Wenn’s mal wieder länger dauert – Wie dir die Einschlafbegleitung leichter fällt

Einschlafbegleitung – Etwas, wovon ich kinderlos noch dachte, das kommt mir nicht ins Haus. Jeden Abend Tag für Tag warten, bis das Kind schläft? Nein, ich wollte doch irgendwann Feierabend haben und „sowas“ gar nicht erst zur Gewohnheit werden lassen. Und dann? Dann kam dieses kleine Baby, dass so sehr jemanden brauchte, der es in den Schlaf begleitete. Ein Baby, das mir so deutlich zeigte, wie das abends funktionieren wird und wie nicht. Und so änderte sich auch ganz bald meine Vorstellung davon, was abends wichtig ist, wie ich meinem Kind begegnen möchte.

Ich begleite jetzt also seit über 3 Jahren abends in den Schlaf, erst ein Kind, mittlerweile zwei. Und ich habe viele Abende damit verbracht, zu hadern, zu warten, dass das Kind doch endlich schläft, habe versucht, mich (vergeblich) aus dem Zimmer zu schleichen und habe so viel über das Schlafen und Begleiten gelernt, dass ich dich daran teilhaben lassen möchte. Vielleicht kannst du so von meiner Erfahrung profitieren.

Ich beziehe mich bei den meisten Textteilen auf die Begleitung von Babys am Abend. Die allermeisten Punkte sind aber genau so auf den Mittagsschlaf oder die Begleitung von Kleinkindern zu übertragen.

Warum Einschlafbegleitung?

Viele Babys zeigen ganz deutlich, dass sie ohne die Begleitung eines geliebten Menschen nicht oder nur sehr schlecht in den Schlaf finden. Viele Eltern stellen also sehr bald fest, dass das Baby am liebsten stillend, im Arm der Mutter oder kuschelnd in der Trage bei Papa einschläft. Und dann kommt schnell die Frage auf: Dürfen wir unser Baby so verwöhnen? Ist es gut, unser Baby in den Schlaf zu begleiten? Und die Antwort ist ganz klar JA!

Steinzeitbabys in Gefahr

Aus evolutionsbiologischer Sicht war es für Babys nämlich überlebenswichtig, nicht alleine ruhig irgendwo in einen tiefen Schlaf zu fallen. Jeder Säbelzahntiger hätte sie unbemerkt davontragen können. Im Arm einer Bezugsperson einzuschlafen war also eine Art Lebensversicherung. Unsere Babys sind auch heute noch darauf ausgelegt, sich nur ins Land der Träume zu begeben, wenn sie sich warm, satt und sicher fühlen. Und sie wissen einfach nicht, dass jemand am anderen Ende des Babyfons sitzt und keine gefährlichen Tiere lauern. Sie spüren diese Urangst und wollen nicht alleine in den Schlaf gleiten (ja, es gibt auch Ausnahmebabys, sie sind aber genau das, Ausnahmen!).

Co-Regulation benötigt

Neben der Tatsache, dass unsere Babys eigentlich Steinzeitbabys sind, kommen sie auch noch als physiologische Frühgeburten zur Welt. Ihr Nervensystem ist noch nicht komplett ausgereift. Deshalb benötigt dein Baby Körperkontakt von einer Haupt-Bezugsperson zur Co-Regulation. Nur so kann es „runterfahren“, das muss es von einer anderen Person lernen. Durch den Körperkontakt wird der Herzschlag, die Temperatur und auch die Atmung deines Babys beeinflusst. Die Ausschüttung von Cortisol wird gehemmt, die von Endorphinen wird erhöht. Diese körperlichen Reaktionen helfen deinem Baby sanft und natürlich zur Ruhe zu finden.

Wie sollte die Einschlafbegleitung aussehen?

Jetzt wissen wir also, dass dein Baby und Kleinkind ganz natürlich eine Einschlafbegleitung erwartet. Aber wie sollte die Einschlafbegleitung aussehen? Dafür gibt es kein allgemein gültiges Patentrezept. Es gibt aber ein paar Dinge, die du beachten solltest, damit die Einschlafbegleitung besser gelingt.

Müde, satt, sicher

Die wichtigste Voraussetzung, damit dein Baby gut einschlafen kann, ist dass es müde ist. Klingt so banal, ist aber häufig ein Problem. Den viele Babys sollen zu festen Zeiten schlafen, die einfach nicht zu ihrem Schlafrhythmus passen. Und es muss nicht nur müde sein, es muss auch satt sein und sich sicher fühlen. Unter diesen Bedingungen fällt es deinem Baby am leichtesten, in den Schlaf zu fallen. Deshalb ist von Natur aus Stillen die perfekte Einschlafbegleitung. Natürlich ist Stillen aber nicht die einzige Möglichkeit, dein Kind ins Land der Träume zu begleiten.

