Warum du dich auf die Geburt vorbereiten solltest

Ja, ich hatte eine selbstbestimmte Geburt, eine wie aus einem Bilderbuch, wie aus diesen Berichten oder Büchern, an die man gerne glauben möchte, die man aber für entweder zu esoterisch oder einfach gelogen hält, weil man viel zu viel Schlechtes hört. Deshalb möchte ich dir erzählen, warum auch du dich auf deine Geburt vorbereiten solltest.

Und ja, ich glaube, dass ich mit der Geburt des kleinen Muckels auch Glück hatte. Aber eben nicht nur Glück. So einfach ist es dann doch nicht. Es war auch Arbeit. Arbeit im Vorfeld, um sich zu informieren, sich darauf einzulassen, einen Teil der Verantwortung selbst zu übernehmen, den Vorurteilen stand zu halten und am Ende Arbeit, um zu „gebären“ statt sich „entbinden zu lassen“. Es hat Mut gekostet gegen die Vorurteile anzukämpfen, all die schlechten Geschichten auszublenden, die man immer hört, sich aktiv dafür zu entscheiden, dass es z.B. keine Schmerzmittel geben wird und man nach ein paar Stunden schon mit dem Baby „allein“ dasteht. Und das alles war eigentlich gar nicht typisch für mich.

Aber es hat sich gelohnt, es hat sich mehr gelohnt als jede andere Entscheidung zuvor. Deshalb möchte ich auch dich ermutigen, dir Gedanken über deine selbstbestimmte Geburt zu machen, auch wenn diese ganz anders aussehen kann und wird als meine. Denn bei 90% aller Geburten werden routinemäßige Interventionen durchgeführt, die meistens nicht notwendig und vor allem von der Mutter nicht gewünscht sind.

Warum du dich auf deine Geburt vorbereiten solltest

Geburt als besonderer Moment

Besondere Ereignisse planen wir meist lange im Voraus und sehr gründlich, damit sie auch besonders schön werden. So zum Beispiel Hochzeiten, runde Geburtstage, Taufen oder die Party nach einer bestandenen Prüfung. Besondere Momente sollen eben in besonders guter Erinnerung bleiben, weil man sie nicht wiederholen kann.

Ist eine Geburt nicht auch ein solcher Moment? Einer, den man nur wenige Male, vielleicht sogar nur ein Mal im Leben erlebt? Warum ist es dann für viele Frauen ganz normal, diesen Moment einfach über sich ergehen zu lassen? Warum wird die Geburt oft als notwendiges Übel am Ende der Schwangerschaft gesehen, das nur damit belohnt wird, dann endlich das Baby im Arm zu halten?  Oft habe ich Sätze gehört wie „Hauptsache das Kind ist nachher gesund“ oder „Wenn du das Baby im Arm hälst, ist das alles vergessen“.

Da stellt sich doch die Frage, warum sehen wir das so?  Und was ist, wenn dann nicht alles vergessen ist? Wenn man sich noch Monate oder sogar Jahre lang mit großem Schmerz an die Geburt zurück erinnert. Sollte das Ziel nicht sein, dass wir dieses Erlebnis auch in guter Erinnerung halten? Dass wir uns sogar darauf freuen und nicht nur große Angst davor haben?

Ein kleiner Vergleich…

Ich habe irgendwann während der Schwangerschaft einmal irgendeinen Bericht gelesen, in dem es auch um positives Erleben einer Geburt ging. Da dachte ich noch, wie schön es doch wäre, wenn so etwas wirklich möglich sein könnte. Und darin war die Geburt eher mit der Besteigung eines sehr hohen Berges verglichen. Mittlerweile finde ich diesen Vergleich irgendwie passend. Wenn ein Bergsteiger sehr lange für diese Besteigung trainiert und monatelang Vorbereitungen trifft, dann würde er doch am Ende die Tour selbst nicht am liebsten Überspringen. Und auch wenn diese Tour sehr anstrengend und Kräfte zehrend werden wird, wenn sie bestimmt den ein oder anderen Schmerz verursacht und viele ungeplante Ereignisse eintreten können, wird das doch sein Ziel sein. Etwas, dem er entgegen fiebert und etwas, auf das er danach sehr stolz ist, dass ihn rückblickend mit Freude erfüllt. Und ich glaube wirklich, dass das mit einer Geburt vergleichbar ist.

