Unser Weg – Planung vs. Realität

In der Blogvorstellung habe ich ja bereits erwähnt, dass der Weg, den wir als Familie eingeschlagen haben, in der Realität ein ganz anderer war, als in der ursprünglichen Planung.  Und jetzt, nach fast einem Jahr als Mama schaue ich mit einem Lachen auf meinen damaligen „Plan“ zurück, den ich für die erste Zeit mit Baby hatte. Ja, was habe ich alles geplant… Und dann kam (zum Glück!) alles ganz anders.

Deshalb möchte ich dir hier erzählen, wie unser Weg aussah und was ich ursprünglich geplant habe, wie er aussehen sollte.Unser Weg - Planung vs. Realität

Der Plan

Ich denke, bis zum Beginn der Schwangerschaft hatte ich eine ziemlich „normale“, unserer Gesellschaft angepasste Vorstellung von dem Leben mit Baby. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mir gar keine oder nur wenig Gedanken über die einzelnen Themen gemacht habe, ich war ja auch nicht davon betroffen. Deshalb dachte ich, wir würden diesen Weg gehen:

Die Geburt

Die Geburt sollte in einem Krankenhaus stattfinden, so viel war klar. Die Frage war eigentlich nur, soll es eines mit vorhandener Kinderklinik sein, oder reicht auch eins ohne?! Immerhin will man ja im Notfall gut abgesichert sein. Dazu sollte es natürlich relativ nah gelegen sein. Und dann würde ich ein paar Tage da bleiben, hoffentlich in einem Familienzimmer, damit auch der Muckelpapa mit da bleiben kann. Dort würde ich auch alles “lernen”, was man für den Start mit Baby braucht: Stillen, Wickeln, Baden…

Ich wollte im Vorfeld zu einem Vorbereitungskurs gehen, wie genau der aussehen sollte, war mir aber eigentlich egal. Mir ging es nur darum, ein paar Sachen über die Geburt und die erste Zeit zu dritt zu erfahren. Sich wirklich auf die eigentliche Geburt vorbereiten zu können, erschien mir eh nicht möglich, da eine Geburt doch so vom Zufall gesteuert ist. Ob ich da alleine hin gehe oder mit dem Muckelpapa zusammen, war mir eigentlich auch egal, ebenso der Umfang und der Veranstalter des Kurses.

Stillen

Ja, Stillen wollte ich schon, falls es denn klappt. Denn es klappt ja so häufig nicht, wie man immer hört. Sollte es also bei mir auch nicht klappen, dann stille ich eben nicht. Und wenn es klappt, dann stille ich 6 Monate, bis das Baby Brei bekommt. Um vorbereitet zu sein, standen Fläschchen und Milchpulver schon vor der Geburt bereit, damit man im Notfall nicht erst alles besorgen muss.

Beikost

Nach 6 Monaten (spätestens) sollte das Baby Brei bekommen. Natürlich nach Plan – Ein Plan im Plan, wie wunderbar doch diese Vorstellung war, wo ich doch Pläne so gerne mag. Eine Mahlzeit nach der anderen ersetzt, erst feiner Brei, dann grober Brei, ein Lebensmittel nach dem anderen ausprobieren. Möglichst viel Brei selbst kochen, das hatte ich mir auch vorgenommen. Eigentlich war mir auch gar nicht bewusst, dass es überhaupt andere Möglichkeiten gibt.

Schnuller

Naja, eigentlich habe ich über dieses Thema bis zur Geburt gar nicht nachgedacht. Denn jedes Baby hat doch einen Schnuller, oder?! Wie soll man es denn sonst beruhigen? Der gehörte also zur Babygrundausstattung dazu und war schon in der (leider) frühzeitig gepackten Geburtstasche dabei. Die Frage im Vorfeld war eigentlich nur, welche Marke kaufe ich ein? Passend zu den Flaschen? Eine Sorte oder mehrere?

Babyschlaf

Solange ich stille soll das Baby in einem Beistellbett schlafen, damit ich nicht so oft aufstehen muss. Danach, mit spätestens 6 Monaten, zieht es dann in sein Bett, in sein Zimmer. Sonst werden wir es nachher gar nicht mehr los.

Außerdem soll es möglichst schnell alleine einschlafen (da gibt es doch im Zweifel auch so ein Programm, mit dem jedes Baby schlafen lernt), damit man nicht jeden Abend unnötig lange an seinem Bettchen sitzen muss. Und dann gewöhnt es sich daran vermutlich noch und man kann damit nie mehr aufhören.

Tragetuch

Für Sonderfälle und die Anfangszeit schaffen wir mal ein Tragetuch an, das stand fest. Zu viel getragen soll das Baby aber nicht werden, sonst verwöhnt man es ja direkt. Außerdem ist das ja auch anstrengend und nicht gut für den Rücken, dachte ich zumindest…

Habe ich eben noch gesagt, ich schaue mit einem Lachen auf den „Plan“ zurück?! Manchmal ist mir gar nicht nach Lachen zu Mute. Wenn ich dann darüber nachdenke, dann erschreckt es mich sogar. Mittlerweile frage ich mich, warum ich und so viele andere in der Gesellschaft auch eine solche Vorstellung von einem Leben mit Baby haben?

