Muttersein – Ich bleiben?!

Ich bleiben und Mutter sein? Geht das überhaupt? Ein Sprichwort sagt „Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind“. So ist das Mutter-Werden und -Sein vermutlich eine unserer größten Veränderungen im Leben, wenn nicht sogar DIE Veränderung überhaupt. Und obwohl man natürlich irgendwie „dieselbe“ bleibt, gibt es doch viele Veränderungen im Außen, die gut sichtbar und für alle nachvollziehbar sind und solche im Innen, die – vielleicht auch erst nach und nach – zumindest aber für uns selbst gut sichtbar werden.

Deshalb möchte ich heute mit euch die Veränderungen teilen, die das Muttersein für mich mitgebracht hat. Wahrscheinlich fallen mir gar nicht alle Veränderungen ein und auf und die Liste unterliegt einem stetigen Wandel.

Aber die Veränderungen sind so vielfältig, dass ich sie gerne als Basis für einen Austausch mit euch nutzen möchte. Denn vielleicht möchtet ihr ja dann auch einmal berichten, was sich bei euch verändert hat.

Das Äußere

Ich beginne einfach mal mit den offensichtlicheren, den optischen Veränderungen, die das Muttersein mitgebracht hat.

Mit jeder Schwangerschaft sind ein paar Kilos dazu gekommen, einige sind wieder weg, einige sind noch da. Ob sie für immer bleiben werden? Wer weiß das schon. Dazu ein paar ganz wenige Dehnungsstreifen, die mich immer an die beiden Wunder in meinem Bauch erinnern werden. Schon während der ersten Schwangerschaft sind meine Nägel viel stabiler geworden, eine Veränderung, von der ich noch heute profitiere. Dafür ganz kurz nach der zweiten Schwangerschaft aber auch Hautprobleme, die ich zuvor in einem solchen Ausmaß nie hatte.

Ich habe die Geburten von beiden Kindern als absolutes Wunder wahrgenommen habe, als eine unglaubliche Höchstleistung meines Körpers. Eine Leistung, die mich so sehr fasziniert hat, dass ich viel mehr Frieden mit meinem Körper geschlossen habe. Etwas, das mir vorher so schwer gefallen ist. Auch heute finde ich natürlich nicht alles super, aber das furchtbar schlechte Bild, das ich vor meinen Kindern immer hatte, ist einem viel versöhnlicheren gewichen.

Eine weitere, für viele sichtbare Veränderung ist meine große Liebe zu Barfußschuhen. Nachdem ich seit meiner Jugend immer mit Knieschmerzen zu kämpfen hatte, haben mir die Barfußschuhe schon nach wenigen Tagen zu Schmerzfreiheit verholfen. Hätte ich mich vor ein paar Jahren nicht mit den ersten Schuhen für meinen Kleinen beschäftigen müssen, wäre mir diese große Liebe vielleicht verborgen geblieben. Und das, obwohl ich schon immer gerne barfuß gelaufen bin.

Das Warum

Die Barfußschuhe sind ein Punkt von einer langen Liste an Dingen, die ich durch mein erstes Kind hinterfragt habe. Müssen es wirklich „Lauflernschuhe“ sein? Nur eine von unendlich vielen Fragen, die ich mir vor allem im ersten Jahr als Mutter gestellt habe. Warum sollte ich mein Baby nach 6 Monaten abstillen? Kann man ein Baby verwöhnen? Heißt bedürfnisorientierte Erziehung wirklich, dass es immer nur um das Baby/Kind geht?

Dieses kritische Hinterfragen von so vielen Themenbereichen ist vermutlich eine meiner größten Veränderungen. So viele Sachen, die ich noch während der Schwangerschaft ganz anders gesehen habe, sorgen heute eher für ein Lachen, wenn ich an meine Gedanken von „damals“ denke.

Auch wenn das Hinterfragen nicht immer zu den Lösungen führt, die vielleicht „mehrheitstauglich“ sind, geht es mir mit diesem Vorgehen so viel besser. Ich mache jetzt so viel mehr Dinge (nicht nur die Kinder betreffend), weil ich gute Gründe dafür habe und nicht „weil man das so macht“.

Das hat vor allem im ersten Babyjahr doch häufig noch zu Verunsicherung geführt, manchmal auch zu Unwohlsein oder dem Gefühl, mit verschiedenen Lösungen „allein“ zu sein. Nach über 3 Jahren als Mama hat es mich aber vor allem näher zu mir selbst gebracht, authentischer gemacht und dafür gesorgt, dass ich leichter lebe: Weniger abhängig von der Meinung anderer.

Vielleicht war es dieses Gefühl, mit Entscheidungen „allein“ zu sein, das zu einer weiteren, großen Veränderung geführt hat. Ich stecke Menschen nicht mehr so schnell in Schubladen, ich be- und verurteile weniger. Wie (vor-)schnell hatte ich früher eine Meinung, wie sehr habe ich verschiedene Dinge kategorisch abgelehnt und verurteilt. Ich bin wirklich sehr froh darüber, dass meine Kinder mir so unglaublich viel Offenheit und Toleranz mitgebracht haben. Es ist schön, sich andere Ansichten, Entscheidungen und Lebenswege anzuschauen. Manchmal kann man sogar ganz ungeahnt dort Inspiration finden, wo man sie gar nicht erwartet hat. Aber wie so viele Veränderungen ist auch diese eine, die Zeit braucht. Manchmal merke ich, dass ich doch noch in alte Muster und Denkweisen zurück falle. Aber das ist ok, ich denke, ich bin auf einem guten Weg.