Natürlich ist eine gute, selbstbestimmte Geburt leider nicht jedem gegönnt, aber die meisten Frauen gehen einfach davon aus, dass „das eben so ist“. Und tatsächlich verlaufen viele Geburten dann auch schlecht, aber nicht, weil es im Normalfall so ist, sondern weil zu viele unnötige Eingriffe darauf hin wirken, dass es schlecht wird.

Warum du den perfekten Moment planen solltest

An dieser Stelle vielleicht noch einmal der Vergleich mit der Hochzeit… Selbst wenn vermutlich auch die meisten Hochzeiten nicht perfekt verlaufen, werden sie mit viel Energie und Vorfreude geplant. Dann liegen aber trotzdem die falschen Servietten auf dem Tisch, das Wetter spielt nicht mit, das Essen ist nur lauwarm, der DJ wird krank oder oder oder. Vermutlich können fast alle Ehepaare von einem solchen Erlebnis berichten und doch versucht jedes Paar wieder, die „perfekte“ Hochzeit zu planen und freut sich auch darauf und das auch noch, obwohl so viele Ehen geschieden werden und man weiß, dass man sich auf etwas schwieriges einlässt. Aber man glaubt, man schafft es.

Und was hat das mit Geburt zu tun? Ganz viel. Denn auch hier sollte man den perfekten Moment planen. Ob es nachher so kommt, das weiß man natürlich nicht. Aber wie soll jemand die „richtigen“ Servietten auf den Tisch legen, wenn er nicht einmal eure Lieblingsfarbe kennt. Weißt du, was ich meine? Wenn man nichts plant, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass es eben gar nicht so wird, wie man sich selbst das alles vorstellt. Man muss informiert sein, um zu wissen, was geht und was nicht. Und die anderen müssen informiert sein, um zu wissen, was gewünscht ist und was nicht. Und wenn man unbedingt guten Wein servieren will, dann ist vielleicht ein Brauhaus die falsche Location. Dafür muss man aber wissen, dass der Winzer nebenan auch Hochzeiten ausrichtet.

Was ist dir wichtig?

Der Trend geht dahin, Kinder bedürfnisorientiert zu erziehen. Ich glaube, Bedürfnisorientierung beginnt schon in der Schwangerschaft. Du solltest entscheiden, was dir wichtig ist und versuchen das auch umzusetzen.

Man kann den Verlauf nicht vorhersehen und deshalb auch nicht alles umsetzen, aber wenn man den „Plan“ nicht mal im Kopf hat und auch niemand davon weiß, dann wird es noch unwahrscheinlicher, dass es so passiert. Würde man doch bei einer Hochzeit auch direkt so sehen, oder?

Auch hier ist wieder dein Bauchgefühl sehr wichtig. Wenn du über die Geburt nachdenkst, was gibt dir ein gutes Gefühl, was ein schlechtes? Versuche für die schlechten Gefühle Alternativen zu finden.

Worüber du dich informieren solltest

Dafür ist es wichtig, sich frühzeitig zu informieren, welche Möglichkeiten man hat. Ich empfehle dir also, dich über folgendes zu informieren:

