatten noch einen Urlaub zu zweit. Wir freuten uns von Woche zu Woche mehr darauf, Eltern zu sein. Ich wollte viel aus der Schwangerschaft festhalten und führte Tagebücher.

Hebammensuche

Recht spät begab ich mich auf die Suche nach einer passenden Hebamme. Diese fanden wir auch recht bald. Nach einigen Gesprächen und Treffen fühlte ich mich so gut begleitet, dass wir entschieden, nur noch die nötigen Artzttermine und dafür bei ihr regelmäßig Untersuchungen wahrzunehmen. Es ging mir blendend: Ich hatte prima Laune, ich bewegte mich viel in der Natur, hatte Energie, achtete auf mich und eine überwiegend gesunde Ernährung. Nur Stützstrümpfe sollte ich jeden Tag tragen was im Sommer unangenehm ist.

Mein Mann und ich konnten die Schwangerschaft sehr genießen. Wir unternahmen noch viel, was unserer Paarbeziehung gut tat und was wir mit Baby wohl erstmal nicht mehr machen konnten. Da ich viel mit unserem Baby im Bauch sprach, hatte ich Stück für Stück mehr das Gefühl, dass es zu Hause auf die Welt kommen wollte. Und das, obwohl ich mich zuvor noch nie mit dem Thema Hausgeburt beschäftigt hatte.

Die Vorbereitung

Ich las Bücher über Hausgeburten und mein Mann und ich sprachen mit sehr guten Freunden, die eine glückliche Hausgeburt erlebt hatten. Es war nicht einfach eine Hebamme für Hausgeburten zu finden, doch eine gute Freundin von unserer Hebamme war genau die richtige Hausgeburtshebamme für uns und wir fühlten uns gleich gut aufgehoben bei ihr nach dem ersten Kennenlernen und ausführlichem Gespräch.

Obwohl alles optimal verlief und unser Baby aktiv in meinem Bauch war, wollten wir doch auch auf alle Eventualitäten gefasst sein und uns in der nächstgelegenen Klinik anmelden. Wir nahmen den Infoabend dort wahr und besichtigten die Kreißsäle.

Je mehr ich mich mit der Geburt beschäftigte, umso weniger Angst oder Bedenken hatte ich davor. Ich zögerte auch nicht, wirklich viel mit meiner Hebamme darüber zu sprechen und mich mit Frauen auszutauschen, die glückliche Geburtserlebnisse hatten. Negative Geburtsberichte las ich nicht.

Vorbereitungskurse

Da ich gerne Podcasts höre, waren „Die friedliche Geburt“ und „Geburt mit Flow“ in meiner Playlist. Besonders in Erinnerung ist mir das Buch von Nadine Wenger „Vom Glück der natürlichen Geburt“. Mein Mann und ich besuchten gemeinsam bei unserer Hebamme einen Wochenendkurs zur Geburtsvorbereitung. Wir hatten nach dem Kurs nicht nur mehr Wissen über das Geburtserlebnis, sondern empfanden auch mehr Zuversicht und Sicherheit, da viele Fragen nun beantwortet waren wie z.B.:

Wie läuft eine Geburt ab? Welche Position gibt es?Was kann der Partner tun, um im Vorfeld zu unterstützen? Wie kann er bei der Geburt seiner Partnerin helfen? Wie sollte das Auto präpariert werden? Was kommt in eine Kliniktasche? Warum ist das Wochenbett so wichtig? Was ist in den ersten Tagen im Wochenbett wichtig und was kann man da schon im Vorfeld erledigen? Wie wird ein Baby gewickelt? Wie funktioniert das Stillen und was kann man tun, damit das Stillen gut klappt?

Der Kurs war für uns sehr wertvoll und da wir von unserer Hebamme erfuhren, dass immer weniger Frauen einen Platz in einem Kurs bekamen, entstand die Idee einen Onlinekurs zur Geburtsvorbereitung gemeinsam zu erstellen. Die Videosequenzen haben wir im letzten Schwangerschaftsdrittel gedreht und Anfang 2020 ist der Videokurs erschienen.

Der Geburtsort

Unsere Tochter ist zu Hause auf die Welt gekommen. Eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin wurde sie in der Badewanne geboren, wie ich es mir gewünscht hatte. Zuvor hatte ich mir nie Gedanken gemacht, in welchem Raum unser Kind geboren werden wollte. Doch gewünscht hatte ich mir eine Wassergeburt, da ich selbst so gerne im Wasser bin. Geplant war eigentlich das Geburtsbecken zu nehmen. Da alles recht schnell ging, hatten wir nicht mehr die Zeit es aufzupumpen.