Schlafbrücken

Babys benötigen eine sogenannte Schlafbrücke, um einzuschlafen. Stillen ist, wie eben gesagt, die natürlichste und vom Baby häufig auch die bevorzugte Schlafbrücke. Es gibt aber noch viele weitere, die ihr ausprobieren könnt. Schlafbrücken können sich dabei im Laufe der Zeit verändern oder von Person zu Person variieren. Während Mama stillt, kann Papa z. B. tragen.

Mögliche Schlafbrücken sind

· Stillen

· Tragen (in Tuch oder Tragehilfe oder einfach auf dem Arm)

· Kuscheln, Streicheln

· Singen

· Auto fahren

· O. Ä.

Vorsicht bei Pezziball und Federwiege!

Das Hüpfen auf dem Pezziball oder das Einschlafen in einer motorisierten Federwiege sind bei Eltern sehr beliebte Schlafbrücken, die mit Vorsicht zu genießen sind. Die Bewegungen sind dabei für das Baby so stark, dass es am Ende durch Überreizung und nicht durch Entspannung einschläft. Behaltet das im Hinterkopf, wenn ihr nach der passenden Schlafbrücke sucht und dosiert diese beiden Methoden mit Bedacht.

Schlaffenster nutzen

Selbst wenn dein Baby müde ist und ihr eine passende Schlafbrücke gefunden habt, findet es manchmal nicht in den Schlaf. Das kann daran liegen, dass ihr ein Schlaffenster verpasst habt. Diese Schlaffenster öffnen sich ca. alle 50 Minuten und nur dann wird dein Baby in den Schlaf finden. Habt ihr dieses Fenster (aus welchen Gründen auch immer) verpasst, wird es knapp eine weitere Stunde dauern, bis ihr die nächste Chance nutzen könnt.

Status-Check

Vielleicht kennst du das Phänomen, dass dein Baby gut eingeschlafen ist, du dich leise aus dem Bett schleichst und es kurz später wieder hellwach ist. Mit diesem Hin und Her können manchmal Stunden vergehen, die nicht selten zu einer Art Verzweiflung führen. Warum kann das Baby nicht einfach weiter schlafen? Die Antwort liegt im leichten Schlaf, mit dem Babys in den Schlaf starten. Während wir Erwachsenen zu Beginn in einen tiefen Schlaf fallen und erst zum Ende der Nacht der leichtere Schlaf auftritt, ist es bei Babys so: Sie schlafen leicht ein, wachen meist nach 30-40 Minuten noch einmal auf, um eine Art Status-Check zu machen (Sind Mama oder Papa noch da? Bin ich noch sicher?) und schlafen danach erst fest ein, wenn dieser Check in Ordnung war. Hast du vorher das Bett verlassen, wacht das Baby richtig auf und beginn den Schlafzyklus von vorne. Warte also besser den Status-Check ab und schleiche dich danach erst aus dem Bett.

Großes Grauen am Abend

Jeder, der schon einmal Kinder beim Einschlafen begleitet hat, kennt vermutlich dieses Gefühl: Die Uhr tickt, man wartet und wartet, im Hinterkopf all die Dinge, die man eigentlich am Abend gerne erledigen würde und das Baby schläft einfach nicht ein. Dabei wollte man doch endlich mal wieder die Lieblingsserie schauen, Paarzeit verbringen, noch schnell etwas erledigen oder einfach nur Feierabend haben und nichts tun.

Was kannst du also machen, um einen solchen Abend für alle angenehmer zu gestalten?

Annehmen

Du solltest die Situation annehmen, so wie sie ist und versuchen, dich nicht auf all das zu konzentrieren, was gerade nicht ist. Dein Baby ist nicht mit böser Absicht wach, es braucht etwas länger. Je mehr du dich in die Situation hinein steigerst, um so schwieriger wird es, dein Kind zu co-regulieren, der Fokus sollte also so gut wie möglich weg vom Kind. Ratter nicht alle ToDos und ein „Schlaf endlich ein“ in Endlosschleife in deinem Kopf durch, das wird dir nicht helfen.

Versuche in dem Zug auch eventuell tief sitzende Glaubenssätze zu hinterfragen. Kommt da vielleicht eine Stimme die sagt : „Das hast du jetzt davon, dass du dein Kind so verwöhnt hast. Hättest du das mal gar nicht angefangen“ oder „Jedes Kind sollte um 19:00 Uhr schlafen. Warum klappt das bei euch einfach nicht?“

Versuche dich unbedingt von solchen Sätzen frei zu machen. Jedes Kind, jede Familie ist anders und ihr habt euren Weg, der an diesem Abend eine längere Begleitung benötigt. Dein Kind wird es dir danken und an ganz vielen Abenden wird es anders sein.