  • den Ablauf einer Geburt (Wann passiert was und warum? Was kann in welcher Phase der Geburt helfen? Welche Probleme können wann und warum auftreten?)
  • mögliche Geburtsorte (Und damit meine ich nicht nur die verschiedenen Krankenhäuser in deiner Nähe, natürlich ist eine Geburt im Geburtshaus oder gar Zuhause nicht für jeden etwas, aber das kann man besser entscheiden, wenn man sich einmal informiert hat)
  • mögliche Begleitpersonen (Klar, bei den meisten steht hier an erster und einziger Stelle der Partner, aber es gibt auch Beleghebammen, die dich begleiten oder Doulas, die dir bei der Geburt unterstützend zur Seite stehen)
  • Möglichkeiten der Entspannung (das hängt natürlich viel von dir selbst ab, aber auch hier macht es Sinn, im Vorfeld vielleicht ein paar neue Optionen zu testen, denn Entspannung ist unglaublich hilfreich für eine gute Geburt)
  • mögliche Geburtshilfen (Auch das sind Themen für einen guten Vorbereitungskurs: welche Geburtspositionen gibt es, welche Hilfsmittel und welche Formen der Schmerzlinderung sind möglich, was sind die Vor- und Nachteile davon)
  • potenzielle Eingriffe (Welche Eingriffe sind generell möglich, auf deren Umsetzung man Einfluss hat? Und würdest du diese Eingriffe dulden oder eher nicht? z. B. Einlauf, Dammschnitt usw.)
  • Optionen für die Zeit nach der Geburt (Ist eine ambulante Geburt gewünscht und möglich oder lieber ein stationärer Aufenthalt? Soll der Partner mit da bleiben oder nicht? Möchtest du stillen oder nicht?)

Das sind jetzt viele Themen, ich weiß, du musst da auch kein Studium draus machen und das ein oder andere Thema steht für dich bestimmt sehr schnell fest. Aber nutze etwas der Zeit in der Schwangerschaft, um dich vorzubereiten.

So kannst du dich vorbereiten

Damit dir die Entscheidungen leichter fallen, könntest du folgendes machen:

Geburtsvorbereitungskurs

Melde dich zu einem Geburtsvorbereitungskurs an. Ich empfehle lieber einen etwas längeren als den kurzen Crashkurs, den man einfach nur schnell hinter sich bringen möchte. Es lohnt sich wirklich, über viele Themen zu sprechen und in einem umfangreicheren Kurs können einfach mehr Themen besprochen werden, als in einem kurzen Kurs. Ich empfehle auch den Partner mitzunehmen, da auch er ein paar Informationen gut gebrauchen kann. Vor allem, wenn er dir während der Geburt und der Zeit danach den Rücken stärken soll, ist es wichtig, dass auch er weiß, was passiert. Wenn sich der Kurs über mehrere Wochen erstreckt hast du auch Zeit, verschiedene Punkte einmal sacken zu lassen. Du kannst darüber schlafen und sie auf dich wirken lassen. Bei Fragen kannst du noch einmal nachhaken. Und verschiedene Sachen werden vielleicht einfach noch einmal wiederholt. Auch wenn das zuerst einmal nicht sinnvoll oder sogar als Zeitverschwendung scheinen mag, ist es doch ein Vorteil für dich, weil Dinge, die man häufiger hört, sich besser verinnerlichen.

Bauchgefühl

Höre auf jeden Fall auf dein Herz und dein Bauchgefühl. Wenn du denkst, eine Hausgeburt wäre etwas ganz tolles, ganz natürliches, du kannst aber Nächte lang nicht schlafen, weil dann kein Arzt anwesend ist, dann ist das vielleicht einfach nicht die richtige Lösung für dich. Suche bei den Dingen, die dir Sorgen bereiten nach Alternativen, die sich besser anfühlen.

Fachmännische Unterstützung

Suche dir frühzeitig eine Hebamme. Viele halten Hebammen für überflüssig, oder zumindest nicht so wichtig. Das ist sehr schade, denn Hebammen sind meistens unglaublich gute Schwangerschafts- und Geburtsbegleiter. Sie können dich schon während der Schwangerschaft beraten und dir bei deinen Entscheidungen helfen, selbst wenn sie während der Geburt dann nicht anwesend sein sollten. Sie können helfen, dir Ängste und Sorgen zu nehmen und dich über selbstbestimmte, natürliche Geburten aufzuklären.

Wenn du stillen möchtest, kann es auch Sinn machen, sich im Vorfeld schon mal an eine Stillberaterin zu wenden, da Hebammen oft, vor allem, wenn es zu Stillproblemen kommt, nicht die richtigen Fachleute sind.

