Wie Kinder schlafen – Die 6 Schritte in den Schlaf

Kennst du diese Tage, an denen du dir abends nichts sehnlicher wünschst, als dass die Kinder endlich einschlafen? Aber genau das ist oft gar nicht so einfach. Deshalb schauen wir uns heute an, wie Kinder schlafen, bzw. welche Schritte nötig sind, damit ein Kind überhaupt einschlafen kann?

Die 6 Schritte in den Schlaf

Oft stellen wir uns einschlafen so einfach vor: Müde sein – Schlafen. Die Realität zeigt aber, dass es so nicht funktioniert. Einschlafen ist ein sensibler Prozess bei dem unsere Kinder sehr lange Begleitung brauchen. Damit sie in den Schlaf finden können, durchlaufen sie immer 6 Schritte, die ich dir gleich noch im Detail vorstellen werde. Vielleicht findest du so auch noch ein paar Hinweise, warum deinem Kind das Einschlafen manchmal so schwer fällt.

Adenosinkonzentration

Durch körperliche Aktivität wird in unseren Zellen aus Adenosin-Triphosphat Adenosin gebildet. Erreicht die Adenosin-Konzentration im Gehirn dann abends eine gewisse Höhe, ist der erste Schritt erfüllt: Der Körper ist müde.

Tage mit wenig Bewegung führen dazu, dass die Adenosinkonzentration abends nicht hoch genug ist. Wir kennen das vielleicht von anstrengenden Seminar-Tagen. Man hört den ganzen Tag zu, der Kopf fühlt sich abends so müde an, aber man findet trotzdem nicht in den Schlaf. Dann fehlt Bewegung, um die Adenosin-Konzentration zu erhöhen.

Ein Spaziergang am Nachmittag oder nach dem Abendessen kann also dafür sorgen, dass an Tagen mit wenig Bewegung noch ausreichend viel Adenosin gebildet wird.

Hypothalamus-Check

Ist Schritt eins erfüllt, kann der nächste Schritt auf dem Weg in den Schlaf überprüft werden: Ist das das Kind warm, satt und sicher? Diese Überprüfung übernimmt der Hypothalamus, da es vor allem zu vergangenen Zeiten für uns wirklich lebensgefährlich gewesen wäre, in der falschen Umgebung einzuschlafen. Erfrierungen und wilde Tiere waren zu dieser Zeit nur zwei der potenziellen Gefahren, die während dem Schlaf zur Bedrohung werden konnten.

Heute hilft ein gutes Abendessen und die richtige Bezugsperson an seiner Seite deinem Kind diesen Schritt als erledigt anzusehen. Stillen erfüllt zum Beispiel alle drei der Warm-Satt-Sicher-Faktoren, weshalb Einschlafstillen für Kinder eine so beliebte und gut funktionierende Brücke in den Schlaf darstellt.

Suprachiasmatischer Kern

Nun wird Schritt drei überprüft, wir befinden uns also auf halbem Weg in den Schlaf. Der Suprachisamatische Kern sitzt zwischen unseren Augen, hinter dem Sehnerv und er ist eine Art innere Uhr, die irgendwann “Schlafenszeit” anzeigt. Dieser Kern lernt in der Babyzeit unseren Tag-Nacht-Rhythmus in Abhängigkeit der Helligkeit kennen. 

An Tagen mit zu wenig Sonnenlicht kann diese innere Uhr durcheinander kommen. Deshalb sind vor allem Spaziergänge in der Dämmerung oder schwaches Kerzenlicht beim Abendessen hilfreich, um die Schlafenszeit einzuläuten. Kontraproduktiv sind dagegen grelle, künstliche Lichtquellen, die eher signalisieren, dass der Tag noch lange nicht vorbei ist. 

Hormonstatus

Ist also die Schlafenszeit eingeläutet, wird im nächsten Schritt der Hormonstatus des Körpers überprüft. Denn auch die Hormone geben viel Aufschluss darüber, ob dein Kind bereit ist, in den Schlaf zu sinken oder nicht. Schlaf ist nur dann möglich, wenn die “richtigen”, die Schlaf-Hormone in ausreichender Menge vorhanden sind. Dazu zählen Melatonin, das Schlafhormon, Oxytocin, das Geborgenheitshormon und Leptin das Sättigungshormon. 