Realität

Das war also die Planung unseres Wegs, die Realität sah dann aber Schritt für Schritt doch ganz anders aus. Denn viele der Punkte auf meinem “Weg-Plan” haben irgendwann für ein schlechtes Bauchgefühl gesorgt. Erst nur ein Bisschen und dann immer stärker, je näher sie rückten. Und ich glaube, es geht vielen Müttern so. Ich habe dann auf das Gefühl gehört und nach Alternativen gesucht und relativ schnell auch die für uns passenden gefunden.

Deshalb sah unser Weg dann so aus:

Die Geburt

Wenn man mal schwanger ist, wird der Gedanke, wie das Baby wieder aus dem Bauch raus kommt, automatisch auch etwas konkreter als vor einer Schwangerschaft. Und je mehr ich mich damit beschäftigt habe, je mehr schlechte Dinge ich über Geburten gehört und gelesen habe und je größer meine Angst vor Nadeln und mein Nicht-Vertrauen in Ärzte wurde, umso deutlicher wurde die Vorstellung von einer anderen Geburt, einer ganz natürlichen, vielleicht sogar einer schönen.

So stand also irgendwann der neue Plan fest: Wir gehen zur Geburt ins Geburtshaus. Wir haben uns von den Geburtshaus-Hebammen schon während der Schwangerschaft und dann zur Geburt und auch im Wochenbett betreuen lassen.

Deshalb weiß ich jetzt auch, dass der Vorbereitungskurs wirklich eine Vorbereitung sein kann. Dass es aber eben doch auf den Inhalt und den Veranstalter ankommt. Und auch die Entscheidung, den Vorbereitungskurs zusammen zu machen, war für unseren neuen Weg eine sehr gute Entscheidung. Dieser Kurs war ein Wegweiser für viele der anderen Punkte auf unserem Weg.

Stillen

Das Stillen hat zum Glück von Anfang an gut geklappt, sodass ich direkt in den Genuss dieser einzigartigen Bindung gekommen bin. Heute weiß ich auch, dass es nur ganz wenige Frauen gibt, die wirklich nicht stillen können und es meistens an schlechter Betreuung und falscher Beratung liegt, wenn es nicht klappt. Deshalb würde ich mir, sollte ich noch einmal vor der Entscheidung stehen, im Zweifel auch eine gute Beratung (eine Stillberatung, keine Ärzte oder Hebammen) holen, um das Stillen auch mit schwierigem Start hin zu bekommen, bzw. wenigstens alles dafür versucht zu haben. Genauso würde ich auch keine Fläschchen mehr anschaffen, um im Zweifel stillfreundlich zufüttern (Artikel von Still-Lexikon.de) zu können.

Und je näher die 6 Monate gerückt sind, umso schlechter hat sich das Gefühl angefühlt, dann aufzuhören. Was genau mache ich denn dann? Mein Baby wird ja nicht von heute auf morgen von seinem Brei satt?! Was soll ich ihm dann geben? Folgemilch, obwohl ich ihn auch weiter stillen könnte?! Und was ist eigentlich für ein Baby normal? Wie lange möchte ein Baby gestillt werden?

Tja und nachdem ich mich aufgrund des schlechten Gefühls dann mal richtig informiert habe, stand irgendwann auch fest, nach 6 Monaten ist mal definitiv nicht Schluss. Auch jetzt stille ich noch. Und wie lange noch? Mal schauen, ich mache keinen neuen Plan dazu.

Beikost

Je näher die Beikost-Start-Zeit kam, umso mehr Gedanken habe ich mir auch über dieses Thema gemacht. Irgendwie erschien es mir nicht logisch, dass alle Babys zur selben Zeit (nach Hipp und Co. am besten ab dem 4. Monat) mit Brei beginnen sollten. Wenn Babys sich so unterschiedlich entwickeln, manche früh krabbeln oder sprechen und andere spät, warum sollten dann alle zur selben Zeit bereit sein, zu Essen? Und das, wenn sie vielleicht nicht einmal ansatzweise sitzen können? Dann bin ich über die Reifezeichen (Artikel von breifreibaby.de) gestolpert und fand darin eine gute Erklärung für mein schlechtes Gefühl und eine Bestärkung darin, so lange zu warten, bis der Muckel diese Reifezeichen erfüllt. Egal, wann das sein mag.

Dann stand aber immer noch das Thema Brei im Raum. Ich esse selbst so gerne, probiere alles aus und finde, dass Essen mit all seinen Details (Farben, Konsistenzen, Gerüchen und natürlich Geschmäckern) etwas ganz wunderbares ist. Warum sollte ich also dem Muckel einige dieser Details vorenthalten und dazu noch für ihn immer extra kochen, statt vielleicht gemeinsam zu essen? Und warum sollte ich ihn füttern, ihm eventuell sogar Essen aufdrängen, damit er eine gewisse Menge isst, wenn er doch bisher beim Stillen auch selbst entschieden hat, wann er isst und wie viel? Und dann kam auch da “mein” passender Weg – Baby-Led Weaning (BLW). Das war genau das, wonach ich gesucht habe: Breifreie Beikosteinführung, geleitet durch das Baby.