Geburtsplan

Erstelle einen Geburtsplan, den du mit ins Krankenhaus nehmen kannst. Besprich ihn frühzeitig mit deinem Partner, damit auch er weiß, was du dir wünschst und was vermieden werden sollte. Hier ist ein Beispiel für einen solchen Plan, damit du eine bessere Vorstellung davon hast.

Positiv beeinflussen

Höre dir positive Geburtsberichte an oder lies sie. Denn so wie negative Geschichten dich beeinflussen, so können es eben auch die guten Geschichten. Sie können einige der negativen, angsteinflößenden Berichte, die du vermutlich schon verinnerlicht hast verdrängen. Und eine gute Einstellung ist ein großer Schritt in Richtung schöne, selbstbestimmte Geburt.

Welche Vorteile dir eine selbstbestimmte Geburt bringt

Ich bin davon überzeugt, dass der Start euren gesamten Weg bestimmt. Das heißt nicht, dass der Weg dadurch allein festgelegt ist und man daran anschließend nichts mehr ändern kann, aber er ist eben doch in die ein oder andere Richtung angedeutet. Deshalb solltest du versuchen den Weg in die Richtung zu bringen, die du dir wünschst.

Dazu ist die Geburt eines Kindes ein sehr prägendes und seltenes Ereignis in deinem Leben. Es ist ein Ereignis, dass dir ein neues Bild von dir selbst verschaffen kann. Du wirst überrascht sein, zu welcher Leistung du fähig bist. Du kannst stolz auf dich sein, wenn du versuchst, an der Geburt mitzuwirken. Und deine eigene Einstellung wird eine große Auswirkung auf den Geburtsprozess haben. Wenn du also informiert bist und du dich gut fühlst, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass auch alles gut wird. Wenn du vorher schon Angst hast, du dich allein und hilflos fühlst, wird sich diese Angst vermutlich auch bemerkbar machen.

Auch für deinen Partner ist es schön, wenn er mit einbezogen wird. Oft berichten Männer davon, dass sie gar nichts tun konnten, dass sie es kaum ertragen haben, ihre Frau so leiden zu sehen, zu sehen, wie sie anderen ausgeliefert ist.

Und falls es dann trotzdem nicht so läuft, wie geplant, versuche flexibel zu sein. Vielleicht wird es dann doch nicht die Wannengeburt, die du dir so gewünscht hast und trotzdem eine tolle Erfahrung. Und ganz vielleicht, ja zu einem geringen Prozentsatz wird es überhaupt gar nicht die Geburt, von der du geträumt hast. Dann ist das sehr schlimm, weil alles so anders war als erhofft. Aber was dir dann trotzdem bleibt ist, dass du alles dafür getan hast, dass es gut wird. Dass du dir nicht lange Vorwürfe dafür machst, dass du nicht vorbereitet warst. Und auch wenn das nach wenig klingt, ist es doch viel Wert.

Fazit

Jetzt sollte also klar sein, warum du deine Chance nutzen solltest, die Geburt vorbereiten zu können, auf die man so lange hinfiebert. Einen großen Anteil an der Geburt hat nämlich die eigene Einstellung und dein direktes Umfeld. Deshalb sollte man sich nicht einfach passiv an der Krankenhaustür in fremde Hände übergeben und geschehen lassen, was eben „geschehen muss“. Natürlich ist nicht immer alles möglich und leider wird auch nicht jede Geburt ohne Komplikationen oder Eingriffe ablaufen, egal, wie gut du dich vorbereitest. Dann bist du auf die angewiesen, die dich betreuen, die dir helfen, dein Baby endlich in den Armen zu halten. Und genau deshalb solltest du vorher so gut wie möglich auswählen, wer das sein soll.

Also lege los, plane deine Geburt wie eine Hochzeit und glaube daran, dass du es schaffen kannst, dass ihr es zusammen schaffen könnt.

Hast du dir im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, was du wolltest? Wenn ja, zu welchen Themen und was ist daraus geworden? Hat es sich gelohnt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.