Muttersein - Ich bleiben

Herz über Kopf

Bis zu meinem ersten Kind war ich Kopfmensch durch und durch. Schon während der Schwangerschaft hat sich dort eine Veränderung angekündigt. Plötzlich waren so viele Filme so viel trauriger, so viel emotionaler als ich es bis dahin kannte.

Und dieses Mehr an Gefühlen ist noch viel größer geworden, seit mein Sohn auf der Welt ist. Ich empfinde so viel mehr, so viel mehr Freude, Liebe, Angst (mein Gott, wie viele Sorgen kann man sich eigentlich schon um so einen kleinen Mensch machen? Und wie soll man die ersten nächtlichen Eskapaden in einigen Jahren dann erst überstehen?), Traurigkeit, alles. Diese stärkeren Gefühle sorgen auch dafür, dass ich mein Bauchgefühl jetzt viel deutlicher wahrnehme und ihm folge. Etwas fühlt sich schlecht an? Vermutlich sollte ich eine andere Lösung finden. Etwas fühlt sich wirklich gut an? Los, versuch es, es wird schon das Richtige sein.

Kenne dein Limit

Etwas, was sich mit dem Muttersein auch verändert hat, sind meine Grenzen. Auch diese spüre ich jetzt deutlicher. Die Auszeiten werden kürzer, die Fremdbestimmung so viel höher mit Kind. Dadurch merke ich viel schneller, wenn ich am Limit bin. Ich merke deutlicher, was Kraft raubt und was Kraft spendet und muss mich (für alle) mehr um die Einhaltung meiner Grenzen kümmern. Auch wenn das ein Prozess ist, der noch Verbesserungspotenzial hat, merke ich, dass mir diese Veränderung sehr gut tut.

Auch das ist ein Punkt, der mich näher zu mir selbst gebracht hat und mich nach so vielen Jahren zum Thema „Hochsensibilität“ geführt hat, was auch rückblickend so unglaublich viel für mich verändert hat. Ich kann mich jetzt so viel besser verstehen und konnte so viele Fragezeichen aus meiner Vergangenheit endlich erklären.

Dieses Setzen von Grenzen bzw. Wahren der selben hat mir auch geholfen, die Dinge in meinem Leben neu zu priorisieren. Das beginnt zum Beispiel damit, was im Haushalt wirklich zu tun ist und endet mit welchen Menschen ich mich gerne und viel umgeben möchte. Die Stunden, die ein Tag  mit Kindern zur Erledigung von Aufgaben hat, die Kraft, die nach vielen kurzen Nächten nicht in besonders großem Umfang vorhanden ist, haben dazu geführt, dass ich das Priorisieren relativ schnell lernen und somit auch einige alte Glaubenssätze über Board schmeißen musste.

Die Zeit mit den Kindern ist mir einfach so viel wichtiger als die meisten anderen Dinge, dazu möchte ich Zeit für mich haben und brauche diese auch für die Herausforderungen, die ein Alltag mit Kindern so mit sich bringt. So lebe ich mittlerweile also immer häufiger nach dem Motto : „Gute Mütter haben verstaubte Regale, schmutzige Fenster, volle Wäschekörbe und glückliche Kinder“. Denn ich bin überzeugt davon, dass sich kein Kind an immer saubere Böden erinnert, dafür aber sehr wohl an all die Situationen in denen es für eben solche zurückstecken musste. Und ganz davon abgesehen ist gut gesaugt ja auch quasi gewischt 😉

Vorbild sein

Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Kinder das machen werden, was wir ihnen vorleben und nicht das, was wir ihnen sagen. Deshalb haben sich auch ein paar Dinge geändert seit ich Mutter bin. Ich überlege schon, was ich für ein Vorbild sein möchte, was ich meinen Kindern vorleben möchte.

Dazu gehört, wenn es mir auch nicht immer gelingt und es mir oft schwer fällt, mehr auf die Ernährung zu achten, umweltbewusster und minimalistischer zu leben, Gefühle (alle!) zu akzeptieren und zeigen zu können.

Dieser Wunsch nach Veränderung brachte auch eine weitere, dafür notwendige Veränderung mit sich: Damit ich in verschiedenen Situationen nicht in alte Muster falle, die ich meinen Kindern nicht vorleben möchte, muss ich mich mit diesen Mustern und deren Herkunft beschäftigen. Ich muss mich also mit der Aufarbeitung meiner eigenen Kindheit beschäftigen. Ein Thema, dass vermutlich jeden weiter bringt, der bereit ist, sich vor allem den eher schmerzlichen Themen der eigenen Kindheit entgegen zu stellen.

Fazit

Ich glaube, ich habe in meinem bisherigen Leben von niemandem so viel gelernt, wie von meinem ersten Kind und ich bin mir sicher, dass ich auch in Zukunft von meinen beiden Kindern noch so unglaublich viel lernen werde.

In den letzten 3 Jahren bin ich mir so viel näher gekommen und habe so viel mehr Frieden mit mir geschlossen. Ich konnte so viele alte Glaubenssätze gehen lassen, die mich an verschiedenen Stellen so sehr eingeschränkt haben.

Ich bin in diesen 3 Jahren so viel flexibler geworden und dazu so müde und vergesslich. Und ich habe das Gefühl kennen gelernt mich gleichzeitig einsam und nicht genug allein zu fühlen.

Und nicht zuletzt habe ich durch das Muttersein meine Herzensangelegenheit, die Arbeit als Artgerecht-Coach gefunden.

Jetzt bin ich ganz gespannt, was sich bei dir geändert hat.

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