Welche Vorteile das Stillen hat

Stillen ist die natürlichste Art, dein Baby zu ernähren. Dazu ist es eine ganz einzigartige Beziehung zwischen Mutter und Kind, die für beide viel Gutes bringt. Deshalb möchte ich dir in diesem Artikel beschreiben, welche Vorteile das Stillen für beide Seiten hat.

Aber auch hier ist es so, dass das Thema zu deinem Weg passen sollte. Wenn du das Gefühl hast, dass das nichts für euch ist, oder du es ausprobierst und dann feststellst, dass es sich nicht gut anfühlt, dann ist das vollkommen in Ordnung und sollte genauso wenig verurteilt werden wie z. B. langes Stillen.

Ich glaube aber auch, dass die Entscheidung für das Stillen oder eben dagegen oft von äußeren Einflüssen, wie Familie oder Freundeskreis oder der Empfehlung von vermeintlichem „Fachpersonal“ abhängig ist und mehr Mütter den Mut zum Stillen hätten, wenn sie gut informiert und betreut wären.

Wenn du also stillen möchtest, du noch schwankst oder du einfach mehr Informationen über das Thema haben möchtest, dann schau dir die Vorteile an, die das Stillen für das Baby und dich hat.

Welche Vorteile Stillen für dein Baby hat

Es gibt sehr viele Vorteile für dein Baby, deshalb beschreibe ich dir hier die wichtigsten:

Optimale Zusammensetzung

Die Muttermilch entspricht in ihrer Zusammensetzung immer den Bedürfnissen des Kindes. Sie hat sich über Jahrtausende perfekt entwickelt. So gut, dass es bislang keinem Milchpulverhersteller gelungen ist, die Zusammensetzung exakt nachzustellen. Die Zusammensetzung der Milch (Linksammlung von stillkinder.de) ändert sich auch häufig. Sie passt sich zum Beispiel dem Alter, dem Geschlecht des Babys oder den Lebensumständen der Mutter an. So erhält dein Kind immer alle Vitamine, Immun- und Abwehrstoffe, die es gerade benötigt.

Die Muttermilch besteht zu einem Großteil aus Wasser. Dadurch reguliert sie nicht nur den Energie- sondern auch den Wasserhaushalt des Babys. Zusätzliche Flüssigkeitsgabe ist also bei ausschließlichem Stillen nicht notwendig. Zudem ist die Milch leicht verdaulich und es ist nicht möglich ein Baby mit Muttermilch zu übersättigen. Denn man kann ein Baby nicht zwingen an der Brust zu trinken. Es wird immer nur dann Milch trinken, wenn es wirklich Bedarf hat. Mit Flaschen hingegen kann man, wenn man nicht auf die Signale des Babys hört, den Saugreflex auslösen und somit über den eigentlichen Hunger hinaus füttern.

Darüber hinaus hat die Milch bei Bedarf immer die richtige Temperatur und steht in der richtigen Menge zur Verfügung, sodass dein Baby nicht auf sein Essen warten muss und somit zufriedener ist.

Schutz

Verschiedene Studien, die sich mit der Frage, welche Vorteile Stillen hat, beschäftigen, haben bewiesen, dass es für das Immunsystem des Babys deutliche Vorteile gibt. Muttermilch schützt vor Infektionen und Krankheiten, denn sie enthält Abwehrstoffe und sogar Immunstoffe von manchen der Mutter durchlebten Krankheiten. So erkranken voll gestillte Kinder seltener an Atemwegsinfekten, Magen-Darminfekten, Asthma, Ekzemen, Mittelohrentzündungen oder späterem Übergewicht. Auch das Allergierisiko ist bei Stillbabys geringer.

Erkrankt das Baby doch mal an einem Keim, hat das Stillen auch hier einen Vorteil. Der Keim überträgt sich beim Saugen auf die Brustwarze der Mutter. So kann er von der Mutter aufgenommen werden, um die Produktion von Antikörpern anzustoßen. Diese werden anschließend über die Milch wieder an das Kind zurück gegeben, sodass Infekte häufig deutlich abgeschwächt werden.

Sogar vor dem plötzlichen Kindstod schützt das Stillen in gewissem Maße. Gestillte Kinder wachen nachts häufiger auf, was dazu führt, dass seltener Atemstillstände auftreten, die zum Kindstod führen. Eine australische Studie zu dem Thema belegte, dass Stillen (ganz oder teilweise) bis zum 4. Monat die Wahrscheinlichkeit um 40% senkt. Das Stillen bis zum 6. Monat reduziert das Risiko sogar um 60% und Stillen darüber hinaus sogar um bis zu 74%.

Bessere Entwicklung

Stillen wirkt sich positiv auf die emotionale Bindung deines Kindes aus. Babys brauchen Halt und das Gefühl von Sicherheit. Kaum etwas kann einem Neugeborenen dieses Gefühl so gut vermitteln, wie der Akt des Stillens. Dazu tragen unter anderem der direkte Körper- und Blickkontakt und das Hormon Oxytocin bei. Es wird beim Stillen ausgeschüttet. Dieses Hormon wird nicht umsonst Liebeshormon genannt. Es sorgt dafür, dass das Baby entspannt und zufrieden ist.

Stillen ist also mehr als nur Nahrungsaufnahme. Babys beruhigen sich schneller und fühlen sich dadurch geborgen. Sie können ihr Urvertrauen entfalten und noch einmal mit allen Sinnen die Einheit mit ihrer Mutter erleben, die sie während der gesamten Schwangerschaft erlebt haben.

Auch für die geistige Entwicklung deines Kindes ist das Stillen gut. Erfolgt das Stillen nach Bedarf, so haben Forscher herausgefunden, beinflusst Muttermilch die Gehirnentwicklung positiv. So haben gestillte Kinder in Studien durchschnittlich einen höheren IQ und häufiger akademische Abschlüsse erreicht, als die nicht gestillten Vergleichskinder.