Die Hausgeburt

Es war ein gewöhnlicher Tag und am Abend waren mein Mann und ich noch eine größere Runde spazieren. Wir hatten sehr warmes Sommerwetter. Gegen 20 Uhr konnte ich kaum mehr ruhig auf einem Stuhl sitzen und nahm mir den Petziball.

Es geht los

Ich spürte ein Ziehen im Bauch das ich zuvor noch nicht hatte. Seit etwa zwei Wochen hatte ich stärkere Schmerzen im unteren Rücken, doch nahm sie nicht weiter ernst. Im Nachhinein sagte man mir, dass das schon Wehen gewesen sein mussten. Mein Mann ging gegen 22 Uhr ins Bett und ich legte mich dazu, stand aber nach einigen Minuten wieder auf. Ich hatte das dringende Bedürfnis mich zu übergeben, was ich sonst nie hatte. Mein Magen ist sonst sehr robust. Kurz darauf hatte ich Durchfall.

Nach einer Dusche ging ich wieder auf den Ball, denn Bewegung tat mir in dem Moment gut. Ich freute mich, denn ich dachte, dass es Senkwehen sein müssten. Da ich nun in regelmäßigen Abständen das Ziehen im Unterleib hatte, ging ich an die Abstände aufzuschreiben. Sie kamen alle 2-3 Minuten. Ich weckte meinen Mann kurz vor Mitternacht. Er merkte an meiner Atmung sofort, dass es kein Scherz war.

Mittlerweile probierte ich einige Geburtspositionen. Im Vierfüßlerstand löste sich ganz klassisch mein Schleimpfropf. Wir riefen die Hebamme und nach einigen Fragen versprach sie, dass sie sofort losfahren würde. Mein Mann begann mit den Vorbereitungen: Er fing in Windeseile an, alles herzurichten, was die Hebamme uns aufgeschrieben hatte: Er richtete Tücher, Schüsseln und Laken her, schaute immer wieder liebevoll bei mir vorbei…und kochte Kaffee.

Welle für Welle ans Ziel

Die kommenden 40 Minuten waren lang: Ich veratmete  eine Wehe nach der anderen und wanderte nun vom Kinderzimmer ins Bad. Der Druck war kaum mehr zum Aushalten und ich hatte den Drang stärker zu pressen, hielt mich aber zurück. Ich wollte mit allem Weiteren auf die Hebamme warten und hatte das Gefühl, dass sie jeden Moment da sein müsste.

Insgesamt war ich ruhig und ließ mich ganz auf die Wellen, die mich durchströmen ein. Nur so richtig wohl fühlte ich mich im Stehen nicht mehr. Mein Mann machte den Vorschlag mir die Badewanne einzulassen. Erst lehnte ich ab, doch kurze Zeit darauf ging ich hinein und blieb im Vierfüßlerstand bis die Hebamme kam. Eine riesige Erleichterung machte sich in mir breit und ich wusste, dass alles gut werden würde. Vor allem als sie meinte, dass wir schon sehr weit wären und der Muttermund gut geöffnet ist. Auch ging es unserer Tochter prima, die Herztöne waren gut und sie machte bestens mit. Die Hebamme merkte, dass ich gut fokussierte und sie mich in unserem Tempo machen lassen konnte.

Geburt im Wasser

Ich war im Flow und völlig eins mit unserer Tochter. Mein Mann war dicht neben mir, was mir sehr gut tat. Er sprach mir immer wieder gut zu, unterstützte mich während der Wehen und gab mir in den Pausen Traubenzucker und Wasser. Ich war so in meine Atmung vertieft, dass es nur bei den letzten drei Wehen nochmal so richtig anstrengend war und ich nur einmal über einen Punkt musste, die Hebamme mich aber so ermutigte, darüber hinauszugehen, dass wir bei der kommenden Wehe das Köpfchen schon sahen.

Ich spürte wie verzückt mein Mann war und konnte kaum glauben, dass unsere Tochter auf einmal unter mir durch in meine Kopfrichtung schwamm. Der Moment war unglaublich und ich konnte vor lauter Freude und Erschöpfung erst gar nichts sagen. Mein Mann und ich haben sie gemeinsam aus dem Wasser gehoben.

Ich zitterte am ganzen Körper und ging in Rückenlage, damit die Hebamme mir unser Mädchen auf die Brust legen konnte. Uns liefen Freudentränen über die Wangen. Wir küssten uns und betrachteten unser kleines Wunder. Kurz ging mein Mann in die Küche, um etwas zu holen und in diesen paar Minuten kam auch schon die Nachgeburt. Nachdem die Plazenta auspulsiert war, schnitt mein Mann die Nabelschnur durch.