Die Zeit nutzen

„Richtige“ Me-Time sieht anders aus, ja, aber die Zeit während der Einschlafbegleitung für sich zu nutzen ist so wichtig, wenn man Tag für Tag vermutlich über mehrere Jahre, den Abend im Bett verbringt. Manchmal reicht kuscheln und am flauschigen Babyköpfchen riechen, um in dieser Zeit glücklich zu sein, aber eben nicht immer. Such dir deshalb etwas, was du während der Begleitung machen kannst, wie z. B.:

· Ein Buch lesen; vielleicht auf einem ganz wenig beleuchteten Ebook-Reader

· Ein Hörbuch, einen Podcast oder Musik hören

· Die Lieblingsserie schauen; vielleicht mit Kopfhörern auf einem wenig beleuchteten Tablet

· Das Handy nutzen für Whatsapp, Facebook, Instagram, für ein Spiel oder zum Beantworten von Mails

· Meditieren

· Ein paar Sachen im Haushalt oder Spazieren gehen, während das Kind in der Trage einschläft

Grenzen erkennen

Bei all den Idealvorstellungen der Einschlafbegleitung ist nicht außer Acht zu lassen, dass manchmal einfach die Kapazitäten dafür fehlen. Und das ist OK! Wichtig ist nur, diese Grenzen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Wenn du also merkst, du kannst die Einschlafbegleitung nicht wie gewohnt erledigen, suche nach Alternativen, die Ressourcen schonen.

Lass den Partner die Einschlafbegleitung übernehmen oder vielleicht sogar die Oma, wenn sie in der Nähe ist. Nutz eine Schlafbrücke, die du vielleicht nicht ideal findest, die aber funktioniert (Auto fahren z. B.). Lass das ältere Kind, das vielleicht später ins Bett geht fernsehen, bevor es dir das Baby zig mal aufweckt, nur weil es sich gerade nicht alleine beschäftigen kann. Lass die Geschichte ausfallen und geh direkt zum Einschlafstillen über.

Du kannst nicht immer die „perfekte“ Begleitung bieten, das ist vollkommen in Ordnung und so viel wichtiger, als irgendwann komplett ausgebrannt zu sein und dann vielleicht das Kind, das so dringend Begleitung braucht alleine schreiend einschlafen zu lassen.

Schlafprogramme

Deshalb möchte ich zum Schluss noch kurz etwas zu Schlafprogrammen sagen, die oft als so gute und einfache Lösung verkauft werden, um einem Baby das selbständige Einschlafen beizubringen.

All diese Schlafproramme, sei es die Ferber-Methode oder etwas ähnliches, sind nicht artgerecht. Ein Baby lernt dadurch, dass es sich alleine in den Schlaf schreit nicht, dass es alleine einschlafen soll, sondern nur, dass niemand kommt, wenn es in Not ist. Dieses Schreien ist ein absoluter Hilferuf, das Baby hat Todesangst und schläft am Ende nur ein, weil es aufgibt. Der Körper schaltet in eine Art Überlebensmodus, in dem Energie gespart wird. So kann dein Baby nicht auf gesunde Art das Einschlafen lernen (siehe oben, sein Nervensystem ist noch unausgereift und muss erst lernen).

Das Ergebnis von Schlafprorammen ist als, dass das Baby tatsächlich alleine einschläft. Die Kosten, die dafür in Kauf zu nehmen sind, sind aber zu groß, um solche Maßnahmen zu rechtfertigen.

Solltest du also an dem Punkt stehen, an dem dir ein solches Programm als letzter Ausweg erscheint, such dir Unterstützung. Für dich und für dein Baby! Es gibt immer eine andere Option und auch ihr werdet eine für euch passende finden.

Fazit

Wie lange dein Kind die Einschlafbegleitung braucht, wie lange es deine Nähe und Unterstützung zum Einschlafen benötigt, ist sehr individuell. Da die Entwicklung unserer Kinder nicht linear verläuft, sondern in Phasen, kann es sehr gut sein, dass ihr mal vorwärts kommt und ihr dann wieder einen Schritt zurück geht. Es kann also sein, dass dein Kind irgendwann alleine einschläft und es dann doch wieder deine Begleitung braucht.

Auch die Form der Einschlafbegleitung ist sehr individuell, sodass jeder einen eigenen, zum Kind und zur Familie passenden Weg finden muss.

Und so anstrengend die Begleitung häufig auch ist, so sehr profitieren unsere Kinder davon. Und dann gibt es ja auch die Abende, an denen man einfach liegen bleibt, weil man sich nicht vom unendlich goldigen Anblick seiner schlafenden Kinder lösen kann.

Habt eine gute Zeit und erzählt doch mal, wie bei euch die Einschlafbegleitung aussieht.

Autorin: Anna

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