Yoga statt Erziehungsratgeber

Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wie viele Erziehungsratgeber ich gelesen habe. Manche waren auch wirklich sehr hilfreich. Aber die größten und schönsten Aha-Momente hatte ich, wenn ich mich mit der Yoga-Philosophie beschäftigt habe oder einen Yoga-Kurs besucht habe. Ständig kam ich in den Genuss von zauberhaften Mini-Erleuchtungen. Weil ich dir auch diese Momente wünsche, versuche ich dir im Folgenden die Punkte, die für mich am wichtigsten sind und waren, zusammen zu fassen.

 

Warum Yoga?

Yoga ist so viel mehr, als „nur“ Asanas (körperliche Übungen), meditieren und Pranayamas (Atemübungen). Die Philosophie und die Weltanschauung, die dahinterstecken, sind sehr tiefgehend und umfangreich. Und trotzdem sind es manchmal nur einzelne Sätze, die mir die Augen geöffnet haben. Manchmal waren es geschriebene Sätze und manchmal waren es Sätze, die meine Yoga-Lehrerin meist beiläufig im Kurs gesagt hat. Manchmal waren es auch Sätze, die von ganz allein in mir entstanden sind, während ich Yoga praktiziert habe. Ich versuche dir jetzt nur einen kleinen Einblick zu liefern, alles andere wäre unrealistisch und würde den Rahmen sprengen. Yoga ist einfach so unglaublich vielfältig. Wenn dir mein Text und meine Ideen gefallen, tut es dir sicherlich gut, wenn du dich noch mehr damit beschäftigst. Vielleicht besuchst du einen Yoga-Kurs (gibt es auch online), kaufst dir eine Yoga-DVD oder schaust dich mal bei YouTube um. Selbstverständlich wirst du auch bei den Gefährtinnen immer wieder Inspirationen zu Yoga finden.

Im Einklang sein

„Im Einklang“ hört man ständig im Zusammenhang mit Yoga. Aber worum geht es hier eigentlich? Ich glaube besonders wir Mütter kennen dieses Gefühl, dass man hundert Sachen gleichzeitig im Kopf hat und erledigen will. Manchmal ist man total überfordert und gestresst davon; wir schlafen zu wenig, essen ungesund…DAS ist das Gegenteil von „im Einklang sein“ 😉Im Einklang ist man, wenn man diese  besondere Verbindung spürt zwischen Körper, Geist und Seele; alles beeinflusst sich gegenseitig. Wenn ich anfange gesünder zu essen, wird es mir auch seelisch besser gehen und auch mein Geist wird davon profitieren. Wenn man sich dessen bewusst ist, hat man die Möglichkeit, ganz so wie die Ressourcen es zulassen, sich etwas Gutes zu tun. Wenn ich den Kopf voll habe mit Sorgen und Problemen, fällt es mir vielleicht schwer zu meditieren. Ich kann aber ein paar Asanas machen, die mich erden. Natürlich funktioniert das auch umgekehrt; wenn ich körperlich nicht fit bin, kann ich mit meinem Geist arbeiten und dann wird es mir auch körperlich besser gehen. Und wie soll dieser Gedanke jetzt bei Erziehungsfragen helfen?

Wenn wir das auf unsere Familie übertragen, lässt sich daraus ableiten, dass wir auch in der Lage sind uns gegenseitig zu beeinflussen. Wenn es Mama gut geht, geht es meist auch den Kindern gut und umgekehrt. Dieser Gedanke ist nicht besonders neu und trotzdem wird er noch nicht genug beachtet. Achte einfach mal darauf, wie ihr euch gegenseitig beeinflusst. Das ist übrigens nichts Negatives wie ich finde, sondern im Gegenteil, ich finde es total faszinierend, dass man als Familie im Einklang sein kann. Und natürlich kann man auch hier auf die Ressourcen schauen, wenn ich richtig mies drauf bin, gleicht es mein Mann aus und ist besonders gut drauf oder fängt mich und auch die Kinder anders auf.

Man kann spüren wie es dem anderen geht, man kann auch spüren, was dem anderen guttun würde. Voraussetzung ist, dass man den Kontakt zueinander nicht verloren hat, dass man eben im Einklang ist. Und wie schafft man das? Im Yoga heißt es, dass man sich diesen Einklang erarbeiten kann. Und in der Familie ist das auch möglich. Hast du den Kontakt zu einem Familienmitglied verloren? Meist lässt sich dieser ganz einfach wiederherstellen. Das Geheimnis; du musst dir dessen bewusstwerden und dich um den Kontakt bemühen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen; vielleicht durch mehr Zärtlichkeit und Berührungen? Vielleicht durch Gespräche? Vielleicht durch gemeinsame Zeit? Vielleicht gibt es auch eine Frage, die du mit dir alleine ausmachen musst, um wieder in den Kontakt zu kommen. Du findest bestimmt den richtigen Weg.

Das Ding mit dem Karma

Karma ist dir sicherlich ein Begriff. Wenn man etwas Schlechtes/Böses macht, wird einem auch etwas Schlechtes/Böses widerfahren. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Es geht hier nicht um eine unsichtbare Macht, die uns verflucht, wenn wir etwas falsch machen. Es geht eher darum, dass unser Handeln eine Wirkung hat. Wenn wir Gutes tun, kommt es über Umwege auch wieder zu uns zurück. ABER; wir sollten nicht handeln, um etwas Bestimmtes bewirken zu wollen. Wir sollten uns einfach von der Liebe leiten lassen und danach handeln, ohne auf eine bestimmte Wirkung zu hoffen.