Und wir haben alle so großen Spaß daran. Onkel Hipp hat bisher an uns nichts verdient und wir essen von Anfang an gemeinsam und zwar alles (bis auf ganz wenige Ausnahmen).

Schnuller

Wir haben Schnuller Zuhause, genauso wie die Fläschchen – alles ungenutzt im Schrank. Kurz vor der Geburt kam zum ersten Mal das Thema “Saugverwirrung” (Beitrag von gewuenschtestes-wunschkind.de) auf. Theoretisch verursacht durch den Schnuller oder ein Fläschchen und dann klappt eventuell das Stillen nicht mehr. Das wollte ich auf keinen Fall riskieren. Zumindest nicht in den ersten Wochen. Und während dieser Zeit haben wir uns irgendwann gefragt, wofür wir den Schnuller in dieser Zeit überhaupt gebraucht hätten?! Wenn das Baby geweint hat, konnte man es durch Stillen oder Tragen beruhigen und Trösten. Eigentlich gab es keinen Moment, in dem wir einen Schnuller vermisst haben. Und das heißt nicht, dass der Muckel nie gejammert oder geweint hat. Aber ganz ehrlich, Menschen, die einem den halben Tag irgendeinen Mist ins Ohr drücken, die kann man auch nicht einfach ruhigstellen. Und wenn dann mein Baby einen Grund hat, seinen Unmut kund zu tun, dann stört mich das tatsächlich deutlich weniger, meist gar nicht. Wobei sich das Gejammer und Geschrei tatsächlich auch sehr in Grenzen gehalten hat.

Babyschlaf

Mittlerweile sieht es bei uns so aus, dass das Kinderbett umgebaut als Erweiterung an unserem Bett steht, nachdem der Muckel für das kleine Beistellbett längst viel zu groß ist (das hätten wir nie gebraucht). Das Familienbett erleichtert mir die oft anstrengenden Nächte enorm und der Muckel bekommt die Nähe, die er braucht.

Und er muss nicht alleine einschlafen, nie und schon gar nicht dadurch, dass er sich alleine in den Schlaf weint oder schreit. Diese Vorstellung finde ich mittlerweile auch unvorstellbar. Wir begleiten ihn beim Einschlafen, weil Babys eben nicht dafür gemacht sind, einfach alleine einzuschlafen (Artikel von kinder-verstehen.de). Und diese Begleitung bekommt er, solange er sie braucht. Er wird irgendwann groß genug sein und alleine einschlafen und dann werde ich bestimmt die Zeit vermissen, in der er sich abends an mich kuschelt, um einzuschlafen.

Tragetuch

Das Tragetuch ist zu einem unserer wichtigsten Alltagsgegenstände geworden. Vor allem in der Anfangszeit war es ein täglicher Begleiter, der durch nichts zu ersetzen war. Es ist uns so wichtig, dass ich ihm einen eigenen Beitrag gewidmet habe. Und ich bin mir ganz sicher, dass es auch noch eine ganze Weile unser Begleiter bleiben wird.

Und warum berichte ich dir von unserem Weg, von seiner Planung und der Realität? Nein, nicht, weil ich denke, dass es der richtige Weg für alle Mütter und Familien ist. Das ist er definitiv nicht, es ist einfach unser Weg. Aber ich möchte dich motivieren, offen zu sein, für das was kommt. Halte nicht an Plänen fest, die ein schlechtes Gefühl verursachen. Schaue nach den Alternativen, die zu euch passen und stehe dir dabei nicht selbst im Weg.

Generell bin ich mittlerweile davon überzeugt, dass wir in unserer Gesellschaft einfach eine unnötig große und auch nicht gerechtfertigte Angst davor haben, ein Baby zu verwöhnen. Ein so kleines Wesen, das doch so sehr auf uns angewiesen ist, das ganz viel lernt und viele Fähigkeiten im Gepäck hat und an anderer Stelle einfach unsere Unterstützung braucht und das eben über einen längeren Zeitraum. Und was soll passieren? Dass ein Kind mit 18 noch im Elternbett schläft, es dann morgens noch gestillt werden möchte und anschließend erwartet, zur Schule getragen zu werden? Ich glaube nicht. Aber ich habe natürlich keine Erfahrung, ich berichte dann in 17 Jahren davon…

Welche Themen unseres Weges interessieren dich am meisten? Und wie ging es dir? Hast bzw. hattest du auch einen Plan? Hast du ihn auch genau so umgesetzt? Oder hat dich dein Gefühl auch zu einem anderen Weg geleitet? Oder war es gar nicht dein Gefühl sondern die Ratschläge von anderen?

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