Gefährdet wird der Einschlafprozess dagegen durch Cortisol, das Stresshormon, durch Orexin, das Hungerhormon und Serotonin, das Glückshormon. Eine solche Hormonausschüttung findet zum Beispiel dann statt, wenn dein Kind sich abends darüber freut, dass MaPa von der Arbeit kommt und erst noch einmal richtig Toben möchte, bevor es dann Zeit fürs Bett wird. Auch wenn das nach so vielen Stunden der Trennung oft großen Spaß für beide Seiten bedeutet, führt das nicht selten dazu, dass das Zu-Bett-Gehen am Abend deutlich länger dauert. 

Vagusnerv

Sind auch die Hormone in richtiger Konzentration vorhanden, nähern wir uns mit großen Schritten dem Einschlafen. Als letzter Schritt in den Schlaf schaltet sich der Vagusnerv ein. Falls du noch nie etwas von diesem besonderen Nerv gehört hast, empfehle ich dir meinen Artikel darüber, in dem du weitere Hintergrundinformationen rund um den gesunden Babyschlaf erhältst. 

Wenn sich der Vagusnerv einschaltet, fährt er den Körper runter. Er ist mit allen Organen verbunden und bringt diese in den Ruhezustand. Diese Fähigkeit muss der Nerv aber erst lernen, sodass es für dein Baby besonders wichtig ist, bei diesem Prozess begleitet und coreguliert zu werden (auch dazu erfährst du mehr in meinem Artikel über den Vagusnerv). 

Einschlafen

Geschafft! Ihr habt alle Schritte durchlaufen und dein Kind hat endlich in den Schlaf gefunden. Bedenke, dass bei Säuglingen der Tiefschlaf erst nach ca. 25 Minuten einsetzt. Versuchst du dein Baby vorher abzulegen, wacht es mit großer Wahrscheinlichkeit wieder auf.

Kurz bevor dein Kind in eine tiefe Schlafphase sinkt, macht es häufig (nach ca. 25 Minuten) noch einen Sicherheits-Check, bei dem es aufwacht. Wenn ihr also genau nach dieser Zeit immer wieder Probleme habt, weil euer Kind aufwacht, sobald ihr euch aus dem Schlafzimmer geschlichen habt, wartet einfach diesen Moment ab. Begleitet das Kind wieder in den Schlaf (was meist sehr schnell geht) und verlasst danach erst das Zimmer. 

Schlaffenster

Als wären sechs Schritte in den Schlaf nicht schon schwierig genug, gibt es aber noch eine weitere Hürde, die euch das Einschlafen erschweren kann: Die Schlaffenster. 

Kinder haben, bis ca. zum Erreichen des dritten Lebensjahres, sogenannte Schlaffenster. Nur in diesen Fenstern gelingt ihnen der Schritt ins Land der Träume. Verpasst ihr ein solches Fenster, öffnet sich das nächste erst wieder in ca. 50 Minuten. 

Auch das kommt euch vielleicht bekannt vor? Das Kind ist eigentlich müde, dann muss aber gerade noch dies oder das erledigt werden, die Abendroutine dauert zu lange oder das Kind findet aus anderen Gründen nicht in den Schlaf und dann dauert die Einschlafbegleitung wieder extra lang. Warum scheint das Kind einfach nicht einschlafen zu wollen, obwohl es doch so offensichtlich müde ist?

Das kann dann wirklich daran liegen, dass ihr das Schlaffenster verpasst habt. Hier lohnt es sich, frühzeitig auf die Müdigkeitszeichen eures Kindes zu achten und alles daran zu setzen, es zügig in den Schlaf zu begleiten. 

Wie Kinder schlafen

Jetzt kennst du sie, die Schritte in den Schlaf. Ich hoffe, dass dir dieses Wissen hilft, damit dein Kind abends leichter in den Schlaf findet. Aber bedenke immer, dass jedes Kind einzigartig ist. Der Einschlafprozess des einen Kindes ist sehr sensibel, sodass jede kleinste “Störung” euch wieder bei Schritt eins beginnen lässt. Andere Kinder sind da deutlich weniger “störanfällig”. Sie brauchen kaum Begleitung und finden, wenn sie einmal müde sind, sehr leicht in den Schlaf. 

Wie sieht es bei euch aus? Kommt ihr abends gut zur Ruhe? 

Quellen: Unterlagen der Ausbildung zum Babyschlaf-Coach von Nicola Schmidt und Sarah Schäppi

 

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