Und das finde ich zu 100% auf das Begleiten von Kindern übertragbar. Wir sollten sie nicht „erziehen“ auf eine bestimmte Art und Weise, wir sollten sie einfach nur mit Liebe begleiten. Klingt wieder ganz einfach. Aber sich wirklich frei von irgendwelchen Erwartungen und auch Befürchtungen zu machen, was aus unseren Kindern mal wird, kann ein langer Prozess sein. Aber es lohnt sich! Die Liebe ist der einzige Ratgeber dem man wirklich blind vertrauen kann.

Wir brauchen keine Bewertungen!

Einen Satz, den man auch ganz oft hört ist, dass man nur spüren soll, ohne zu bewerten. Und das ist, zumindest für mich, mit am schwierigsten. Man spürt also, dass man zum Beispiel eine bestimmte Asana nicht so ausüben kann, wie man sollte. Aber man bewertet es nicht; Sätze wie „Ich bin nicht fit genug“ werden aus unserem Kopf gestrichen.

Es ist total normal, dass dir das schwer fällt. Das liegt daran, dass wir unser ganzes Leben lang irgendwelchen Bewertungen ausgesetzt sind. Daher kommt übrigens auch der Gedanke, dass Loben das neue Schimpfen ist. Wenn wir loben, bewerten wir. Die Gefahr besteht darin, dass sich das Kind nicht komplett frei entfaltet, sondern vielleicht sein Handeln danach auswählt, ob es mit einem Lob rechnen kann oder nicht.

Aber ich finde, man darf das Ganze ruhig entspannt sehen. Als ich dieser Idee begegnet bin, habe ich sofort versucht sämtliches Loben einzustellen; statt „Toll, dass du die Treppe alleine runter gegangen bist.“, hieß es dann nur noch „Ich habe gesehen, dass du die Treppe alleine runter gegangen bist.“. Mittlerweile denke ich, Ehrlichkeit ist wohl am angebrachtesten. Wenn ich etwas wirklich toll finde, dann sage ich das auch. ABER: Ich versuche den Zwergen auch einen wertungslosen Umgang mit sich und ihren Mitmenschen zu ermöglichen. Ich überhäufe sie nicht mit Lob oder anderen Bewertungen. Kinder freuen sich darüber, wenn sie gesehen werden; wenn sie wirklich gesehen werden. Und das darf man natürlich auch zeigen und sagen.

Nachspüren

Schon wieder ein Ausdruck, den man häufig im Zusammenhang mit Yoga hört. Du machst eine Atemübung und danach wird dir gesagt:“ Spüre nach“. Was hat es damit auf sich? Es geht NICHT darum, sein Können in der jeweiligen Übung zu bewerten. Wie du weißt, brauchen wir ja keine Bewertungen. Es geht darum, zu spüren, ob und was sich verändert hat. Und allein diese Übung, dass ich etwas mache und im Anschluss die Wirkung erspüre, ist für uns schon total wertvoll. Besonders für unsere Zwerge ist das eine grandiose Übung. Sie lernen, dass ihr Körper auf Handlungen (körperliche Übungen, gesundes oder ungesundes Essen, Atemübungen etc.) reagiert. Und sie lernen nicht nur, dass er reagiert, sondern auch wie er reagiert. Ich finde die Vorstellung einfach wundervoll, dass meine Kinder auch später in der Lage sind zu wissen, was ihnen guttut und was nicht. Und nicht nur das, sie lernen auch, dass ihr Körpergefühl wichtig ist. Dass es Relevanz hat, was sie spüren. Und genau das, sollten wir uns auch selbst gönnen! Lasst uns den Blick öfter auf unser Inneres richten. Es ist selbstverständlich für uns, dass wir auf Geräusche achten, die uns umgeben. Ein lautes Auto, Streit bei den Nachbarn, Vogelgezwitscher, das alles weckt unsere Aufmerksamkeit. Aber wenn uns ein Pups querhängt, haben wir keine Ahnung wie das passieren konnte?! 😊Lasst uns mehr auf unser Inneres hören und achten! Lasst uns Nachspüren!

Fazit

Die Yoga-Philosophie ist einfach unglaublich umfangreich und kann sehr viele Antworten liefern. Man kann tausende Bücher darüberschreiben und lesen. Man kann aber auch schon mit wenigen Sätzen Vieles erklären. Wir brauchen Einklang und keine Bewertungen; Liebe und nicht unsere Erwartungen bestimmt unser Handeln und wir spüren nach! Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, es wird noch mehr Artikel in dieser Form geben. Aber im nächsten Artikel berichtet Anna uns, was es heißt ein Baby nach Bedarf zu stillen. Und in meinem nächsten Artikel erzähle ich dir von der wunderschönen und schmerzfreien Geburt meines jüngsten Sohnes. Selbstverständlich teile ich alle Erkenntnisse, Tipps und Tricks mit dir. Ein echtes Abenteuer und eine lebensverändernde Erfahrung; sei gespannt😉

Autorin: Annika

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