Hausgeburt - Das Baby ist da

Ankommen im Glück

Nun wurde unser Töchterchen in ein Handtuch gewickelt und ihr Papa hielt sie überwältigt vor Glück im Arm während die Hebamme mir aus der Wanne ins Nachthemd half und mich im Intimbereich mit Netzhose und Binde versorgte. Es war nichts verletzt und es musste nicht genäht werden. Ich war sehr froh darüber.

Da mir so kalt war, gingen mein Mann und ich mit unserer Tochter ins Bett. Wir wollten gleich das Stillen probieren. Es klappte einwandfrei. Erstaunlich, wie schnell und fast von alleine unsere Tochter an meiner Brust zu saugen begann. Mittlerweile war es kurz vor 4 Uhr in der Früh. Wir drei kuschelten während die Hebamme Ordnung im Bad machte und ihre Unterlagen holte, um unsere Tochter zu wiegen und zu messen.

Sie wollte uns erstmal alleine lassen und in einigen Stunden wiederkommen, um nach dem Rechten zu sehen. Wir waren zu aufgeregt, um zu schlafen und nach vier Stunden hielten wir es nicht länger aus und riefen unsere Eltern an, um ihnen die freudige Nachricht zu überbringen.

Das Besondere der Hausgeburt

Die Geburt hätte nicht besser verlaufen können und selbst in meinen schönsten Träumen hätte ich es mir nicht so wunderschön vorgestellt. Ich hätte nicht gedacht wie kraftvoll und leicht eine Geburt zu Hause sein kann, wenn alles dem natürlichen Lauf folgen kann. Besonders, da ich über Jahre hinweg viele negative Geburtserfahrungen gehört habe.

Voller Vertrauen und Ruhe. Mein wundervoller Ehemann hat die Geburt nicht nur miterlebt, sondern mitgemacht. Er war unglaublich wichtig für mich mit seiner liebevollen, fürsorglichen und ruhigen Art. Ich wusste, er war jede Sekunde mit im Geschehen dabei und für mich und unsere Tochter da. Auch die Hebamme war ein Geschenk und ihre Art war für mich genau richtig, denn sie ließ mich ganz nach meiner Intuition machen und war dennoch im richtigen Moment mit Rat und Tat da.

Sehr besonders war der Moment als unsere Tochter im Badewasser zu mir schwamm und wir sie gemeinsam hochhoben. Auch ganz bezaubernd fand ich die erste Zeit im Bett beim Stillen und ihr erstes Schläfchen zwischen uns Eltern. Die Geräusche von Neugeborenen sind einfach besonders.

Die Folgen

Wir hatten einen wundervollen gemeinsamen Start als kleine Familie. Da wir ohne Hektik, Stress und Aufregung in unserer gewohnten Umgebung waren, konnten wir in unserem Tempo Besuche empfangen und uns langsam an einen Alltag gewöhnen. Unsere Kleine trank von Anfang an gut, das Wickeln klappte und ich hatte mehr Schlaf als gedacht. Mein Mann brachte mir viele stärkende Köstlichkeiten ans Bett. Ich war überhaupt sehr erstaunt wie rasch sich mein Körper von der Geburt erholte.

Besuche brachten mir Blumen-so viele Sträuße hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Auch war ich sehr gerührt wer uns aus dem Familien-und Freundeskreis gratulierte und besuchen wollte. Insgesamt schwebten wir auf einer Glückswolke.

Fazit

Diese Geburt hat nicht nur unserer Tochter einen bestmöglichen Start ins Leben gegeben, sondern auch mir als Mutter viel Selbstvertrauen und Stärke gebracht. Ich bin zutiefst dankbar, wenn ich über unsere Hausgeburt spreche, dass wir diese so intensiv und positiv zu dritt erleben durften. Gerade  nach der langen Kinderwunsch Geschichte ist dies ein Geschenk.

Dennoch kann ich von mir aus nur sagen, dass ich mich jedes Mal wieder so stark mental wie auch körperlich auf die Geburt vorbereiten würde. Es zahlt sich einfach aus. Yoga, eine ausgewogene Mischung aus Aktivität und Ruhe, guter Schlaf und gerade gegen Ende der Schwangerschaft öfter Meditation, Hypnobirthing  und viel Sprechen mit dem Ungeborenen waren für mich ein Kraftpaket an Vorsorge.

Das Wissen meiner beiden Hebammen war enorm wichtig für mich, gerade alle Themen aus dem Geburtsvorbereitungskurs und besonders  Geburtsablauf, Wochenbett und Stillen. Es freut mich umso mehr, dass wir hierzu den Onlinegeburtsvorbereitungskurs in einzelnen Videos gedreht haben und das Wissen somit anderen Frauen und Paaren zur Verfügung stellen können.  Gerade in Zeiten wo es immer weniger Kurse vor Ort gibt gerade für Schwangere mit dem ersten Kind eine gute Vorbereitung.

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