Welche Vorteile Stillen für die Mutter hat

Die meisten Mütter stillen vermutlich hauptsächlich zum Wohle des Kindes. Aber diese einzigartige Beziehung zwischen Mutter und Kind hat auch viele Vorteile für die Mutter, die sich zum Teil auch langfristig auswirken.

Welche Vorteile das Stillen für das Baby hat

Bindungsfördernd

Nicht nur für dein Kind ist Stillen bindungsfördernd. Auch du wirst schneller eine feste und sehr liebevolle Bindung zu deinem Baby aufbauen. Dazu trägt der direkte Körperkontakt, das Hormon Oxytocin und auch der direkte Blickkontakt zwischen euch bei. Oxytocin ist ein natürlicher Schutz für Mütter. Es wirkt entspannend, sodass die Mutter ein niedrigeres Stressniveau hat. Dies ist vor allem hilfreich zur Bewältigung der anstrengenden Nächte mit Baby und den häufig nicht weniger anstrengenden Tagen. Dabei hilft auch Prolaktin, das ausgeschüttet wird. Eine Höhere Menge dieses Hormons bewirkt, dass das individuelle Schlafbedürfnis sinkt. So wird der Schlafentzug als weniger anstrengend empfunden. Studien bewiesen dazu passend, dass stillende Mütter geduldiger, sensibler und entspannter auf schreiende Babys reagierten als die Mütter, die ihre Babys mit der Flasche füttern.

Gesundheitsfördernd

Das Stillen hat auch für dich verschiedene gesundheitliche Vorteile. Nach der Geburt bildet sich die Gebärmutter besser zurück. Dadurch erleiden stillende Frauen einen geringeren Blutverlust und seltener Infektionen im Wochenbett.

Verschiedene Studien haben bewiesen, dass Stillen zu niedrigerem Risiko führt, später an Gebärmutter-, Brust oder Eierstockkrebs zu erkranken. Ebenso ist das Risiko für Osteoporose, Bluthochdruck, Herzinfarkte und Depressionen gesenkt.

Die Fettreserven schmelzen schneller, da das Stillen ca 500 kcal pro Tag verbraucht.

Praktisch

Stillen ist einfach praktisch. Man hat die Milch immer dabei, sie hat die richtige Temperatur und Menge für das Baby. So muss nichts angerührt oder aufgewärmt werden. Dadurch ist Stillen zu jeder Zeit an jedem Ort möglich.

Zudem spart man Zeit bei der Zubereitung der Milch oder der Reinigung der Flaschen und Geld für dieses Zubehör und das Milchpulver.

Und sollte das Baby einmal krank sein oder sich in einer Phase befinden, in der es nicht viel oder gar nichts anderes Essen möchte, so kann man dann einfach mit ein paar zusätzlichen kuscheligen Stillmahlzeiten aushelfen.

Verhütung

Ja, jetzt sehe ich schon einige aufschreien „das ist doch nur ein Ammenmärchen“. Aber nein, Stillen ist eine sichere Verhütungsmethode, wenn es „richtig“ gemacht wird. Heute stillen jedoch die meisten Frauen nicht nach den „natürlichen“ Regeln. Deshalb gehen viele davon aus, dass es sich bei dem Thema „Stillen als Verhütung“ um einen alten Irrglauben handelt.

Die Methode nennt sich Laktationsamenorrhoe-Methode (LAM). Die Bezeichnung kommt von Stillen (Laktation) und Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe). Diese komplizierte Bezeichnung beschreibt eigentlich nur einen guten Sicherheitsmechanismus der Natur. Dieser verhindert, dass eine Frau wieder schwanger wird, während sie sich dringend um ihr Baby kümmern muss.

Richtig umgesetzt ist die Methode mit einem Pearl-Index von 2 genau so sicher wie moderne Verhütungsmethoden.

Zu den einzuhaltenden Regeln zählen folgende:

    • Das Baby wird von Geburt an voll gestillt. Es erhält NUR Muttermilch (kein Wasser oder Tee, keine Pulvermilch, keine Beikost).
    • Das Baby wird nach Bedarf gestillt. Dabei gibt es tagsüber keine längeren Pausen als 4 Stunden und nachts keine längeren als 6 Stunden. Die Gesamtdauer des Saugens beträgt mindestens 65 Minuten.
    • Das Baby saugt nur an der Brust. Es gibt keine abgepumpte Milch, kein Fläschchen, keinen Schnuller, keine Stillhütchen.
    • Das Baby ist nicht älter als 6 Monate.
    • Die Mutter hatte noch keine Menstruation.

Fazit

Nun habe ich dir beschrieben, welche Vorteile das Stillen hat. Ob das etwas für dich ist, musst du aber natürlich selbst entscheiden. Höre da, wie bei allem anderen auch, auf dein Gefühl. Dann wirst du die richtige Entscheidung treffen.

Einige der Vorteile, vor allem der gesundheitsfördernden treten nachweislich erst dann auf, wenn mindestens 4, häufig sogar 6 Monate ausschließlich gestillt wird. Es empfiehlt sich also, das „Fläschchen“ zwischendurch zu überdenken.

Auch ist Stillen nach Bedarf eine häufige Voraussetzung, deshalb erhält dieses Thema im nächsten Artikel besondere Aufmerksamkeit.

Wie denkst du denn über das Stillen? Möchtest du stillen? Oder stillst du schon bzw. noch? Wie hast du dich dafür oder dagegen entschieden? Und fallen dir noch mehr Vorteile ein, die ich noch nicht erwähnt habe?

 

 

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